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Kein Durchblick für benachteiligte Jugendliche? Studie der Universität Dortmund belegt mangelnde Kooperation bei Förderm

17.08.2006 - (idw) Universität Dortmund

Ausbildungsplätze sind rar gesät und nur die Besten haben Chancen. Ausbildungsberufe für die früher noch ein Hauptschulabschluss ausreichte, werden heute mit Abiturienten besetzt. Was tun mit Jugendlichen, die im Kampf um Ausbildungsplätze unten durch fallen? Mittlerweile bieten viele Institutionen zahlreiche Maßnahmen im Bereich der Benachteiligtenförderung. Doch werden die Jugendlichen hierdurch wirklich effektiv beim Einstieg in das Berufsleben unterstützt oder droht aufgrund der fehlenden Übersicht im Förderdschungel die "Maßnahmenkarriere"? Prof. Dr. Günter Pätzold , Inhaber des lehrstuhls für Berufspädagogik an der Universität Dortmund, und Dipl-Päd. Judith Wingels haben Effektivität, Transparenz und Rentabilität von Programmen und Netzwerken zur Förderung beruflich Benachteiligter unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen, dass von einer transparenten Förderlandschaft mit abgestimmten Maßnahmen nach wie vor nicht die Rede sein kein. Bereits 2001 hatte die Bund-Länder Komission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) Handlungsempfehlungen für die Benachteiligtenförderung herausgegeben. Zentrale Botschaft war, dass die einzelnen Anbieter verstärkt miteinander kooperieren und ihre Angebote aufeinander abstimmen sollen. Weitere Empfehlungen der BLK: Optimierung von Lernformen, bessere Anbindung an die betriebliche Praxis und Qualitätssicherung.
Ziel der Dortmunder Untersuchung war es, herauszufinden, wie diese Empfehlungen in der Praxis umgesetzt wurden. Hierzu erhoben Günter Pätzold und Judith Wingels zunächst Daten der an der Förderung beteiligten Akteure im gesamten Bundesgebiet. Denn es gibt zwar Kooperationen zwischen einzelnen Institutionen wie Berufsschulen, der Bundesagentur für Arbeit (BA) und privaten Trägern, jedoch ließen Transparenz und Übersichtlichkeit in diesem Bereich bisweilen zu wünschen übrig. Als Grund geben die Forscher die unterschiedlichen Gesetzesgrundlagen in der Zuständigkeit von Bund, Ländern und Kommunen an. Bislang gibt es kaum Erfahrungsberichte und empirische Studien zu Erfolgsbilanzen von Fördernetzwerken. Um auch die betriebliche Seite näher zu beleuchten, führten die beiden Forscher mit Unterstützung des Bundesinstitus für Berufsbildung (BIBB) deshalb zusätzlich eine quantitative Betriebsbefragung durch.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass es noch immer wesentlich an Transparenz im Bereich der Benachteiligtenförderung mangelt. "Selbst Träger wissen oft nicht, wo sie ihre Anträge auf Fördermittel stellen müssen", so Judith Wingels. 83 Prozent der befragten Akteure sagen immerhin, dass Kooperationsaktivitäten in ihrer Region "politisch gewollt" sind. Jedoch wurde in nur etwa einem Drittel der Fälle auch eine zentrale Stelle wie die BA oder ein örtlicher Träger mit der Koordination der Kooperationsaktivitäten beauftragt. In zwei Drittel der Fälle wurden Initiativen für eine Kooperation ergriffen, jedoch konzentrieren sich diese meist nur auf die Vermittlung und Durchführung von Praktika. Sie sind also bislang eher kurzfristiger Natur. Meist handelt es sich um Kooperationen zwischen zwei Partnern, Netzwerke findet man selten vor. Gibt es welche, herrscht oft Konkurrenz unter den Trägern, die Arbeitsbereiche sind schlecht aufeinander abgestimmt und überschneiden sich teilweise. Ein Fünftel der Befragten haben überhaupt keine Kenntnis von einer zentralen Koordinierungsstelle in ihrer Region.
Bei der Betriebsbefragung im Rahmen des Referenz-Betriebs-Systems (RBS) wurden insgesamt 1516 Betriebe angeschrieben. 221 dieser Betriebe bilden benachteiligte Jugendliche aus oder beschäftigen sie. 144 Betriebe haben in den letzten fünf Jahren an kooperativen Maßnahmen teilgenommen, in fast drei Viertel der Fälle handelte es sich lediglich um Betriebspraktika. 57 Prozent der Betriebe gaben auch hier an, keine Kenntnis von einer zentralen Koordinierungsstelle in der Region zu haben.
Sowohl in den Betrieben als auch bei den restlichen Akteuren ergibt sich im Bereich der Benachteiligtenförderung ein einheitliches Bild: Bei der Kooperation zur Knüpfung von Fördernetzwerken besteht weiterhin Handlungsbedarf. Für eine effektive Kooperation müssten neue einrichtungsübergreifende Strukturen entwickelt werden, die vor allen Dingen langfristig sind. Prof. Dr. Günter Pätzold: "Es geht dabei nicht darum, neue Stellen einzurichten und Förderprogramme aufzulegen. Vielmehr müssen vorhandene Maßnahmen gebündelt und Aufgabenbereiche neu verteilt werden. