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Der kleine Unterschied. Von Schimpansen und Menschen

24.01.2003 - (idw) Forschungsverbund Berlin e.V.

Svante Pääbo hielt Festvortrag auf Neujahrsempfang des Campus-Berlin-Buch (24. Januar 2003 um 14.00 Uhr im MDC.C, Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin)

Sperrfrist: 24. Januar 2003, 15.00 Uhr

Wie die Forschung das Wissen um das Humangenom anwenden kann, um typisch menschliches Verhalten zu erforschen, hat Prof. Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig mit seinem Festvortrag auf dem Neujahrsempfang des Campus Berlin-Buch gezeigt.

Ein Beispiel ist das Gen FOXP2, das entscheidend für die Fähigkeit des Menschen ist, zu sprechen. Alle Säugetiere besitzen es. Svante Pääbo fand allerdings heraus, dass sich die Abfolge der Bausteine des menschlichen FOXP2-Gens an zwei entscheidenden Stellen von der anderer Säuger einschließlich der Menschenaffen unterscheidet. Das bedeutet möglicherweise, dass dieses Gen in einem Zusammenhang zur Entstehung der menschlichen Sprache und damit der menschlichen Kultur steht.

Von großem Nutzen für die Forschung, so Prof. Pääbo, sei die Entscheidung des NHGRI (National Human Genome Research Institute, Bethesda, USA), mit der Sequenzierung des kompletten Genoms unseres nächsten Verwandten unter den Menschenaffen, des Schimpansen, zu beginnen. Der Vergleich der beiden Genome könne uns in die Lage versetzen, den genetischen Ursprung von Verhaltensmustern zu erkennen, die uns Menschen von allen anderen Spezies unterscheiden.

Prof. Pääbo gilt als Begründer der Paläogenetik. Es war ihm vor mehr als einem Jahrzehnt erstmals gelungen, aus einer winzigen Probe von einer ägyptischen Mumie DNA-Bruchstücke zu isolieren. Auf der Grundlage genetischer Analysen untersuchte er auch die Evolution verschiedener ausgestorbener und jetzt lebender Tiere, darunter Moa, Riesenfaultier und Mammut. Er wendete als einer der Ersten molekularbiologische Methoden wie die Polymerasekettenreaktion (PCR) an, um Fragen der Vorgeschichte des Menschen zu erforschen. Mit Hilfe der PCR lassen sich winzige Mengen von Erbsubstanz im Reagenzglas gezielt vervielfältigen - so oft, bis die Menge der Kopien für eine DNA-Sequenzanalyse ausreicht.Aufsehen erregte er vor einiger Zeit mit der These, dass der moderne Mensch vermutlich nicht vom Neandertaler abstammt - eine Schlussfolgerung aus der Untersuchung von Bruchstücken von DNA, die er aus über 30.000 Jahre alter Knochensubstanz von einem Neandertal-Fund bei Düsseldorf isoliert hatte.

Svante Pääbo wurde 1955 in Stockholm (Schweden) geboren. Er studierte an der Universität Uppsala Geschichte der Naturwissenschaften, Medizin, Ägyptologie sowie Russisch und promovierte dort 1986 in molekularer Immunologie. Nach Forschungsaufenthalten in den USA, der Schweiz und Großbritannien erhielt er 1990 eine C4-Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1997 folgte er einem Ruf nach Leipzig als einer von vier Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie.

Weitere Informationen erhalten Sie von

Dr. Björn Maul
Pressestelle
Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin
Tel. +4930-94793-102
Fax: +4930-94793-109
Email: maul@fmp-berlin.de
http://www.fmp-berlin.de
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