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Aramäischer Dialekt von Hertevin überlebt digital

27.01.2003 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Semitisten am Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Universität Heidelberg retten Sprachzeugnisse chaldäischer Christen - Tonbandaufnahmen werden digitalisiert, um den Klang des Aramäischen für die Nachwelt zu erhalten

Das semitische Spracharchiv (Semarch), das seit zwei Jahren im Fach Semitistik an der Universität Heidelberg mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgebaut wird, hat sich vor allem zum Ziel gesetzt, aussterbende semitische Sprachen und Dialekte in digitalisierter Form zu erhalten. Dazu gehören besonders die stark gefährdeten aramäischen Dialekte.

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war das Aramäische noch in einem großen Gebiet des osmanischen Reiches verbreitet. Der Völkermord an den Armeniern während des 1. Weltkriegs führte jedoch zur weitgehenden Vernichtung der aramäischen Bevölkerung auf dem Boden den heutigen Türkei. Aber auch in den vergangenen Jahren wurde die Welt immer wieder Zeuge, dass die Sprecher der ältesten Sprache des Vorderen Orients gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen. Aus der Türkei, dem Irak und dem Iran flüchteten fast alle aramäischsprachigen Juden und Christen vor Verfolgung und Krieg.

Als Untergebene eines Kurdenaghas überlebten in dem Dorf Hertevin in der Proviz Siirt (Osttürkei) chaldäische Christen das Massaker an den Armeniern und Aramäern von 1915. Professor Otto Jastrow von der Universität Erlangen entdeckte 1970 diesen einzigartigen Dialekt und konnte von dem etwa 60 Jahre alten Moqsi Dawod 34 Erzählungen mit einer Gesamtlänge von drei Stunden auf Tonband aufnehmen. Die Texte wurden 1988 unter dem Titel "Der neuaramäische Dialekt von Hertevin" veröffentlich. Professor Jastrow schreibt in seinem Vorwort: "Wir müssen auf den unersetzlichen kulturellen Verlust hinweisen, der der Menschheit durch die Entwurzelung der letzten Aramäer entsteht, und wir dürfen uns nicht scheuen, in klaren Worten auf die Verbrechen der Verfolgerstaaten und die Indifferenz des Abendlandes aufmerksam zu machen".

Heute leben keine Aramäer mehr in Hertevin, aber die Tonbandaufnahmen sind in Heidelberg digitalisiert worden, um den Klang dieser Sprache für die Nachwelt zu erhalten. Sie können über das Internet unter www.semarch.uni-hd.de
angehört werden.

Rückfragen bitte an:
Prof. Dr. Werner Arnold
Universität Heidelberg
Seminar für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients -Semitistik-
Schulgasse 2
69117 Heidelberg
Tel. 06221 54 2957 oder 06221 54 2961 (Sekretariat)
Fax 06221 54 3401
arnold@uni-hd.de
http://arnold.uni-hd.de/

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de

oder
Irene Thewalt
presse@rektorat.uni-heidelberg.de
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