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Völkermord ist nicht typisierbar: RUB-Genozidforschung: Zeitschrift erschienen

28.10.2005 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Bei den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei kann der Genozid an den Armeniern vor 90 Jahren zu einem Prüfstein werden: bis heute bestreitet die Türkei diesen Völkermord. Europa und die "Armenische Frage" stehen im Fokus der neuen Ausgabe der Zeitschrift für Genozidforschung (Herausgeber: Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der RUB). Völkermorde lassen sich nicht mit einer allgemeinen Theorie der "ethnischen Säuberung" oder des politischen Konflikts analysieren. Die Beiträge der aktuellen Ausgabe vertiefen an Hand von Beispielen zentrale Fragen der Genozidforschung. Bochum, 28.10.2005
Nr. 335

Völkermord ist nicht typisierbar
RUB-Genozidforschung: Zeitschrift erschienen
Im Fokus: Europa und die "Armenische Frage"

Bei den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei kann der Genozid an den Armeniern vor 90 Jahren zu einem Prüfstein werden: bis heute bestreitet die Türkei diesen Völkermord. Europa und die "Armenische Frage" stehen im Fokus der neuen Ausgabe der Zeitschrift für Genozidforschung (Herausgeber: Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der RUB). Völkermorde lassen sich nicht mit einer allgemeinen Theorie der "ethnischen Säuberung" oder des politischen Konflikts analysieren. Die Beiträge der aktuellen Ausgabe vertiefen an Hand von Beispielen zentrale Fragen der Genozidforschung.

Die "Armenische Frage"

Michael Jeismann erörtert in seinem Beitrag über Armenien, wie Europa an den Genozid erinnert. Die Türkei bestreitet diesen bis heute, stellt die Geschehnisse als Kriegshandlungen dar. Auch die Bundesregierung hat lange zu diesem Thema geschwiegen. Jeismann erläutert, wie der "geleugnete Genozid" die deutsche und europäische Erinnerungskultur sowie die europäische Zukunft herausfordert. "Die Europäische Union sollte der Türkei begreiflich machen, dass es einen anderen Stolz als den des nationalistischen Verdrängungstrotzes gibt", so Jeismann in seinem Beitrag.

Genozidforschung: eine eigenständige Perspektive

Die vier Beiträge der Ausgabe 1/2005 plädieren dafür, die Genozidforschung als eigenständige Perspektive zu entwickeln. Kristin Platts prüft in ihrem Beitrag neue Ansätze zur Erörterung von Kriegen und gewaltvollen Konflikten. Genozidforschung müsse der Versuchung widerstehen, "eine Gesamtgestalt Genozid zu definieren: denn es gibt keinen typischen Genozid, aber es gibt typisierbare Gesellschaften, in denen Gewalt geplant und ausgeführt wird", so Platt. Weitere Themen sind "Der Wahn vom homogenen Großreich. Die bulgarische Nationalitätenpolitik im besetzten Makedonien während des Zweiten Weltkrieges" und neue Formen von Antisemitismus. Den Nahost-Konflikt und die Globalisierung verwenden sowohl extrem rechte als auch extrem linke Parteien dazu, Antisemitismus zu schüren. Ergänzt werden diese Beiträge um Rezensionen aktueller Veröffentlichungen über Völkermord und um eine Forschungsbibliographie mit einer Auswahl von Neuerscheinungen der Jahre 2003 und 2004.

Genozidforschung als Grundlagenforschung

Seit 1999 erscheint die "Zeitschrift für Genozidforschung" des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung, einem An-Institut der RUB. Ziel ist, die Genozidforschung als Grundlagenforschung in die deutsche Wissenschaft einzubinden. Die Zeitschrift erscheint zweimal im Jahr und veröffentlicht aktuelle Ergebnisse der fachübergreifenden, strukturvergleichenden Genozidforschung.

Titelaufnahme

Zeitschrift für Genozidforschung. Strukturen, Folgen, Gegenwart kollektiver Gewalt, Ausgabe 1/2005, herausgegeben vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum, Verlag Wilhelm Fink/ Ferdinand Schöningh, Paderborn, ISSN: 1438-8332.
Die Zeitschrift kann über den Buchhandel oder direkt über den Verlag (http://www.fink.de) bezogen werden. Die "Zeitschrift für Genozidforschung" erscheint halbjährlich. Der Jahresbezugspreis beträgt 34,90 Euro, für Studierende 27,90 Euro. Das Einzelheft kostet 21,00 Euro. Alle Preise incl. MwSt., zzgl. Versand.


Weitere Informationen

Kristin Platt, Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum, Tel: 0234/32-29702, Fax: 0234 / 32-14770, E-Mail: idg@rub.de, Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/idg, http://www.rub.de/idg/zeitschrift/index.shtml
Weitere Informationen: http://www.rub.de/idg/zeitschrift/index.shtml
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