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Die Artischocke - Delikatesse und Arzneipflanze des Jahres 2003

27.01.2003 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Artischocke bereichert nicht nur den Speiseplan des Menschen. Die Inhaltsstoffe ihrer Blätter verbessern auch die Fettverdauung, entlasten die Leber und senken die Cholesterinwerte. Darum hat der "Studienkreis zur Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Uni Würzburg die Artischocke zur Arzneipflanze des Jahres 2003 gekürt.


Die Artischocke ist die Arzneipflanze des Jahres 2003. Aus ihren Blättern werden Medikamente hergestellt. Foto: Emmerich Die schuppenartigen Hüllblätter der Artischockenblüten sind gekocht und mit Vinaigrette genossen eine Delikatesse - ebenso wie der Boden des Blütenstandes oder die so genannten Artischockenherzen. Bei letzteren handelt es sich ganz einfach um sehr junge und ganz kleine Artischocken.

Aus den Blättern der Pflanze wird der bittere "Cynar" gewonnen. Dieser weist als Aperitif oder noch viel besser als Digestif den Weg zur Artischocke als Arzneipflanze: Der Magenbitter soll nach einer üppigen Mahlzeit der Verdauung auf die Sprünge helfen. "Besser als Schnaps wirken jedoch Artischockenblätter, die als standardisierte Arznei zubereitet wurden", so Dr. Ralf Windhaber vom Würzburger Studienkreis.

Etwa jeder fünfte Bundesbürger leidet an Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Übelkeit, Blähungen oder Oberbauchbeschwerden, aber auch an Durchfall oder Verstopfung. Wenn diese Beschwerden dadurch hervorgerufen werden, dass zuwenig Galle in den Verdauungstrakt gelangt, dann empfiehlt sich laut Windhaber die Artischocke.

Die Inhaltsstoffe ihrer Blätter, unter anderem Flavonoide und Bitterstoffe, regen die Produktion der Gallensäure an. Dies führt zu einer verbesserten Fettverdauung und zur Entlastung der Leber. "Außerdem wurde beobachtet, dass das Gesamtcholesterin durchschnittlich um 10 bis 15 Prozent gesenkt wird", wie der Studienkreis mitteilt.

Für die Arzneimittelherstellung werden die Blätter der grundständigen Blattrosette geerntet, und zwar noch vor dem Beginn des Blütenaustriebs. Wichtige Anbaugebiete in Deutschland sind Franken, Thüringen und Brandenburg, in Frankreich die Bretagne.

Die Artischocke wurde bereits zu Lebzeiten Karls des Großen als Arzneipflanze erwähnt. Dann, für ein halbes Jahrtausend, gibt es keine Hinweise auf ihren Gebrauch in Europa. Erst die Araber machten die Pflanze in Südeuropa von neuem bekannt. Im 15. Jahrhundert kam die Artischocke in Florenz und Venedig wieder auf den Speiseplan. Die deutschen Ärzte und Kräuterbuchautoren aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, wie Leonhart Fuchs und Adam Lonitzer, nahmen die Verwandte der Distel unter dem Namen "Strobeldorn" in ihre Werke auf.

Aus dieser Zeit stammt auch das Kräuterbuch des Kaiserlichen Leibarztes Pietro Andrea Mattioli. Darin ist zu lesen, dass die in Wein gekochte Wurzel der Artischocke "der verstopften Leber und Nieren zu der Gelbsucht und Wassersucht" dient. Allerdings empfahl Mattioli nach dem heutigen Wissensstand mit der Wurzel das falsche Pflanzenorgan. Auch Präparate aus Artischockenblättern wurden nicht immer richtig verwendet: Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen sie fälschlicherweise gegen die Gelbsucht zum Einsatz.

Vielleicht liegt es auch an der allgemeinen Wertschätzung der Artischocke, dass sie zusammen mit nautischen Gerätschaften als Motiv in der Bauplastik des verspielt-dekorativen Stils der Manuelinik (1480-1525) in Portugal auftritt.

Weitere Informationen: Dr. Ralf Windhaber, T (0931) 7 90 38-10, Fax 7 90 38-11, E-Mail:

windhaber@ngi.de
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