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Sauberes Rheinwasser durch einzellige Wimpertierchen

27.01.2003 - (idw) Universität zu Köln

19 /2003 (Wimpertierchen)

Sauberes Rheinwasser durch einzellige Wimpertierchen
Köln-Preis für Dr. Anja Scherwaß

Das Ökologische Rheinlabor der Universität zu Köln bietet Wissenschaftlern neue Möglichkeiten zur Untersuchung der Wasserqualität des Rheins, die nicht zuletzt auch wegen seiner Funktion als zumindest indirektes Trinkwasserreservoir von besonderer Bedeutung ist. Am Zoologischen Institut entstanden nun erstmals zwei Doktorarbeiten, die den Einfluß kleiner einzelliger Tiere auf die Wasserqualität in einem großen Fließgewässer, dem Rhein, darstellen. Die beiden Wissenschaftler werden heute für Ihre Dissertationen, die unter der Betreuung von Professor Dr. Hartmut Arndt entstanden, mit dem Köln-Preis 2002 ausgezeichnet. Eine der Arbeiten verfaßte Dr. Anja Scherwaß. Ihre Dissertation "Seasonal dynamics and mechanisms of control of ciliated potamoplankton in the River Rhine" (Saisonale Veränderungen und Mechanismen der Kontrolle des Ciliatenplanktons im Rhein) erschien in englischer Sprache.

Dr. Scherwaß untersucht in ihrer Doktorarbeit die Bedeutung von Wimpertieren ("Ciliaten") im Freiwasserraum des Rheins bei Köln. Wimpertiere gehören zum tierischen Mikroplankton, das die Größenklasse von 10-200 Mikrometern umfaßt. Unter Plankton versteht man die Gesamtheit der im Wasser schwebenden tierischen und pflanzlichen Organismen. Die von der Verfasserin untersuchten Wimpertiere ernähren sich von Bakterien und Algen und können deren Menge teilweise in deutlichem Maß kontrollieren. Damit spielen sie, wie auch die Geißeltiere, die in einer parallel durchgeführten Dissertation von Dr. Markus Weitere behandelt werden, eine wichtige Rolle im Selbstreinigungsprozeß von Flüssen. Für stehende Gewässer ist die Bedeutung von Wimpertieren im Nahrungsgewebe schon gut erforscht, für Fließgewässer war darüber bisher jedoch nur wenig bekannt.

Einen großen Teil der Untersuchungen führte die Verfasserin im Ökologischen Rheinlabor der Universität Köln durch. Über zwei Jahre hinweg konnte sie die Veränderung der Anzahl und der Arten von Wimpertieren im Jahresverlauf im Rhein untersuchen und die Wachstumsleistung der Kleinstlebewesen ermitteln. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten haben gezeigt, daß Wimpertiere im Freiwasser großer Flüsse eine mindestens gleiche, teilweise auch größere Biomasse aufwiesen, als die des traditionell berücksichtigten größeren tierischen Planktons, wie etwa Kleinkrebse (z. B. Wasserflöhe) und Rädertierchen. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu stehenden Gewässern, wo das größere tierische Plankton in den meisten Fällen die an Biomasse dominierende Gruppe darstellt. Gleichzeitig besaßen die Geißeltiere (Flagellaten) einen sehr großen Anteil an der Biomasse im Plankton. Damit konnte gezeigt werden, daß einzellige Urtierchen im Plankton eines Fließgewässers das Nahrungsgewebe deutlich dominieren können. Dies konnte Dr. Scherwaß auch im Vergleich sehr unterschiedlicher Flüsse (Rhein, Mosel, Saar) bestätigen. Während das größere tierische Plankton als typische Räubergruppe auf die Einzeller keinen Einfluß hatte, konnten die Laborexperimente sowie die Analyse der Freilanddaten einen deutlichen Einfluß der am Boden lebenden Tiere (wie z. B. Muscheln) auf die Gemeinschaft der Wimpertiere aufzeigen.

Als weiterer kontrollierender Faktor für die Vermehrung von Wimpertierchen konnte die Verfügbarkeit von Algen ermittelt werden. Die im Jahresverlauf meist relativ begrenzte Menge an durch Wimpertiere freßbaren Algen stellt eine deutliche Kontrolle der Entwicklung dieser Kleinstlebewesen im Rhein dar. Die Rolle dieser beiden Hauptfaktoren - am Gewässerboden lebende Räuber und die Menge der als Nahrung verfügbaren Algen - für die Kontrolle der Wimpertiere konnte in einer weiteren Untersuchung zur Entwicklung der Einzeller im Längsverlauf von Flüssen (Mosel, Saar, Rhein) unterstrichen werden. Begleitende Wachstumsversuche während dieser Studie gaben zudem Aufschluss über die Fähigkeit der Wimpertiere, sich während des Flußabwärtstransportes deutlich zu vermehren.

Die Ergebnisse der Dissertation liefern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Rolle von Wimpertieren im Nahrungsgewebe großer Flüsse. Die Kenntnisse über Interaktionen im Nahrungsgewebe stellen eine wichtige Grundlage für das Verständnis der Stoffflüsse in großen Fließgewässern und damit von Prozessen wie der Selbstreinigung der Flüsse dar.

(72 Zeilen à 60 Anschläge)

Verantwortlich: Eva Faresin

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Anja Scherwaß unter der Telefonnummer 0221/470-4013, der Fax-Nummer 0221/470-5932 und unter der Email-Adresse anja.scherwass@uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web unter http://www.uni-koeln.de/pi/.
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