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"Strafvollzugsrecht darf nicht Ländersache werden"

27.10.2005 - (idw) Universität Hannover

Juraprofessor Calliess wird zu seinem 70. Geburtstag mit einem Kolloquium zum Thema Strafvollzugsrecht geehrt Sein Lebenswerk hat er der Justiz gewidmet. Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafvollzugsrecht und Rechtstheorie waren und sind bis heute seine Themen. Aus Anlass seines 70. Geburtstags versammeln sich Weggefährten von Prof. Rolf-Peter Calliess aus Theorie und Praxis am 3. November 2005 ab 14 Uhr zu einem wissenschaftlichen Kolloquium zum Thema "Strafrecht als konkretisiertes Verfassungsrecht" an der Universität Hannover, wo Calliess seit 1974 gelehrt hat. Das Kolloquium findet im Sitzungssaal der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Königsworther Platz 1, 1. Stock, 30167 Hannover, statt. Pressevertreter sind herzlich eingeladen.

Einen rechtspolitischen Skandal hat Professor Calliess bei der vorerst gescheiterten Föderalismuskommission ausgemacht, der bisher in öffentlichen Diskussionen nahezu unbeachtet blieb: "Die bisher bewährte und im Grundgesetz verankerte Gesetzeskompetenz des Bundes für den Strafvollzug soll nun - sozusagen als Verhandlungsmasse - auf die Länder übertragen werden", erklärt Professor Calliess. "Es kann doch nicht sein, und es ist keinem Bürger verständlich zu machen, dass die Freiheitsstrafe, die nach den bundeseinheitlichen Normen des Strafgesetzbuches und der Strafprozessordnung verhängt worden ist, in der Durchführung nach nun unterschiedlichen Normen der Bundesländer entweder eine bloße Sicherungs- und Vergeltungsstrafe ist, oder wie im geltenden Strafvollzugsgesetz Resozialisierungsstrafe ist." Es droht nicht nur die Rückkehr zu Kleinstaaterei des 19. Jahrhunderts, sondern auch ein Vollzugstourismus in das jeweilig günstigste Bundesland", erklärt Calliess. Dieses Thema wird Prof. Heinz-Müller Dietz von der Universität Saarbrücken, der unter anderem gemeinsam mit Professor Calliess den Kommentar zum Strafvollzugsgesetz geschrieben hat, vertiefen. Prof. Winfried Hassemer, Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes und Vorsitzender des 2. Senats dieses Gerichts wird über einen weiteren Schwerpunkt des Kolloquiums die "Europäisierung und Globalisierung als Herausforderung an ein rechtsstaatliches Strafrecht" referieren. Thema ist hier unter anderem der vom Verfassungsgericht gekippte, so genannte "Europäische Haftbefehl".

Unter dem Thema "Die Bedrohung der Kommunikationsgesellschaft durch Gewalt und die Schutzaufgabe des Strafrechts" wird Prof. Santiago Mir Puig von der Universität Barcelona über die Rezeption der Theorie des dialogischen Rechts von Calliess im spanischen und lateinamerikanischen Raum berichten.

Prof. Rolf-Peter Calliess wurde am 21. März 1935 in Berlin geboren. Von 1954 bis 1959 studierte er an verschiedenen Universitäten Rechtswissenschaften und schloss sein Studium in Berlin ab. Von 1957 bis 1960 studierte er im Zweitstudium Evangelische Theologie, Philosophie und Soziologie, welches er 1961 mit der Promotion zum Dr. phil. beendete. Nach einer Beschäftigung als Lehrstuhlassistent und einer Reihe von Tätigkeiten in kirchlichen Ämtern und Gremien, begann er 1968 als Habilitand von Prof. Werner Maihofer an der Universität des Saarlandes und später an der Universität Bielefeld, wo er sich 1973 mit einer strafrechtstheoretischen Studie habilitierte. Seit 1974 bis zu seiner Emeritierung lehrte Prof. Calliess an der Universität Hannover als Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Strafvollzugsrecht und Rechtstheorie und legte in dieser Zeit ein vielseitiges wissenschaftliches Werk der Rechtstheorie vor.


Hinweis an die Redaktion:
Für nähere Informationen steht Ihnen Prof. Rolf-Peter Calliess unter Telefon 0511/3941860 gern zur Verfügung. Ein Bild kann bei der Pressestelle der Universität Hannover angefordert werden; Tel. +49 511.762-5342 oder per Mail unter info@pressestelle.uni-hannover.de

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