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EDV in den Geisteswissenschaften - Akademienunion beim Wissenschaftssommer

10.07.2006 - (idw) Union der deutschen Akademien der Wissenschaften

Was haben kritische Editionen der Werke großer Dichter, Denker und Komponisten, Wörterbücher und Lexika mit dem Informatikjahr zu tun? Sehr viel, wie Ihnen die deutschen Akademien der Wissenschaften an ihrem Stand auf dem Wissenschaftssommer zeigen möchten. "Dank Informatik" können Sie hier unter anderem erfahren, welche antiken Monumente man bereits in der Renaissance kannte, was die Glasmalereien in unseren Kirchen gemeinsam haben und wie uralte Keilschrifttafeln ausgewertet werden. Sie finden uns vom 15. bis 21. Juli 2006 beim Jahrmarkt der Wissenschaften auf dem Münchener Marienhof, Großes Zelt, Stand 21. Für die Akademienforschung spielt die EDV seit den 60er Jahren eine unverzichtbare Rolle. Ihre riesigen und weltweit führenden Wissensspeicher, die sie seit dem 18. Jahrhundert mit ihren geisteswissenschaftlichen Grundlagenwerken geschaffen hat, waren bis dahin nur über einen Komplex von differenzierten Indices und Registern zu erschließen. Der Computer änderte das: Er erwies sich als effizientes Werkzeug für Sortierarbeiten wie das Alphabetisieren, für das Vergleichen von Texten und Textversionen und schließlich für das Herausfiltern von Informationen aus Texten und weitere gezielte Recherchen.

Daneben erlangte die EDV als Medium für die Akademieprojekte eine große Bedeutung: Selbstverständlich wird heute jede gedruckte Akademiepublikation auf der Grundlage einer digitalen Version erstellt, existieren die großen Wörterbücher und Editionswerke bereits in elektronischer Form und können digital erscheinen - ob nun als CD-ROM oder im Internet. Darauf wird nicht nur bei der Konzeption lexikographischer und editorischer Neuvorhaben geachtet, auch so berühmte Werke wie das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm oder das Deutsche Rechtswörterbuch werden im nachhinein digitalisiert.

Die von den Akademien herausgegebenen Wörterbücher werden außerdem untereinander und mit ihren Quellen vernetzt. So entstehen neue Informationssysteme und Ressourcen für eine künftige digitale Nationalbibliothek, die einen vielfältigen Zugang zu unserem kulturellen Erbe in all seinen Facetten ermöglichen soll.

Anhand ausgewählter Projekte aus dem Akademienprogramm der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften möchten wir Ihnen beim Wissenschaftssommer einen Ausschnitt der vielfältigen, digitalen Recherchemöglichkeiten zeigen, die interessierte Laien und Experten bereits nutzen können.

Unser Programm für Sie

Samstag, 15.7. und Sonntagvormittag, 16.7.: "Regesta Imperii Online" (Akademie Mainz) erschließt alle urkundlichen und historiographischen Quellen zur Geschichte der römisch-deutschen Könige sowie der Päpste des frühen und hohen Mittelalters.

Samstag, 15.7.: "Repertorium Fontium Historiae Medii Aevi" (Bayerische Akademie): Neues über mittelalterliche Geschichtsquellen? - Nur im Internet!

Samstagabend, 15.7. und Sonntagnachmittag, 16.7.: Historisch bedeutsame Grabdenkmäler des Mittelalters und der Frühen Neuzeit werden im "LAGIS-Modul" (Akademie Mainz, Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde) dokumentiert.

Sonntagvormittag, 16.7. und Montag, 17.7.: "Schelling-Edition" (Bayerische Akademie, Dr. Holthausen GmbH): Assoziationen im Gedankennetz - Neuronale Netze für die Geisteswissenschaften.

Montag, 17.7. und Dienstag, 18.7.: Die "Marx-Engels-Gesamtausgabe" (Berlin-Brandenburgische Akademie) ist die vollständige, historisch-kritische Ausgabe der Veröffentlichungen, Handschriften und Briefwechsel von Marx und Engels.

