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Filme als Konserve der Zeit

27.01.2003 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Bücher sollten wie Bilder und Grafiken für die Nachwelt erhalten werden. Doch die Dateiformate und Datenträger digitaler Kopien sind nach wenigen Jahren unlesbar. Ein Laserbelichter, der langlebige Kopien auf Farbmikrofilm archiviert, wird in Berlin vorgestellt.


© Zentral- und Landesbibliothek Berlin - Beispiel für ein hochwertig auf Farbmikrofilm archiviertes Buch. Zweifelsohne sollte das Kulturgut der Menschheit für die nachfolgenden Generationen erhalten werden. Dies gilt für alte Bücher als der Wissenskonserve schlechthin ebenso wie für Lithografien, Zeichnungen oder Gemälde. Besonders wertvolle und empfindliche Originale sind für Fachleute nur schwer und für jedermann oft gar nicht zugänglich. Was liegt näher, als sie wenigstens in hoher Qualität in Faksimilie auf moderne Datenträger zu bannen und kostengünstig zu vervielfältigen? Doch bei den von Archivaren derzeit häufig verwendeten Dateiformaten wie TIFF und Datenträgern wie CD-ROM wird es weniger als zehn Jahre dauern, bis sie ihrerseits Geschichte sind. Um nicht ständig Kopien von Kopien herstellen zu müssen, bedarf es sehr langlebiger Träger wie die bisher für die Archivierung wenig eingesetzten Farbmikrofilme. Für sie gibt beispielsweise der Hersteller Ilford eine Haltbarkeit von rund 500 Jahren an. Dies gelingt etwa dadurch, dass Farbstoffe und Silbersalze nicht wie bei gewöhnlichen Farbfilmen in eine Emulsion, sondern in den Kunststoffträger selbst eingearbeitet werden. In ihn kann bleichender Luftsauerstoff nur sehr langsam eindringen. Anstelle des Originals können diese Master immer wieder für herkömmliche digitale Kopien herangezogen werden.

Doch wie werden solche Spezialfilme in hoher Qualität belichtet? "Wenn es um Präzision geht, sind Laser unschlagbar", erklärt Wolfgang J. Riedel vom Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM. "Ein Bildpunkt, der mit einem Laser belichtet wurde, ist in der Mitte sehr farbintensiv und läuft zu den Rändern hin aus. Selbst bei sehr genauem Hinsehen nimmt der Betrachter keine einzelnen Pixel, sondern homogene Strukturen und Flächen wahr." Riedel weiß, wovon er spricht, denn in seiner Abteilung entstand der mehrfach preisgekrönte "Arrilaser". Ursprünglich dazu entwickelt, um computergenerierte Animationen in unerreichter Qualität und Geschwindigkeit auf Kinofilm zu belichten, wird das Gerät nun auf die Bedürfnisse von Archivaren angepasst. Die hauptsächlichen Unterschiede betreffen den Film und eine rund achtmal höhere Auflösung. Ein Pilotprojekt mit der Bibliothek in Weimar läuft derzeit.

Unter der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF ausgegebenen Losung "Optische Technologien - Zukunft für die deutsche Wirtschaft" veranstaltet der VDI mit weiteren Verbänden am 20. und 21. Februar in Berlin eine Tagung. Dort können sich nicht nur Fachleute von diesem neuen, Erfolg versprechenden Archivierungssystem ein direktes Bild machen.

Ansprechpartner:
Wolfgang J. Riedel
Telefon 07 61 / 88 57-3 30
Fax 07 61 / 88 57-2 24
wolfgang.riedel@ipm.fraunhofer.de

Andreas Hofmann
Telefon 07 61 / 88 57-1 36
andreas.hofmann@ipm.fraunhofer.de
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