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Andreas-Grüntzig-Forschungspreis 2006 für Priv.-Doz. Dr. med. Bruno Scheller, Kardiologe am Universitätsklinikum des Saa

04.05.2006 - (idw) Universität des Saarlandes

Bessere Perspektiven für Herz-Patienten -
Medikamenten-beschichteter Ballon kann drohenden Herz-Gefäßverschlüssen vorbeugen

Thema der Arbeit: "Prävention und Therapie der Restenose durch Kurzzeitkontakt antiproliferativer Wirkstoffe mit der Koronararterienwand" Mit dem Andreas-Grüntzig-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie werden klinisch tätige Mediziner ausgezeichnet, deren wissenschaftliche Arbeiten sich mit Fragen der interventionellen Koronartherapie, der Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße, beschäftigen. Der Preis ist nach dem Arzt und Wissenschaftler Professor Dr. Andreas Grüntzig benannt, der 1977 in Zürich die erste Gefäßerweiterung am Herzen mit einem Ballonkatheter durchgeführt hat.

In seiner preisgekrönten Forschungsarbeit stellt Privatdozent Dr. Bruno Scheller, Kardiologe an der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum des Saarlandes, die Entwicklung neuartiger Methoden zur Verhinderung der Wiederverengung (Restenose) nach Kathetereingriffen am Herzen sowie die Ergebnisse der international ersten wissenschaftlichen Untersuchung zum Thema Medikamenten-beschichtete Ballonkatheter dar.

Zusammen mit der Charité in Berlin (Prof. Dr. Ulrich Speck) wurde an der Klinik für Innere Medizin III (Direktor: Prof. Dr. Michael Böhm) am UKS in Homburg ein Verfahren entwickelt, um einen Ballonkatheter mit einem wachstumshemmenden Mittel (Paclitaxel) zu beschichten. Im Rahmen der Erweiterung verengter Arterien wird der auf der Ballon-Oberfläche befindliche Wirkstoff in die Gefäßwand abgegeben. Hierbei reicht ein kurzfristiger Kontakt des Medikaments Paclitaxel mit der Gefäßwand aus. Der Einsatz dieses beschichteten Ballonkatheters führt zu einer ausgeprägten Hemmung der unerwünschten Wiederverengung.

Bei der PACCOCATH ISR I Studie waren unter Leitung der Homburger Wissenschaftler fünf deutsche Universitätskliniken beteiligt. 52 Patienten, bei denen nach der Implantantion eines Stents eine erneute Verengung des Herzkranzgefäßes auftrat, wurden in die PACCOCATH ISR I Studie einbezogen. Die Hälfte der Patienten wurde mit einem Paclitaxel beschichteten PTCA Ballonkatheter, die andere Hälfte mit einem normalen PTCA Ballonkatheter behandelt.

Nach 6 Monaten lag die Restenose-Rate (Erneute Verengung des Herzkranzgefäßes) bei der Patientengruppe, die mit dem herkömmlichen Ballonkatheter behandelt wurde, bei 41 % wobei sich der mittlere Gefäßdurchmesser um 0,82 mm verringert hatte. Rund ein Viertel dieser Patienten musste sich erneut behandeln lassen.
In der Gruppe der Patienten, die mit dem beschichteten Ballonkatheter behandelt wurde, lag die Restenoserate lediglich bei 9% und der mittlere Gefäßdurchmesser war nur um 0,13 mm vermindert. Keiner dieser Patienten musste sich in dieser Zeit einem erneuten Eingriff unterziehen.

Innerhalb eines Jahres nach der Therapie erlitten fast 30 % der standardmäßig behandelten Patienten stärkere gesundheitliche Probleme, wogegen dies in der Gruppe der mit dem beschichteten Katheter behandelten Patienten nur bei 7 % der Fall war.

"Das neue Verfahren eröffnet Perspektiven in der Vorbeugung und Therapie der Wiederverengung von Blutgefäßen nach Stent-Implantation. Daneben kann mit dem beschichteten Ballonkatheter aber auch die Behandlung von Gefäßverzweigungen, kleinen Gefäßen oder die Implantation moderner, flexibler unbeschichteter Stentsysteme verbessert werden. Dieser neue Ansatz ermöglicht unabhängig von einer Stentimplantation eine wirksame Restenosehemmung", erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Bruno Scheller die Vorteile der Methode.



Hintergrundinformation:
Gefäßverengungen (Stenosen) der Herzkranzgefäße sind Ursache der Volkskrankheit Nummer 1, der koronaren Herzkrankheit. Typische Symptome sind die Angina pectoris, die Herzschwäche oder der Herzinfarkt.

Medikamenten beschichtete Stents (Flexible Edelmetallgeflechte zur Überbrückung verengter Blutgefäße), die verzögert ein wachstumshemmendes Medikament freigeben und eine Wiederverengung von Herzkranzgefäßen verringern, stellen einen großen therapeutischen Fortschritt dar. Dennoch können nicht beliebig viele Stents implantiert werden und deren Medikamentenabgabe ist auf das Gewebe um den Stent begrenzt.

Neben der medikamentösen Behandlung und der Bypass-Operation stellt die Erweiterung mit Katheterverfahren heutzutage die Standard-Behandlung dar. Der Einsatz von Stents führte seit den 90er Jahren zu einer deutlichen Erweiterung der Möglichkeiten und verbesserten Ergebnissen in der interventionellen Kardiologie.

Das Problem der Wiederverengung (Restenose) welches in den Herzkranzarterien bei bis zu 50 % aller Patienten auftritt, konnte durch die Einführung Medikamenten-beschichteter Stents reduziert aber nicht gelöst werden.


Kontakt für Rückfragen:

PD Dr. Bruno Scheller
Tel.: (+049) 06841 / 16 - 23372 , - 23350
Fax: (+049) 06841 / 16 - 23369 , - 23596
E-Mail: bruno.scheller@uniklinikum-saarland.de

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