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Die Tauchgänge der Nautile zum Wrack des Öltankers Prestige

19.12.2002 - (idw) Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Die Nautile, ein Spezial-U-Boot des französischen Forschungsinstituts zur Nutzung der Meere (Ifremer), hat mehrmals zum Wrack des vor der spanischen Küste gesunkenen Öltankers Prestige getaucht. Die Nautile soll jetzt versuchen, die entdeckten Lecks, durch die das Öl noch immer austritt, in den nächsten Wochen abzudichten.

Als der Öltanker Prestige am 19. November 270 km vor der galicischen Küste zuerst in zwei Teile zerbrach und später sank, verursachte er eine ebenso ökologische, wie auch ökonomische Katastrophe. Auf Wunsch der spanischen Behörden, die durch das SASEMAR (Sicherheits- und Rettungsgesellschaft auf See) vertreten waren, begab sich das Forschungschiff der Ifremer "L'Atalante", ausgerüstet mit dem Spezial-U-Boot Nautile, an die Unglücksstelle. Zwischen dem 2. und dem 9. Dezember tauchte die Nautile mehrmals zum Wrack.
Die spanischen Behörden haben die Zielsetzungen der Aufgabe und des Tauchens bestimmt und die Ergebnisse analysiert. Die Nautile hatte folgende Aufgaben zu erfüllen:
- Lokalisierung des Wracks
- Beobachtung der Umgebung des Wracks
- Messung verschiedener Parameter: Wassertemperatur, Stärke der Wasserströmungen,...
- Lokalisierung der eventuellen Stellen, aus denen Öl aus dem Rumpf fließt

Während jedes Tauchganges bestand die Besatzung der Nautile aus einem Piloten, einem Navigator sowie einem spanischen Beobachter. Insgesamt tauchte die Nautile sieben Mal auf 3500 m und verbrachte 30 Stunden in der Nähe der Prestige. Der vordere Teil des Wracks (der den größten Teil der Ölbehälter enthält) wurde, dank der Sonden an Bord der L'Atalante und dem Sonargerät des U-Bootes, sofort lokalisiert. Der hintere Teil der Prestige wurde später gefunden, auf einem Hang, etwa 3 km vom vorderen Teil entfernt.
Robin, ein von der Nautile aus ferngesteuerter Roboter, kam ebenfalls zum Einsatz. Robin ist eine unentbehrliche Hilfskraft für das U-Boot. Mit Projektoren und Kameras ausgestattet, konnte der wendige Winzling sehr nahe an das Wrack und sogar in das Wrack eindringen. Ein für die Nautile und ihre Besatzung selbst teilweise viel zu gefährliches Unternehmen.
Insgesamt wurden auf beiden Teilen der Prestige 14 Öllecks entdeckt. Der tägliche Ölausstoß wurde von spanischen Experten auf 125 Tonnen geschätzt. Obwohl das U-Boot für solche Arbeiten eigentlich gar nicht ausgerüstet ist, wird die Nautile in den nächsten Wochen versuchen die Lecks abzudichten, um die Entstehung neuer Ölteppiche möglichst zu verhindern.

Das Spezial-U-Boot Nautile wiegt 19,5 Tonnen, ist 8 Meter lang und kann bis auf 6.000 Meter tauchen. Konzipiert für die Beobachtung und die Intervention, ist es mit Kameras und Manipulatorarmen ausgestattet, um Stichproben zu sammeln und Messungen mit Hilfe von Sonden durchzuführen.
Das Tauchen der Nautile wird durchgeführt solange der Seegang die Stärke 4 nicht überschreitet und mit einer maximalen Windgeschwindigkeit von 25 Knoten. Seit seiner Inbetriebnahme im Jahre 1984 hat sie etwa 1.500 Tauchmanöver in allen Ozeanen durchgeführt. Während Operationen wie die
auf der Titanic, die Untersuchung der Überreste des Kriegsschiffes La Lune der französisch königlichen Marine, oder die Bergung einer italienischen DC9 besonders mediatisiert wurden, wird die Nautile hauptsächlich für wissenschaftliche Aufgaben in den Bereichen Geologie oder Biologie eingesetzt.

Mehr Infos über die Flotte der Ifremer und Bilder finden Sie unter:
www.ifremer.fr/flotte (auf französisch) oder
www.ifremer.fr/fleet/index.html (auf englisch).

Kontakt: Guy Herrouin, Ifremer / Centre de Toulon-La Seyne
Tel: +33 4 94 30 48 49


Die Wissenschaftsabteilung der französischen Botschaft in Deutschland setzt sich ein für die Förderung der bilateralen Kooperation zwischen Frankreich und Deutschland im Bereich Forschung und Entwicklung. Sie arbeitet an einer Verbesserung des Austausches von Informationen zwischen beiden Ländern über die Forschungseinrichtungen, Universitäten, die private Forschung und informiert über die wissenschaftliche Aktualität beider Länder.

In diesem Rahmen veröffentlicht sie unter anderem " Wissenschaft-Frankreich ", ein elektronisches Bulletin über die französische wissenschaftliche Aktualität in deutscher Sprache.
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