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RUB-Publikation: Possidius, Vita Augustini - neu ins Deutsche übersetzt

03.02.2006 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Possidius gehörte über fast vierzig Jahre hinweg zu den engsten Begleitern des Kirchenvaters Augustinus und war auch in dessen Todesstunde bei seinem verehrten Lehrer. Bald darauf schrieb er die Vita Augustini, eine Biographie, die den Leser diese Nähe spüren lässt. Die neue Übersetzung ins Deutsche kommt dem auch sprachlich entgegen. Erschienen als Vorausband der von Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische Fakultät) begründeten, zweisprachigen und auf 120 Bände ausgelegten Gesamtausgabe Augustins - enthält sie zudem erstmals ein für die Augustinusforschung besonders wertvolles Schriftenverzeichnis (Indiculum). Bochum, 03.02.2006
Nr. 39

Kampf und Alltag eines Heiligen
Augustinus aus nächster Nähe betrachtet
Possidius, Vita Augustini - neu ins Deutsche übersetzt

Possidius gehörte über fast vierzig Jahre hinweg zu den engsten Begleitern des Kirchenvaters Augustinus und war auch in dessen Todesstunde bei seinem verehrten Lehrer. Bald darauf schrieb er die Vita Augustini, eine Biographie, die den Leser diese Nähe spüren lässt. Die neue Übersetzung ins Deutsche kommt dem auch sprachlich entgegen. Erschienen als Vorausband der von Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische Fakultät) begründeten, zweisprachigen und auf 120 Bände ausgelegten Gesamtausgabe Augustins - enthält sie zudem erstmals ein für die Augustinusforschung besonders wertvolles Schriftenverzeichnis (Indiculum).

Ein Lebensweg "aus erster Quelle"

Possidius war mehr als ein Zeitzeuge des Lebensweges des heiligen Augustinus (354-430): Der vermutlich 20 Jahre Jüngere lebte gemeinsam mit Augustinus im Kloster von Hippo Regius (Nordafrika), wirkte später nur eine Tagesreise entfernt als Bischof von Calama und kehrte etwa ab 426 nach Hippo zurück. Was er nicht aus nächster Nähe miterleben konnte - seine Beziehung zu Augustinus beginnt in den Jahren 390/91 - erfuhr er doch aus dessen Munde: etwa vom anfänglichen Zögern Augustins, kirchliche Würden zu übernehmen. "So hat er uns selbst erzählt", berichtet der Biograph, dass er sich als Laie gewöhnlich von Kirchen fernhielt, die ohne Bischof waren. Eines Tages stand er "ganz ruhig und ohne zu ahnen, was da kommen könnte, unter dem Volk. Da hielten sie ihn fest und brachten ihn nach herkömmlicher Sitte vor den Bischof (Valerius), damit er ihn weihe. (...)."

Mit brillanter Rhetorik gegen die Häretiker

Augustins Priesterweihe ist ein Kapitel der kurz gefassten "Vorgeschichte" (Teil I) in der dreiteiligen Vita, an die sich Hauptteil "Öffentliches Wirken: Vita" sowie "Persönliche Umstände: Mores" anschließen. Sie enthält zudem den umfangreichen Brief 228 Augustins an den Bischof Honoratus (Bischöfe sollen nicht fliehen) und am Ende ein Schriftenverzeichnis. Dieses durch Indices erschlossene Indiculum, möglicherweise nach dem Bibliothekskatalog der Kirche von Hippo angefertigt, verdeutlicht Chronologie und theologische Zielvorstellung der Werke Augustins und stellt ein wertvolles Hilfsmittel für die Augustinusforschung dar.
Der Schwerpunkt der Vita liegt auf der Auseinandersetzung des Kirchenvaters mit den von der katholischen Lehre abweichenden Häretikern. Possidius lässt den Leser quasi miterleben, wie der brillante Rhetoriker Augustinus voller Scharfsinn und Wissen als Prediger und Disputant Manichäer, Donatisten, Arianisten oder Pelagianer niederkämpft.

Aus dem Alltag eines Heiligen

Vielleicht sind es gerade die Nebensächlichkeiten aus dem Alltagsleben Augustins - beschrieben vor allem im dritten Teil der Vita - die den Heiligen menschlich näher rücken lassen: "Nichts war zu fein, aber auch nicht übermäßig ärmlich. (...) Nur die Löffel waren aus Silber. Die übrigen Gefäße zum Auftragen der Speisen waren aus Ton, Holz oder Marmor. (...) In den Tisch hatte er eine Inschrift einmeißeln lassen, um die pestilenzartige menschliche Gewohnheit des Redens über andere zu brandmarken: Wer des nächsten Leben hier benagt, dem sei, weil nicht würdig, dieser Tisch versagt." Am Ende seiner "schönsten Biographie der Spätantike (W. Berschin)" schreibt Possidius: "Doch glaube ich, dass diejenigen weitaus größeren Gewinn hatten, die ihn persönlich im Gottesdienst hören und sehen und vor allem jene, die seinen Wandel unter den Menschen aus der Nähe beobachten konnten."


Titelaufnahme

Possidius, Vita Augustini, Prof. Dr. Wilhelm Geerlings (Hrsg.), Schöningh, 2005

Weitere Informationen

Prof. Dr. Wilhelm Geerlings, Alte Kirchengeschichte, Katholisch-Theologische Fakultät, Tel.: 0234/32-24703, Email: wilhelm.geerlings@ruhr-uni-bochum.de

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