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Hohe Auszeichnung für Prof. Dr. Gerhard Weikum

02.02.2006 - (idw) Universität des Saarlandes

Die "Association for Computing Machinery" (ACM) hat soeben die Liste ihrer neu ernannten Fellows bekannt gegeben. Unter den ACM Fellows in diesem Jahr ist Prof. Dr. Gerhard Weikum, derzeitiger geschäftsführender Direktor und wissenschaftlicher Leiter der Abteilung "Datenbanken und Informationssysteme" am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken. Die Ernennung zum Fellow ist eine der höchsten Auszeichnungen, welche von der "Association for Computing Machinery" (ACM) vergeben wird. Die ACM ist der weltweit wichtigste und größte wissenschaftliche Dachverband in der Informatik. Prof. Weikum erhält die Auszeichnung für seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Datenbanken und Informationssysteme, insbesondere für seine Beiträge zur Verbesserung der Verlässlichkeit und Leistungsfähigkeit großer und verteilter Informationssysteme.

Die Liga der ACM Fellows wird durch Spitzenforscher der amerikanischen Eliteuniversitäten wie Stanford, Berkeley, MIT oder CMU dominiert. Seit 1993 wurden nur sieben Deutsche als ACM Fellow ausgezeichnet, darunter mit Kurt Mehlhorn, Reinhard Wilhelm und jetzt Gerhard Weikum drei Saarbrücker Professoren.

Gerhard Weikum forscht aktuell vor allem in zwei großen Schwerpunktbereichen:1) der intelligenten Informationsorganisation und -suche, insbesondere in Intranets, digitalen Bibliotheken und im Web, sowie 2) der Architektur und Beherrschung selbstorganisierender verteilter Informationssysteme, insbesondere für Peer-to-Peer-Systeme.

Kurzer Lebenslauf
Der Preisträger, Gerhard Weikum, wurde 1957 in Frankfurt geboren und studierte Informatik in Darmstadt. Nach seiner Promotion war er Postdoc in USA; später wurde er Professor an der ETH Zürich. Seit 1994 war er Professor an der Universität des Saarlandes, bevor er schließlich vor zwei Jahren in die Max-Planck-Gesellschaft berufen wurde.

Überblick über die Forschungsfelder von Prof. Dr. Gerhard Weikum

1. Intelligente Informationsorganisation und -suche, insbesondere in Intranets, digitalen Bibliotheken und im WebIm Internet und in Intranets großer Organisationen findet man neben strukturierten Datenbanken und weitgehend unstrukturierten HTML-Seiten in zunehmendem Maße semistrukturierte Daten im XML-Format. Häufig möchte man viele Datenquellen gleichzeitig durchsuchen und trifft dabei auf das Problem, dass es kein global einheitliches Datenbankschema gibt; man hat es vielmehr mit hochgradig heterogenen Daten zu tun, die bezüglich Struktur, Annotationen und Terminologie stark variieren. Boolesche Datenbankanfragen, die man in Sprachen wie XQuery oder XPath formulieren kann, sind dann häufig unbefriedigend, weil sie entweder zu wenige oder viel zu viele Resultate liefern. Stattdessen benötigt man ein auf Relevanz- oder Ähnlichkeitsmaßen beruhendes Ranking von Anfrageresultaten, und dafür wiederum müssen Datenbankverfahren mit Techniken des dokumentenorientierten Information Retrieval und des statistischen Lernens kombiniert werden. Die Gruppe arbeitet an Grundlagen und Verfahren für künftige Suchmaschinen, die mit Hilfe von automatischen Annotationstechniken, Hintergrundwissen in Form von Ontologien, statistischen Methoden und Lernmethoden effizient auf heterogenen XML-Daten mit hoher Präzision und Ausbeute suchen können

2. Architektur und Beherrschung selbstorganisierender verteilter Informationssysteme, insbesondere für Peer-to-Peer-SystemePeer-to-Peer-Systeme, kurz P2P-Systeme, sind vollständig dezentralisierte Systeme mit Tausenden oder Millionen von Rechnern, die sich in einem dynamischen Verbund selbständig organisieren, um gemeinsam lang laufende Berechnungen verteilt durchzuführen oder große, verteilt vorliegende Informationsmengen zu verwalten. Bekannte Beispiele sind Musiktauschbörsen wie Gnutella oder KaZaA; künftige Anwendungen könnten die Steuerung und dynamische Optimierung unternehmensübergreifender Geschäftsprozesse (Workflows), etwa im Logistikbereich, oder der Aufbau einer P2P-Suchmaschine für das Internet sein. Diese Architekturen können von den aggregierten Ressourcen des Gesamtsystems (Prozessoren, Hauptspeicher, Plattenspeicher, Netzwerkbandbreite) in ihrer Leistung enorm profitieren, und sie sind hinsichtlich Komponentenausfällen, Systemdynamik und möglichen Attacken potentiell viel robuster als zentralisierte Systeme. In Anwendungen, die mit Informationssuche oder Data-Mining zusammenhängen, sind darüber hinaus die Eingaben und intellektuellen Bewertungen einer großen Benutzergemeinde (z. B. Bookmarks oder Click-Streams) eine wertvolle Ressource, die zu einer deutlich besseren Resultatsgüte führen könnte. Die Gruppe arbeitet an Architekturprinzipien und effizienten Algorithmen für selbstorganisierende P2P-Systeme. Aktuelle Arbeitsthemen in diesem Kontext sind u.a. die Fehlermaskierung in verteilten Web-Services, die dynamische Verteilung von Daten auf viele Rechner, das effiziente und effektive Routing von Anfragen und Datenzugriffen im Gesamtsystem und die schnelle Ausführung komplexer Anfragen unter Ausnutzung der verteilt vorliegenden Ressourcen.


Ein Foto von Professor Dr. Gerhard Weikum kann bei Frau Christel Weins (Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) angefordert werden: weins@mpi-inf.mpg.de

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