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Das Erforschen fremder Kulturen in Rostock jetzt als Doktorandenprogramm

06.02.2006 - (idw) Universität Rostock

Am 1. Oktober 2006 wird an der Universität Rostock eine neue aus Bundesmitteln finanzierte Doktorandenschule ihre Arbeit aufnehmen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Graduiertenkolleg "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs" versammelt ungefähr 25 DoktorandInnen und Post-Docs aus ganz Deutschland - 14 von ihnen durch Stipendien der DFG gefördert -, um gemeinsam auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und fächerübergreifend über das Zusammenspiel von Kulturkontakten und dem sich wandelnden wissenschaftlichen Nachdenken über fremde Kulturen zu forschen. Initiiert wurde dieses Forschungsprojekt von 12 WissenschaftlerInnen unserer Universität aus drei Fakultäten (Philosophische, Theologische und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) und der Hochschule für Musik und Theater; die vertretenen Fächer sind Klassische Archäologie, Kirchengeschichte, germanistische Mediävistik, Europäische Ethnologie, Nordamerikastudien, Politikwissenschaft, Britische Kulturwissenschaft, Musikwissenschaft und Religionswissenschaft.
Wie die Sprecherin des Graduiertenkollegs, Frau Prof. Dr. Gesa Mackenthun, erklärt, werden die einzelnen Projektteile im Inneren von einer gemeinsamen theoretischen Fragestellung zusammengehalten, deren Ziel es ist, die historische Entwicklung kultureller Begegnungen seit der Antike bis in die neueste Zeit zu erforschen und dabei gleichzeitig die theoretischen und methodischen Grundlagen des Erforschens selbst auf den Prüfstand zu stellen. Gerade unter dem Vorzeichen von Globalisierung und weltweiten Migrationsbewegungen lohnt sich ein Rückblick auf den historischen Verlauf von kulturellen Begegnungen. Im Rahmen des Graduierten-kollegs wird es nun möglich sein, der visuellen Vermittlung zwischen der griechisch-römischen und der vorderasiatisch-orientalischen Welt genauso nachzuspüren wie den synkretistischen Formen des Zusammenlebens von Muslimen, Christen und Juden zur Zeit der Kreuzzüge; die Vermittlung zwischen Schriftkultur und einer komplexen Sprache der Körperzeichen in der mittelalterlichen Literatur wird genauso Thema von Ringvorlesungen und Doktorandenseminaren sein wie die Erfahrung und die narrative Bewältigung von Auswanderung, Flucht und Migration in globaler Perspektive (einschließlich der Auswanderung aus Mecklenburg in die USA im 19. Jahrhundert). Speziell geladene Gastwissenschaftler werden das vor Ort vorhandene Wissen über Prozesse kultureller Übersetzung und Wissenstransfer, z. B. zwischen Europa und Lateinamerika, ergänzen und im Rahmen des Doktorandenkolloquiums über die medialen Folgen der Dekolonisierung und die Ent-stehung ethnischer Literaturen und Zeitschriften in Großbritannien sprechen. Eine immer größere Relevanz erhält weltweit das Phänomen des religiösen Wandels und der Spannungen zwischen verschiedenen Glaubenskulturen, insbesondere in der Dritten Welt: ein Thema, das gleichfalls im Rostocker Kolleg vertreten ist. Über das intensive Studium hinaus wird auch immer wieder die Frage ins Zentrum rücken, wem das Studium fremder Kulturen jeweils nützt und unter welchen wissenschaftsfremden Bedingungen sich die Kriterien und die Methoden zur Erforschung fremder Kulturen im Laufe der Jahrhunderte verändert haben.
"Mit der Bewilligung des Graduiertenkollegs," argumentiert Frau Prof. Mackenthun, die seit 2003 am Institut für Anglistik/Amerikanistik lehrt, "greift die DFG auch ganz bewusst und gerade zur rechten Zeit in die bildungspolitische Umgestaltung in M-V ein, bei der die Geisteswissenschaften ja Gefahr laufen, auf die reine Lehrerausbildung reduziert zu werden." Gerade angesichts der Tatsache, dass nur zwei der bundesweit bewilligten 26 Graduiertenkollegs den Geisteswissenschaften zuzuordnen sind, enthielte diese Entscheidung für Rostock auch eine hochschulpolitische Relevanz. Nun gehe es darum, das in uns gesetzte Vertrauen zu belohnen und unter Beweis zu stellen, dass auch an der Warnow exzellente geisteswissenschaftliche Forschung im Rahmen eines interdisziplinären Wissenschaftsverbundes betrieben werden kann.

Das Graduiertenkolleg ist zunächst für die Dauer von 4,5 Jahren bewilligt; bei er-folgreichem Verlauf ist eine Verlängerung um weitere 4,5 Jahre möglich. Während die Suche nach geeigneten Räumen für das Kolleg und nach qualifizierten KollegiatInnen auf Hochtouren läuft, träumen die beteiligten KollegInnen manchmal schon von der fernen Zukunft: Wenn sich ihre hohen Erwartungen erfüllen, ist die Bean-tragung eines Sonderforschungsbereiches geplant.

Gesa Mackenthun
T: 0381 498 2586
e-mail: gesa.mackenthun@uni-rostock.de

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