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Zahnmedizinische CAD-Software "viRus" mit IST Prize 2006 ausgezeichnet

28.10.2005 - (idw) Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD

viRus ermöglicht vollautomatische Konstruktion von Kronen und Inlays / Bessere Qualität und geringere Kosten bei Zahnrestaurierungen Kronen und Inlays aus Keramik werden immer häufiger zur Zahnrestaurierung verwendet. Sie sind im Mund kaum sichtbar, weisen einen ähnlichen Härtegrad wie der natürliche Zahn auf und sind weitaus länger haltbar als beispielsweise Amalgam. In diesem Zusammenhang gewinnen auch CAD- und CAM-Systeme, mit denen diese keramischen Zahnersatzstücke modelliert werden, zunehmend an Bedeutung. Allerdings sind bei den herkömmlichen Systemen zahlreiche manuelle Eingriffe sowie ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen des Zahntechnikers notwendig. Dies senkt die Qualität und steigert gleichzeitig die Preise. Im Auftrag von und in Zusammenarbeit mit der HintEL's GmbH entwickelte das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD nun die CAD-Software viRus, mit der Kronen und Inlays vollautomatisch rekonstruiert, visualisiert und modifiziert werden können. Das System reduziert manuelle Eingriffe auf ein Minimum und senkt damit den Zeitaufwand und die Behandlungskosten. Auch Ungenauigkeiten, die beim herkömmlichen mehrstufigen Prozess vergleichsweise leicht passieren können, werden mit viRus vermieden.

Grundlage der Rekonstruktion ist ein dreidimensionales Modell des Patientengebisses, das der Zahnarzt per Intraoralkamera oder durch Scannen eines Gipsmodells anfertigt. Es zeigt den betroffenen Restzahn, die beiden Nachbarzähne sowie die Antagonisten. Im Gegensatz zu anderen Systemen verfügt viRus über eine Datenbank mit virtuellen Zahnmodellen. Anstatt das Zahnersatzstück neu zu formen, wählt der behandelnde Arzt einfach das Modell aus der Datenbank, das dem natürlichen Zahn des Patienten am nächsten kommt. Dieses wird dann automatisch im virtuellen Modell auf den Restzahn gesetzt und an die umliegenden Zähne sowie den betroffenen Zahn angepasst. Um manuell letzte Korrekturen vorzunehmen stehen dem Zahnarzt in viRus vielfältige Werkzeuge zur Verfügung, mit denen er beispielsweise die Vertiefungen und Höhen des Zahnes individuell regulieren kann. Selbst eine individuelle "Zahn-Datenbank" für einzelne Patienten ist mit vi?us umsetzbar. Wurde für den Patienten eine solche Datenbank angelegt, kann der Zahnarzt dem Patienten bei Bedarf eine exakte Kopie des Originalzahns einsetzen. HintEL's vermarktet die Technologie inzwischen weltweit.

Die Innovationskraft von viRus wurde am 6. Oktober 2005 mit dem European Information Society Technologies Prize 2006, kurz IST Prize 2006, ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1995 vom European Council of Applied Sciences and Engineering im Auftrag der Europäischen Union verliehen und honoriert europaweit die Entwicklung besonders innovativer Produkte im Bereich Informationstechnologie. In diesem Jahr wurden mehr als 200 Vorschläge aus 29 Ländern eingereicht, von denen 20 mit dem IST Prize ausgezeichnet wurden. Diese Preisträger qualifizieren sich auch für den IST-Grand-Prize 2006, der im März 2006 verliehen wird. Die Produkte der Gewinner werden vom 30. November bis 1. Dezember 2005 bei der Europäischen Kommission in Brüssel ausgestellt. Intressierte sind dazu eingeladen die Ausstellung zu besuchen und die ausgezeichneten Produkte live im Einsatz zu sehen.

Nähere Informationen zu viRus erhalten Sie im Internet unter: http://a7www.igd.fraunhofer.de

oder bei
Fraunhofer IGD
Abteilung Cognitive Computing and Medical Imaging
Sabine Neugebauer
Telefon: 06151/155-506
E-Mail: sabine.neugebauer@igd.fraunhofer.de

Kurzprofil INI-GraphicsNet:
Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD, dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung ZGDV e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt sowie weiteren acht Institutionen in sechs Ländern: dem Centre for Advanced Media Technology (CAMTech), dem Centre for Graphics and Media Technology (CGMT), beide in Singapur, dem Centro de Computação Gráfica (CCG) in Guimarães und Coimbra (Portugal), The IMEDIA Academy in Providence, Rhode Island (USA), dem Omaha Graphics and Media Laboratory (OGM) in Nebraska (USA), dem Centre for Visual Interaction and Communication Technologies (VICOMTech) in San Sebastian (Spanien), dem Institute for Graphic Interfaces (IGI) in Seoul (Süd-Korea) und dem Center for Advanced Computer Graphics Technologies (GraphiTech) in Trento (Italien).
Diese Institutionen bilden das weltweit größte und leistungsfähigste Forschungs-Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung. Ihre Kernkompetenz ist die Visualisierung und interaktive Verarbeitung von Daten, Informationen und Wissen. Sie erforschen und entwickeln neue Interaktions- und Dialogformen für digitale Medien und realisieren innovative Systeme zur Kommunikation und graphisch-interaktiven Kooperation über Rechnernetzwerke. Innerhalb des Forschungsverbundes sind an den zehn Standorten über 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 500 wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Der Etat betrug 2004 über 40 Millionen EURO.

Weitere Informationen: http://a7www.igd.fraunhofer.de
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