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Zur Problematik der Sterbehilfe: Sind Patientenverfügungen die Lösung?

27.10.2005 - (idw) Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Zu den neuen Entwürfen von Bundesregierung und der
Enquête-Kommission des Bundestages

Öffentlicher Vortragsabend der Göttinger Akademie der Wissenschaften
1. November 2005, 18 Uhr
Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund in Berlin / Großer Saal
In den Ministergärten 10, 10117 Berlin Die Göttinger Akademie der Wissenschaften lädt am 1. November 2005 Interessierte ein, sich über das Thema Sterbehilfe zu informieren. Ab 18 Uhr werden sich in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin die Akademiemitglieder Hans-Ludwig Schreiber und Günther Patzig mit Patientenverfügungen und den neuen Entwürfen von Bundesregierung und Enquête-Kommission des Bundestages sowie mit der Problematik von philosophischen Aspekten der Sterbehilfe befassen. Die Vorträge von Hans-Ludwig Schreiber und Günther Patzig richten sich an eine breite Öffentlichkeit.

Zur dringend erforderlichen gesetzlichen Regelung der Sterbehilfe ist es trotz wiederholter Versuche bisher nicht gekommen. Über ethische Grundfragen herrscht Streit, in der ärztlichen Praxis erscheint vieles unklar. Hans-Ludwig Schreiber wird in seinem Vortrag über "Patientenverfügung als Lösung des Sterbehilfeproblems? Zu den neuen Entwürfen von Bundesregierung und Enquête-Kommission des Bundestages" die noch offenen Fragen benennen. Denn die aktive Sterbehilfe ist in der politischen Diskussion jüngst wieder zum Problem geworden. Ihre Zulassung, so Schreiber, sollte nicht versucht werden. Für viel dringlicher und von viel größerer praktischer Bedeutung hält er die Fragen nach Umfang und möglicher Beendigung lebenserhaltender ärztlicher Behandlung.

Die neuen Entwürfe und Pläne des Bundesjustizministeriums, der Enquête-Kommission des Bundestages und des Nationalen Ethikrats rücken die Autonomie und die Patientenverfügung in den Mittelpunkt. Das betrifft aber - so Hans-Ludwig Schreiber - nur eine Perspektive des Problems. Das Abstellen allein auf die Patientenverfügung ist nach seiner Ansicht nicht die Lösung. Die Sterbehilfe in ihren möglichen und zulässigen Formen bedarf der Neuregelung. Der Alternativentwurf Sterbehilfe deutscher, schweizer und österreichischer Strafrechtslehrer, der soeben erschienen ist und an dem Hans-Ludwig Schreiber mitgearbeitet hat, zeigt die Breite der zu regelnden Fragen, die über das Problem der Patientenverfügung weit hinausgehen.

Günther Patzig wird in seinem Vortrag auf philosophische Aspekte der Sterbehilfe und deren Problematik eingehen. Er möchte die heutige Diskussion in Be-ziehung zu traditionellen, theologischen und philosophischen Konzepten zum Thema "Suizid" setzen und vor diesem historischen Hintergrund die wichtigsten Argumente für und gegen die Sterbehilfe einer rationalen Prüfung unterziehen. Seine Empfehlung läuft auf eine wohldefinierte Liberalisierung der gesetzlichen und ärztlichen Regeln hinaus.

Die Referenten:

Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Günther Patzig, seit 1971 Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, deren Präsidentschaft er von 1986 bis 1990 inne hatte, ist Professor der Philosophie an der Göttinger Universität. Zu seinen Schwerpunkten in Forschung und Lehre gehören neben Antiker Philosophie, Logik und ihre Geschichte, Ethik und angewandte Ethik insbesondere die Medizinethik und Wissenschaftstheorie.

1983 wurde Günther Patzig mit dem Niedersachsen-Preis für Wissenschaft ausgezeichnet. Außerdem ehrte ihn die Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Jahr 2000 mit dem "Ernst-Hellmut-Vits-Preis" für sein Lebenswerk.

Prof. Dr. iur. Dr. iur. h.c. Dr. med h.c. Hans-Ludwig Schreiber, seit 1997 Mitglied der Akademie, ist Professor für Strafrecht und Allgemeine Rechtstheorie an der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen. 1987 wurde er Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, 1992 Präsident der Georg-August-Universität Göttingen, ein Amt, das er bis 1998 ausfüllte. Lange Jahre war er Vorsitzender bzw. stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der VW-Stiftung.

Vor allem durch seine interdisziplinären Forschungen im Bereich der Forensischen Psychiatrie, des Medizin- und des Biorechts hat sich Hans-Ludwig Schreiber einen Ruf weit über Deutschland hinaus erworben, u. a. ist er Vorsitzender der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer.

Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen:

"Kompetenz durch Kooperation" lautet der Leitspruch der 1751 gegründeten Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Damit hält sie nicht nur an dem Gedanken der Einheit der Wissenschaften fest, sondern hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu führen. Der Forschungsschwerpunkt der Göttinger Akademie liegt im Bereich der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Hier leitet sie langfristig angelegte und international angesehene Forschungsvorhaben. In vielen ihrer Forschungsprojekte kommt der interdisziplinäre Charakter zwischen geisteswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Forschung zum Tragen.

Regelmäßig wendet sich die Göttinger Akademie mit einem breiten Spektrum von Veranstaltungen an das wissenschaftlich interessierte Publikum. Dazu gehören nicht nur Vortragsabende zu aktuellen Themenstellungen, öffentliche Akademiesitzungen und gemeinsame Ringvorlesungen mit der Universität Göttingen, sondern auch internationale Konferenzen und Tagungen.

Ihr Ansprechpartner für Rückfragen
ist Ulla Deppe von der Göttinger Akademie der Wissenschaften, Tel. 0551/39 53 62, Mail: udeppe@gwdg.de

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