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Eicke Weber neuer Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg

06.07.2006 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Nach 23 Jahren Forschung in den USA, zuletzt als Professor an der University of California in Berkeley, kommt Eicke Weber zurück nach Deutschland. Der 56-jährige Materialforscher übernimmt am 1. Juli die Leitung des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE. Er tritt die Nachfolge von Prof. Joachim Luther an, der das größte Solarinstitut Europas seit 1993 geleitet hat und nun aus Altersgründen aus der Institutsleitung ausscheidet. Der Physiker Eicke R. Weber lehrte seit 1983 Materialwissenschaften an der University of California in Berkeley. Er begann dort als Assistent Professor. Seine wissenschaftliche Laufbahn hatte er mit dem Studium der Physik in Köln begonnen, wo er sich in seiner Diplomarbeit mit Versetzungen in Silizium beschäftigte. 1976 promovierte er über "Punktdefekte im plastisch verformten Silizium". Nach Forschungsaufenthalten an der State University of New York, Albany, USA und der Universität Lund, Schweden habilitierte er sich 1983 in Köln mit einer grundlegenden Arbeit zu Übergangsmetallen in Silizium, die bis heute in der Literatur häufig zitiert wird. Im selben Jahr nahm er einen Ruf an das Department of Materials Science and Engineering der University of California, Berkeley, an, wo er im März 2004 zum Chair der interdisziplinären Nanoscale Science and Engineering Graduate Group ernannt wurde.

Weber hat sich weltweit einen Namen gemacht als Materialforscher für Defekte in Silizium und III-V-Halbleitern wie Galliumarsenid und Galliumnitrid. Er publizierte mit seiner Arbeitsgruppe mehr als 580 Veröffentlichungen und ist Mitherausgeber der Buchserie "Semiconductors and Semimetals" von Academic Press. 1997 war er Gründungsmitglied des Konsortiums "Silicon Wafer Engineering and Defect Science", an dem heute weltweit zwölf Firmen und neun Universitätsgruppen beteiligt sind. In den vergangenen Jahren hat Webers Gruppe in Berkeley wichtige Erkenntnisse über Materialdefekte in Solarsilizium gewonnen. Danach ist es nicht entscheidend, wie viele Übergangsmetalle das Silizium verunreinigen, sondern wie breit sie verteilt sind. Auch Zellen mit einem hohen Metallgehalt hatten, wenn die Metalle auf wenige Stellen konzentriert wurden, noch eine gute Stromausbeute. Dies brachte Weber auf die Idee, "schmutziges" Silizium für die Herstellung von Solarzellen zu verwenden.
Bisher muss hochreines und teures Silizium, das für die Chipindustrie produziert wird, auch für die Solarzellenherstellung bereitgestellt werden. "Mit der Verwendung von schmutzigem Silizium könnte die Solarbranche weltweit einen gewaltigen Satz nach vorne machen", beschreibt Weber die Bedeutung dieses Konzepts. Die Solarindustrie könnte die Kosten deutlich senken, außerdem ließe sich so der Engpass an hochreinem Silizium umgehen.

Weber ist überzeugt, dass durch Temperaturbehandlung das schmutzige Silizium so manipuliert werden kann, dass sich die darin enthaltenen Metalle in wenigen Clustern konzentrieren. Damit wäre der bisherige aufwändige Reinigungsprozess des hochreinen Siliziums für die Solarindustrie überflüssig. Eicke Weber will diesen Forschungsschwerpunkt in Freiburg fortsetze. Aber auch auf weiteren Gebieten der Solarenergie sieht er in den nächsten Jahren Möglichkeiten für große Fortschritte, an denen das ISE mitwirken kann. Deshalb habe ihn die Aufgabe in Freiburg gereizt: "Ich freue mich darauf, an entscheidender Stelle auf die weitere Verbreitung der Solarenergie Einfluss nehmen zu können, besonders da die nächsten zehn Jahre in dieser Hinsicht sehr aufregend sein werden." Gleichzeitig mit der Leitung des Fraunhofer-Instituts übernimmt Eicke Weber den Lehrstuhl für Angewandte Physik, Solarenergie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. "Die Fraunhofer-Gesellschaft ist stolz, dass sie einen so renommierten Wissenschaftler, der an einer international führenden Universität der USA Karriere gemacht hat, für die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme gewinnen konnten", begrüßt Fraunhofer-Forschungs-vorstand Dr. Ulrich Buller den neuen Institutsleiter.

Prof. Weber wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So erhielt er 1984 einen IBM Faculty Development Award, 1994 den Alexander von Humboldt-Preis und ist seit 2002 ein Fellow der American Physical Society. 1990 wurde er als Visiting Professor an die Tohoku Universität in Sendai, Japan, eingeladen, 2000 an die Kyoto Universität und im Dezember 2003 erhielt er die Einladung, den Zhu KheZhen Vortrag an der Zeijang Universität in Hangzhou, China, zu halten. Professor Weber war Gründungspräsident des Berkeley Chapters der Alexander von Humboldt Association of America (AvHAA) und 2001-2003 Präsident der AvHAA. Im Juni 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Die Rückkehr nach Deutschland ist für jemand, der das amerikanische Forschungssystem mit den erheblich besseren Verdienstmöglichkeiten erlebt hat, nicht leicht. Prof. Weber kennt die Problematik gut, hat er sich doch intensiv für den Brückenschlag Deutschland - USA eingesetzt und im Jahr 2003 die German Scholars Organisation gegründet. Diese Vereinigung von im Ausland lebenden deutschen Wissenschaftlern hat das Ziel, den Kontakt zur alten Heimat zu fördern, um die Chancen für eine Rückkehr offen zu halten. Nun hat der Präsident dieser Organisation selbst dem Ruf der Heimat nachgegeben.

Weitere Informationen: http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/07/Presseinformation06072006.jsp http://www.ise.fraunhofer.de
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