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Kometenvorträge (4): Kometen im frühen 17. Jahrhundert

25.03.2006 - (idw) Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Zum 4. öffentlichen Kometenvortrag im Rahmen seiner Kometenausstellung lädt das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Katlenburg-Lindau alle interessierten Hörer in seinen Hörsaal ein (Ortsteil Lindau, Max-Planck-Straße 2). Am Sonntag, dem 26. März 2006, um 15.00 Uhr, wird Frau Dr. Marion Gindhart einen ca. einstündigen Vortrag über das Thema "Altes und neues Wissen im Widerstreit - Der Blick auf Kometen im frühen 17. Jahrhundert" halten. Dr. Marion Gindhart gehört dem Germanistischen Seminar der Christian-Albrechts-Universiutät Kiel an.

Zu den bedeutendsten Paradigmenwechseln der Frühen Neuzeit zählte die Ablösung des aristotelischen Weltbildes. Aristoteles nahm die Erde als ruhenden Mittelpunkt eines zweigeteilten Kosmos an, dessen "unterer" (sublunarer) Bereich sich von der Erde bis zum Mond erstreckt, aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer besteht und beständiger Veränderung und Vergänglichkeit unterworfen ist. Im "oberen" (superlunaren), unveränderlichen und ewigen Bereich aus reinem Äther bewegen sich die Planeten und Fixsterne auf konzentrischen Kristallsphären in kreisrunden Bahnen. Kometen werden in diesem Weltmodell als veränderliche Gebilde dem unteren Bereich zugewiesen und als meteorologische Phänomene (entzündete Dämpfe) in der Luft angesehen.

Durch die Verschmelzung der aristotelischen Kosmologie mit dem christlichen Weltbild wurden das aristotelische Welt- und somit auch das Kometenmodell kirchlich legitimiert und konnten so über mehrere Jahrhunderte eine intensive Wirkung entfalten. Erst im Laufe des späteren 16. Jahrhunderts setzte ein Prozeß ein, der ihre Gültigkeit in Frage stellte. Auslösende Momente waren die Beobachtung einer Supernova im Sternbild Cassiopeia im Jahr 1572, also eines kosmischen veränderlichen Phänomens, und Höhenbestimmungen des Kometen von 1577/78, die für den Schweifstern eine Position weit über dem Mond ergaben und ihn somit den Himmelskörpern zuwiesen. Diese Befunde führten aber noch nicht zu einer Verdrängung der aristotelischen Theorie. Erst im frühen 17. Jahrhundert verschärfte sich die Konkurrenz zwischen den aristotelischen Vorstellungen und den neuen Erkenntnissen (die sich u. a. auf Fernrohrbeobachtungen, Bahn- und Parallaxenmessungen stützten) deutlich. Das Schrifttum über den großen Winterkometen von 1618/19 gibt einen Eindruck von dem Ringen um die angemessene wissenschaftliche Vorstellung über die Kometen.

Vor und nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung "Kometen und Kometenforschung".

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