Montag, 17.7. und Dienstag, 18.7.: Der "Census of Antique Works of Art and Architecture Known in the Renaissance" (Berlin-Brandenburgische Akademie) erfasst die in der Renaissance bekannten antiken Monumente in einer Datenbank.

Montag, 17.7. und Dienstag, 18.7.: Das "Corpus Vitrearum Medii Aevi" (Berlin-Brandenburgische Akademie und Akademie Mainz) in Potsdam und Freiburg inventarisiert mittelalterliche Glasmalereien, dokumentiert sie fotografisch und bearbeitet sie wissenschaftlich.

Montag, 17.7. und Dienstag, 18.7.: Die Berlin-Brandenburgische Akademie hat 2002 die Initiative "Telota" (The electronic life of the academy) ins Leben gerufen. Seit Februar 2005 wird monatlich ein neues, digitales Projekt vorgestellt.

Montag, 17.7. und Dienstag, 18.7.: Das Projekt "Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts" (Berlin-Brandenburgische Akademie) erstellt auf der Grundlage großer elektronischer Corpora ein digitales Wörterbuchsystem.

Mittwoch, 19.7.: Die "Epigraphische Datenbank" (Heidelberger Akademie) hat mehr als 42.000 lateinische Inschriften erfasst. Sie bietet ein lebendiges Bild des Imperium Romanum.

Mittwoch, 19.7.: "Thesaurus linguae Latinae" (Bayerische Akademie): Sammeln, auswerten, publizieren - vom Zettelkasten zum größten lateinischen Lexikon der Welt auf CD-ROM.

Mittwochnachmittag, 19.7. und Donnerstagvormittag, 20.7.: Das "Hethiter-Portal" (Akademie Mainz) dokumentiert die bei den Ausgrabungen in Bo?azköy (Türkei) gefundenen Keilschrifttafeln, erschließt das Textmaterial, bearbeitet es philologisch und veröffentlicht die Keilschrifttexte.

Donnerstagnachmittag, 20.7. und Freitagvormittag, 21.7.: Das "Deutsche Rechtswörterbuch" (Heidelberger Akademie) erfasst den deutschen und westgermanischen Wortschatz des Rechtslebens über einen Zeitraum von etwa 1.500 Jahren.

Donnerstagnachmittag, 20.7. und Freitagvormittag, 21.7.: Das "Mittelhochdeutsche Wörterbuch" (Akademien Göttingen und Mainz) erschließt das hochmittelalterliche Deutsch, wie es im Nibelungenlied überliefert ist, im Internet.

Donnerstagnachmittag, 20.7. und Freitagvormittag, 21.7.: Das "Wörterbuchnetz" des Trierer Kompetenzzentrums digitalisiert Wörterbücher und vernetzt sie auf intelligente Weise untereinander.

Ihre Ansprechpartnerin

Myriam Hönig,
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Tel.: 030 / 325 98 73 70 oder 0179 / 50 91 797,
E-Mail: hoenig@akademienunion-berlin.de

Die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist die Dachorganisation von sieben Wissenschaftsakademien, die sich zur Umsetzung gemeinsamer Interessen zusammengeschlossen haben. Unter dem Dach der Union sind mehr als 1600 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedenster Fachrichtungen vereint, die zu den national und international herausragenden Vertretern ihrer Disziplinen gehören. Die Union koordiniert das "Akademienprogramm", das eines der größten und bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprogramme der Bundesrepublik Deutschland darstellt. So ist die Union zuständig für die Koordinierung und Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben ihrer Mitgliedsakademien. Sie empfiehlt die Bildung von Schwerpunkten für verwandte Projekte, fördert die Kommunikation zwischen den Akademien und betreibt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Sie kommuniziert mit Wissenschaftsorganisationen des In- und Auslandes und entsendet Vertreter in nationale und internationale Wissenschaftsorganisationen. Eine organisierte Zusammenarbeit der deutschsprachigen Akademien der Wissenschaften gibt es bereits seit über 100 Jahren. Sie geht zurück auf das sogenannte "Kartell", das 1893 in Leipzig für die Betreuung von über 30 gemeinsamen Akademie-Forschungsvorhaben gegründet wurde.

Weitere Informationen: http://www.akademienunion-berlin.de
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