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Elfenbein in Kunst und Wissenschaft: Jahrestagung zur Elfenbeinforschung an der Uni Mainz

28.03.2006 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

3. Jahrestagung von INCENTIVS mit internationaler Beteiligung - Weltweit einmalige Einrichtung zur Untersuchung und Erforschung von Elfenbein (Mainz, 28. März 2006, lei) Mit starker internationaler Beteiligung findet im April die 3. Jahrestagung des Internationalen Zentrums für Elfenbeinforschung (INCENTIVS) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. "Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr renommierte Vertreter der Elfenbeinforschung aus dem In- und Ausland für die Tagung gewinnen konnten", sagte INCENTIVS-Projektleiter Dr. Arun Banerjee. Zu der Veranstaltung am Institut für Geowissenschaften werden Teilnehmer von Universitäten und Museen aus Italien und Spanien, Schweden und den Niederlanden, Großbritannien und den USA erwartet. Die Themenpalette reicht von Artenschutz über Bestimmungsmethoden von Elfenbein bis zu den kulturellen Aspekten der Elfenbeinkunst. Die Veranstaltung findet am 11. und 12. April statt und die interessierte Öffentlichkeit ist hierzu herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Internationale Zentrum für Elfenbeinforschung - die Abkürzung INCENTIVS leitet sich von der englischen Bezeichnung International Centre of Ivory Studies ab - wurde vor drei Jahren auf Initiative von Dr. Arun Banerjee an der Johannes Gutenberg-Universität gegründet. "Wir können jetzt schon feststellen, dass diese Einrichtung ein Erfolgsmodell ist und sich kontinuierlich weiter entwickeln wird", kommentiert Prof. Dr. Wolfgang Hofmeister, Prodekan des Fachbereichs Chemie, Pharmazie und Geowissenschaften. INCENTIVS verbindet Naturwissenschaften und Kulturwissenschaften, dient Behörden und Museen, versorgt Sammler und Kunstschaffende und macht sich um den Artenschutz und die Entwicklung von Analysemethoden verdient. Neben zahlreichen Einzeluntersuchungen und daraus resultierenden Materialgutachten hat INCENTIVS ein internationales Kooperationsnetz entwickelt. Zwischen Universitätsinstituten, Museen, Behörden und auswärtigen Forschungseinrichtungen wurden interdisziplinäre Kontakte geschaffen.

Eine enge Zusammenarbeit verbindet INCENTIVS mit den Zollbehörden des Frankfurter Flughafens und den Staatsanwaltschaften. In ihrem Auftrag hat das Zentrum im vergangenen Jahr 500 Elfenbeinobjekte untersucht. Im bisherigen Verlauf des Jahres 2006 wurden bereits 300 beschlagnahmte Gegenstände untersucht. "Diese Untersuchungen kann nicht jeder vornehmen. Aber wir verfügen hier in Mainz über eine hervorragende technische Ausstattung, um Art und Herkunft von Gegenständen aus Elfenbein festzustellen", erklärt Banerjee. Der Elfenbeinspezialist der Mainzer Universität ist Ende 2005 zum Washingtoner-Artenschutz-Sachverständigen ernannt worden. "Unsere spektroskopischen Untersuchungen sind zudem zerstörungsfrei und eignen sich daher besonders für die Untersuchung wertvoller Elfenbeinobjekte."

Als Elfenbein wird üblicherweise das Elfenbein von Elefanten verstanden, während Stoßzähne oder Hauer von anderen Säugetieren wie Nilpferd oder Walross entsprechend als Nilpferd- bzw. Walrosselfenbein bezeichnet werden. Bereits aus der Steinzeit ist die Bearbeitung von Mammutzähnen zu Waffen oder Figuren bekannt. Zu den ältesten bekannten Kunstwerken des Menschen zählt beispielsweise der Löwenmensch, eine knapp 30 Zentimeter große Figur aus Mammutelfenbein, die vor etwa 32.000 Jahren nur mit Steinwerkzeugen geschaffen wurde. Aus einer Frucht von Palmen, die in den peruanischen Anden vorkommen, wird pflanzliches Elfenbein gewonnen. Mit Ausnahme von Mammutelfenbein und pflanzlichem Elfenbein steht Elfenbein unter Artenschutz. Der Handel damit ist stark eingeschränkt und durch das Washingtoner Artenschutzabkommen reglementiert.

Was Elfenbein zu allen Zeiten gerade für das Kunsthandwerk so interessant gemacht hat, ist die besondere Beschaffenheit des Materials. "Es ist steinhart, faserig und gleichzeitig sehr elastisch", erläutert Banerjee. Dank der Faserstruktur eignet es sich besonders für feine filigrane Arbeiten wie die Gestaltung von Schmuckartikeln. Wegen seiner Elastizität wurde es beispielsweise für Billardkugeln verwendet. Elfenbein ist ein vielseitig verwendbarer Werkstoff und wurde häufig für Spiele genutzt, auch als Schachfiguren oder Spielsteine. Es wurde in der Kunst und für Gebrauchsgegenstände gleichermaßen verwendet, galt aber schon immer als etwas Besonderes: seit alters her wird Elfenbein als ein Symbol der Reinheit gesehen.

Bei der INCENTIVS-Jahrestagung 2006 werden Experten aus Kunst und Wissenschaft über Themen wie "Echtes Elfenbein und Elfenbeinimitationen", "DNA-Untersuchungen an Mammutknochen", "Elfenbein in Spätantike und frühem Christentum" oder "Metallfassungen an Elfenbeinschatullen im Victoria and Albert Museum" vortragen. Ausstellungen und Vorführen zeigen Spielsteine und Schachfiguren. Die Tagung findet am 11. und 12. April im Senatssaal (Raum 702), Naturwissenschaftliches Institutsgebäude, Becherweg 21, Campus der Universität Mainz statt.


Kontakt und Informationen:
Dr. Arun Banerjee (INCENTIVS)
Institut für Geowissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-24367
E-Mail: banerjee@uni-mainz.de
Weitere Informationen: http://www.incentivs.uni-mainz.de
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