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Der Plötzliche Kindstod - Risikominimierung

17.03.2006 - (idw) Stiftung Kindergesundheit

Der Plötzliche Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, SIDS) gilt in den Industrienationen noch immer als häufigste Todesursache von Kindern nach den ersten vier Wochen. In Deutschland starben im Jahr 2003 372 Babies (0,53 pro 1000 Lebendgeborene), also mehr als ein Kind pro Tag (Quelle: http://www.GBE-Bund.de). Das Land Bayern startet derzeit mit Unterstützung der Stiftung Kindergesundheit eine Kampagne mit verschiedenen Informationsmedien zur Aufklärung von Eltern und Schwangeren. Ziel ist es, allen Eltern bei der Entlassung aus der Geburtsklinik eine schriftliche Information zum gesunden Säuglingsschlaf mitzugeben. Diese soll zusätzlich unterstützt werden durch ein breites Spektrum von Multiplikatoren, wie Hebammen, Frauenärzte, Kinderärzte, Allgemeinärzte, insbesondere auch Schwangerenberatungsstellen, Migrantinnenbetreuungsstellen, Babyausstatter etc. Auch die Geburtsklinken selbst sind aufgrund ihrer wichtigen Vorbildfunktion gehalten, noch konsequenter die Empfehlungen für den gesunden Babyschlaf umzusetzen.
Auch wenn die Ursachen für den Plötzlichen Kindstod nach wie vor ungeklärt sind, gibt es eine Reihe bekannter Faktoren, die das Risiko für SIDS erhöhen beziehungsweise verringern können:
Die Rückenlage ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme für einen sicheren Schlaf.
Untersuchungen zufolge fördert die Rückenlage auch die motorische Entwicklung.
Die Seitenlage wurde als neuer Risikofaktor erkannt. In dieser Lage besteht die Gefahr, dass das Baby in Bauchlage rollt, was für Säuglinge, die diese Schlaflage nicht gewöhnt sind, ein besonders hohes Risiko darstellt.
Eine rauchfreie Umgebung senkt langfristig das Risiko für Erkrankungen (Atemwegserkrankungen, Allergien) und den Plötzlichen Kindstod.
Fast alle Studien zeigen, dass Rauchen neben der Bauchlage das zweitgrößte SIDS-Risiko darstellt.
Stillen stärkt das Immunsystem und den Organismus des Babys.
Ideal ist es deshalb, wenn eine Mutter ihr Kind das erste halbe Jahr stillen kann.
Im Elternzimmer im eigenen Bettchen schläft das Baby am besten.
Beruhigende Schlafgeräusche der Eltern können das SIDS-Risiko des Babys ebenfalls verringern.
Schlafsäcke für Babys sind sicherer als Decken, da sie sich nicht über den Kopf ziehen lassen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass das Baby nicht unter Kissen, Nestchen, Decken oder Kuscheltiere ersticken kann.
Schutz vor Überwärmung bietet ein Schlafzimmer wenn es auch im Winter nicht wärmer als ca. 18° C gehalten wird. Wenn das Baby im Nackenbereich schwitzt, ist die Umgebung zu warm. Die richtige Temperatur hat das Baby wenn seine Haut im Nacken bzw. zwischen den Schulterblättern warm aber trocken ist.
Prävention rettet Leben
Beispiele anderer Länder zeigen, dass durch nachhaltige Präventionsarbeit die Sterblichkeit durch den Plötzlichen Kindstod dramatisch gesenkt werden kann. So haben die Niederlande seit 1987 eine eindrucksvolle Abnahme des plötzlichen Säuglingstodes um das Zehnfache verzeichnen können: 1987 traten noch 0,91 Todesfälle pro 1000 Lebendgeborene auf, im Jahr 2004 waren es nur noch 0,09 pro 1000 Lebendgeborene, die niedrigste Anzahl in der westlichen Welt. (Quelle: Zentrales Amt der Statistik in Den Haag, <www.wiegedood.nl/download 25.10.05>). In den Niederlanden hat man sich schon frühzeitig auf Präventionsempfehlungen konzentriert und die Maßnahmen überwiegend im Konsens propagiert. Mit Hilfe verschiedener Medien wird die Bevölkerung über die neuesten Präventionsfortschritte informiert. Die Informationsbroschüren, die die kulturellen Gepflogenheiten der verschiedenen Minderheiten berücksichtigen, sind mehrsprachig erhältlich.
In Deutschland gibt es keine nationale systematische Aufklärungskampagne sondern regionale Aktivitäten. Mit der Propagierung der Rückenlage ging die SIDS-Rate auch in Deutschland seit 1987 (1,62 pro 1000 Lebendgeborene) zurück (2002 0,58 pro 1000 Lebendgeborene), liegt jedoch national weit über der SIDS-Inzidenz der Niederlande.
In Sachsen werden seit 1994 flächendeckende zielgruppenorientierte Informationskampagnen durchgeführt und die SIDS-Inzidenz betrug im Jahre 2003 0,31 SID-Fälle pro 1.000 Lebendgeburten. (1992: 0,83 pro 1000 Lebendgeborene).

Vorbeugen ist besser als heilen.

Deshalb setzt sich die 1998 gegründete Stiftung Kindergesundheit für eine verbesserte Gesundheitsvorbeugung ein, fördert die hierzu notwendige Forschung und die Verbreitung wissenschaftlich gesicherter Informationen für Ärzte und Familien mit Kindern. Unser Engagement gilt nicht nur Kindern mit besonderen gesundheitlichen Problemen. Die gewonnenen Erkenntnisse kommen allen Kindern und ihren Familien zugute.
Weitere Informationen: http://www.kindergesundheit.de
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