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Föderalismusreform: Mehrheit votiert für größere Bundeskompetenzen bei der Bildung

16.03.2006 - (idw) Universität Koblenz-Landau

Angesichts der aktuellen Föderalismusdebatte weist der Bildungsforscher Prof. Dr. Reinhold S. Jäger von der Universität Koblenz-Landau eindringlich darauf hin, dass das Bildungsbarometer - das Instrument zur Meinungsbefragung im Bildungsbereich - in seiner letzten Befragung in 8 von 9 inhaltlichen Bereichen der Bildung eine klare Aussage der Bevölkerung zur Verortung dieser Kompetenz beim Bund gefunden hat. Eine repräsentative Stichprobe von 1183 Befragte votierte wie folgt:

Duale Berufsausbildung
Bund: 69 % Länder: 31 %

Ausbildungsförderung
Bund: 74 % Länder: 26 %

Studiengebühren
Bund: 72 % Länder: 28 %

Rechtschreibung
Bund: 93 % Länder: 7 %

Neuregelung von Schulstrukturen (z. B. Gesamtschule)
Bund: 62 % Länder: 38 %

Schulversuche (z. B. Ganztagsschule)
Bund: 39 % Länder: 61 %

Vergabe der Lehrbefähigung
Bund: 59 % Länder: 41 %

Dauer der Schulpflicht
Bund: 92 % Länder: 8 %

Bildungsinhalte allgemeinbildender Schulen
Bund: 78 % Länder: 22 %

Jäger - Verantwortlicher für das Bildungsbarometer - kommt zu dem Schluss: "Mit einer einzigen Ausnahme wird dem Bund in allen angesprochenen Themen mehr Zuständigkeit als den Ländern zugesprochen. Lediglich beim Thema "Schulversuche" wird den Ländern mehr Zuständigkeit als dem Bund zugestanden." Besonders interessant sei das eindeutige Votum im Hinblick auf die sog. Rechtschreibreform. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung wünsche ein Ende des Hickhacks um dieses Thema in der Kultusministerkonferenz (KMK). Stattdessen werde eine klare bundeseinheitliche Regelung gewünscht. Die offensichtlich durch die letzten Vorentscheidungen auch eingeleitet werde.

Angesichts dieser Situation widerspricht Jäger der KMK-Präsidentin, Ute Erdsiek-Rave, die in einer KMK-Pressemitteilung vom 16.2.2006 erklärte, durch den Zuwachs von Verantwortung der Länder "..wird mit den neuen Chancen zur Innovation in Schule und Hochschule ihre gemeinsam wahrzunehmende gesamtstaatliche Verantwortung für die Bundesrepublik Deutschland gestärkt." Vielmehr müsse befürchtet werden, dass insbesondere die kleinen Bundesländer den Vorsprung der großen Südländer nicht mehr aufholen könnten und dass hiermit ein Nachteil bereits für die Kinder und Jugendlichen in den Schulen eintrete, erklärt Jäger. Der Bildungswettbewerb zwischen den Ländern nütze nicht den Benachteiligten und Förderungsbedürftigen der Gesellschaft in den kleinen Ländern. Hier sei ein Ende der Debatte notwendig und eine klare Entscheidung für eine höhere Kompetenz beim Bund. Ansonsten gehe diese Veränderung auch am Willen der Bevölkerung vorbei. Wer einen Fortschritt in der Bildung möchte, müsse aber die Menschen mitnehmen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhold S. Jäger
Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf)
der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Bürgerstr. 23, 76829 Landau
E-Mail: jaeger@zepf.uni-landau.de
Tel. 06341-906-175
Fax: 06341-906-106
Weitere Informationen: http://www.bildungsbarometer.de Informationen zum Bildungsbarometer http://www.zepf.uni-landau.de Homapage des zepf
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