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"Projekt-Baustelle Lernbau": Gefahreninformation ist entscheidend

04.05.2006 - (idw) Universität Bremen

Im Bremer Kooperationsprojekt "LernBau" geht es um Sicherheit und Gesundheit auf Baustellen. Bremer Sozialwissenschaftler haben herausgefunden: Bei dauerhaften Arbeitszusammenhängen sind die Gesundheitsrisiken geringer, weil der Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten funktioniert. Aber viele Bauarbeiter vermissen bei zunehmendem Arbeitsdruck eine ausreichende Kommunikation. Für größere Sicherheit bietet sich als Alternative eine direkte elektronische Vernetzung auf größeren Baustellen an. Im Projekt "LernBau" - einem Gemeinschaftsvorhaben von Wissenschaftlern, Baufirmen, Bauherren, Gewerbeaufsicht und Berufsgenossenschaft in Bremen - wurden Beschäftigte der am Projekt beteiligten Firmen über ihre Situation auf den Baustellen befragt. Durchweg positiv beurteilen die Interviewten die Zusammenarbeit mit Kollegen im Baueinsatz. Diese wird insbesondere dort als "sehr gut" bewertet, wo feste Kolonnen schon über eine längere Zeit mit festen Polieren zusammenarbeiten. Grund ist der eingespielte Informationsfluss zwischen den Kollegen und Vorgesetzten: Die Vorgesetzten informieren über anstehende Arbeiten auf der aktuellen Baustelle sowie auch über die mittelfristigen Planungen für die nächsten Einsätze. Die Kollegen informieren sich gegenseitig. Dabei werden auch Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit besprochen und den Gegebenheiten angepasst.

Veränderte Rahmenbedingungen auf den Baustellen und in den Firmen erschweren dieses Management innerhalb "vertrauter Kolonnen" zunehmend. Viele Befragte klagen über einen zunehmenden Zeit- und Arbeitsdruck, der sowohl die Zusammenarbeit zwischen Kollegen und Kolleginnen sowie den Vorgesetzten, aber auch den notwendigen (langfristigen) Informationsaustausch zu kurz kommen lässt. Bereits die Poliere, die insgesamt eine sehr wichtige Rolle für den Zusammenhalt und die Information vor Ort (insbesondere über Sicherheit und Gesundheit) darstellen, fühlen sich hier in einigen Fällen nur unzureichend über notwendige Gefahrenpunkte an den Baustellen unterrichtet bzw. erkennen die Gefahren nicht. Gerade in hektischen Bauphasen sind zum Teil widersprüchliche und fehlende Informationen über sicheres und gesundes Arbeiten für alle Beteiligten ein großes Problem. Alle an LernBau beteiligten Experten sehen im Informationsaustausch zum Thema Sicherheit und Gesundheit sowie auch in der zeitlichen und organisatorischen Planung zusammen mit den Auftraggebern einen großen Handlungsbedarf im Netzwerk: Sicheres, gesundes und somit auch stressarmes Arbeiten an den Baustellen ist nicht zuletzt eine Frage von frühzeitiger Planung und Information aller Beteiligten. Eine besondere Bedeutung kommen dabei auch den Ausschreibungen und Vergabeverfahren bei, wo Auftraggeber für Baufirmen frühzeitig Sicherheit und Gesundheit berücksichtigen sollten, um so auch für im Arbeitsschutz engagierte Firmen einen fairen Wettbewerb zu garantieren.

Kommunikationsplattform im Internet

Das Projekt "LernBau" setzt bei der Kommunikation, Schulung und Qualifikation sowie der arbeitsmedizinischen Unterstützung der Beteiligten auf den Baustellen an. Die Kernidee ist es, eine Kommunikationsplattform im Internet zu etablieren. Dabei soll das Expertenwissen der Beschäftigten an den Baustellen direkt über die Internetplattform oder über Ansprechpartner wie Poliere/Bauleiter und Sicherheitsfachkräfte (Sifa) genutzt und ausgetauscht werden. Die darüber hinaus entwickelten Maßnahmen (Schulungen, Gesundheitsförderung) könnten dabei ebenfalls über das Internet an die Beschäftigten vermittelt werden. Konkret bedeutet dies, dass zum Beispiel die Lernerfahrung aus der Schulung mit dem Schulungsbus der BG Bau und dessen Videos von Arbeitssituationen nicht nur auf die nachfolgende Unterweisung der direkt Beteiligten beschränkt bleiben muss. Vielmehr könnten die gefilmten Situationen und/oder die daraus von den Mitarbeitern entwickelten Lösungsvorschläge langfristig und nachhaltig über das Internet auch einem breiteren Kreis von interessierten Mitarbeitern zugänglich gemacht werden. Das Gleiche gilt auch für den Erfahrungsaustausch über (Beinah-)Unfälle oder den Sifa-Austausch, der mit ganz konkreter Analyse bzw. Schlussfolgerung im Internet die Basis für einen weiteren Austausch auch mit externen Experten und Betroffenen (zum Beispiel von anderen Baustellen) dienen kann.


Weitere Informationen:

Universität Bremen
Zentrum für Sozialpolitik
Dr. Wolfgang Ritter
Tel. 0421 218 3159
E-Mail: writter@zes.uni-bremen.de

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