Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 16. Juli 2020 

Die "Sovereign of the Seas": Herrscherliche Selbstdarstellung in Perfektion

13.12.2002 - (idw) Deutsches Schiffahrtsmuseum

Königsschiff Charles I. von Großbritannien aus dem Jahr 1637 stellt Prototyp für eine ganze Epoche von Prunkschiffen dar - Deutsches Schiffahrtsmuseum publiziert grundlegende Arbeit des Kölner Kunsthistorikers Hendrik Busmann in aufwendiger Form in seiner Schriftenreihe


Hendrik Busmann: Sovereign of the Seas
Heckfassade des britischen Königsschiffes von 1637 Presse-Info Nr. 17/02 (1) vom 13.12.2002

Die Darstellung von Macht und Anspruch fand schon seit frühester Zeit, insbesondere aber zu Zeiten absolutistischer Herrschaft, immer neue und gewaltigere Formen. Eine ganz besondere Ausdrucksform stellt das herrscherliche Prunkschiff dar, dessen Archetypus - der auf alle barockenen Nachfolger seines Typs bestimmend gewirkt hat - der Kölner Kunsthistoriker Hendrik Busmann 1998 zum Thema seiner Dissertation machte. Das in den wissenschaftlichen "Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums" als Band 54 erschienene Werk widmet sich erstmals der prachtvollen künstlerischen Ausstattung der "Sovereign of the Seas", die - 1635 bis 1637 für den frühen Stuartkönig Charles I. erbaut - vor mehr als 300 Jahren verbrannte.

Ausgehend von der Frage nach dem praktischen Zweck der mehr als tausend blattvergoldeten Figuren befasst sich der Autor - der neben seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit als Kunsthistoriker, Archäologe und Volkskundler bei Fahrten als Deckshand, Bootsmann und Takler auf Rah- und Gaffelseglern auch Erfahrungen in praktischer Seemannschaft sammelte - mit den Funktionen des Königsschiffes als Medium herrscherlicher Selbstdarstellung. Dabei wird deutlich, dass das Schiff entgegen landläufiger Meinung keineswegs eine rein dekorative Fassade von Herrschaft darstellt. Dem Schnitzwerk liegt vielmehr ein komplexes ikonographisches Programm zugrunde, das elementare Repräsentationsaufgaben erfüllt und deshalb einen unverzichtbaren Bestandteil des Gesamtkunstwerks bildet.

Im zweiten Teil des Buches folgt eine umfassende Deutung des Bildprogramms. Vor dem kulturgeschichtlichen Hintergrund absolutistischer Herrscherideologie, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen, eröffnet sich dem Leser die Geisteswelt der frühen Stuartdynastie. Er erhält damit den Schlüssel zum Verständnis der in allegorischer "Bildsprache" komponierten Skulpturenzyklen. So liefert Busmann nicht nur einen wichtigen Forschungsbeitrag zum Schiff, sondern weist auch neue Wege zu einer angemessenen Würdigung der tragischen und oft missverstandenen Person Charles I. Darüberhinaus wird auch die Programmatik der barockenen Nachfolger der "Sovereign of the Seas", beispielsweise unter preußisch-brandenburgischer Flagge, verständlich.

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven kann die Aufsehen erregende Arbeit von Hendrik Busmann nun mit freundlicher Unterstützung des Fördervereins Deutsches Schiffahrtsmuseum e.V. in aufwendiger Form als Band 54 seiner wissenschaftlichen Schriftenreihe vorlegen.

Der großformatige, in Kunstleinen gebundene und mit farbigem Schutzumschlag versehene Band von Hendrik Busmann: "SOVEREIGN OF THE SEAS. Die Skulpturen des britischen Königsschiffes von 1637" (ISBN 3-934613-19-5), erschienen im Convent Verlag, Hamburg, umfasst 312 Seiten mit über 200, teils farbigen und bislang unveröffentlichten Abbildungen aus den bedeutendsten Sammlungsbeständen weltweit sowie drei Falttafeln, auf denen das Schiff mit seinen Skulpturen detailliert dargestellt ist. Der Band ist zum Preis von EUR 75,90 im Museumsshop des DSM und im Buchhandel erhältlich.

uniprotokolle > Nachrichten > Die "Sovereign of the Seas": Herrscherliche Selbstdarstellung in Perfektion

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/10669/">Die "Sovereign of the Seas": Herrscherliche Selbstdarstellung in Perfektion </a>