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Anlageverhalten von Stiftungen unter der Lupe - Ethische und ökologische Kriterien wenig gefragt

24.01.2003 - (idw) Universität Stuttgart

Deutsche Stiftungen messen ethischen, sozialen und ökologischen Kritierien bei der Anlage ihrer Vermögen nur geringe Bedeutung bei. Dies ist das - im Vergleich zu der von Bankfachleuten und Fondsmanagern vermuteten hohen Bereitschaft - ernüchternde Ergebnis einer Befragung unter der Leitung von Professor Henry Schäfer vom Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart. Schäfer und seine Mitarbeiter schlossen im Jahr 2002 eine bei rund 400 deutschen Stiftungen durchgeführte Studie ab. Dabei wurde die Bereitschaft von Stiftungen untersucht, sich bei der Vermögensanlage von derartigen Prinzipien leiten zu lassen. Nur etwa vier Prozent der befragen Organisationen bezeichneten sich als ethische Anleger und knapp zwei Drittel beabsichtigen, auch in Zukunft keine derartige Anlagegrundsätze zu beachten. Die größte Bereitschaft zu einer prinzipiengeleiteten Anlage besteht bei Stiftungen mit religiösem Hintergrund oder mit internationalen Zielsetzungen. Ansatzpunkte zu einer größeren Nachfrage nach derartigen Anlageformen sieht der Stuttgarter Betriebswirtschaftler in einer aktiveren Informationspolitik von Anbietern solcher Anlageformen und begleitender Beratung in Techniken des Finanz- und Anlagemanagements. Die Untersuchung ist in ein umfassendes Forschungsprojekt zur nachhaltigen Finanzwirtschaft - Sustainability & Finance - am Lehrstuhl von Henry Schäfer eingebettet.

Soziale Kriterien eher anlagerelevant - Rote Karte für Rüstungs- und Genussmittelindustrie
Die Untersuchung ergab, dass fast zwei Drittel der Befragten in Zukunft keine Kapitalanlage nach ethischen, sozialen oder ökologischen Kriterien anstreben. Immerhin noch etwa ein Viertel der Befragten war sich bei diesen Anlageformen nicht sicher und definitiv bereit zur prinzipiengeleiteten Anlage waren nur vier Prozent. Noch am ehesten wurden soziale Kriterien als anlagerelevant genannt. Bevorzugt würden dabei Unternehmen/Branchen mit ausgeprägter sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung. In etwa gleicher Bedeutung läge an zweiter Stelle der Kreis von Unternehmen mit dem Tätigkeitsbereich erneuerbare Energien sowie Unternehmen mit umwelt- und ressourcenschonenden Produktionsmethoden. Im Rahmen einer ethischen Anlage würde dagegen eine deutliche Mehrheit die Rüstungsgüterindustrie, danach in etwa gleicher Bedeutung die Atomwirtschaft und die Genussmittelindustrie meiden.

Sorgen um geringe Rendite und Anlagerisiko
Als die drei wichtigsten Hindernisgründe einer prinzipiengeleiteten Anlage wurden mit etwa gleicher Bedeutung genannt: Befürchtung einer zu geringen Rendite, gesetzlicher und/oder satzungsmäßiger Anlagezwang sowie als zu gering erachtetes eigenes Anlagevermögen.
Die mangelnde Bereitschaft zu prinzipiengeleiteten Kapitalanlagen wurde häufig mit der Befürchtung eines hohen Anlegerrisikos begründet. An zweiter Stelle folgte die Ansicht, dass mit prinzipiengeleiteten Kapitalanlagen keine Verbesserung von Umwelt und Gesellschaft möglich sei. Einige der Befragten hatten sich noch "keine Gedanken" zur Kapitalanlage nach ethischen, ökologischen oder sozialen Kriterien gemacht oder verfügten über keine Informationen darüber. Bemerkenswert ist, dass gut 45 Prozent überhaupt keine Begründung für ihre Zurückhaltung in Sachen prinzipiengeleiteter Kapitalanlage nannten.

Die 400 untersuchten Stiftungen haben ihre Tätigkeitsschwerpunkte in den Bereichen soziale Dienste und Hilfen, Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Bildungswesen und Forschung sowie Kultur, Sport und Freizeit. Die am häufigsten vertretene Rechtsform war die einer Stiftung bürgerlichen Rechts.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Henry Schäfer, Lehrstuhl Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft des Betriebswirtschaftlichen Instituts der Universität Stuttgart, Keplerstr. 17, 70174 Stuttgart, Tel. 0711/218460-01, 218460-00, e-mail: h.schaefer@po.uni-stuttgart.de

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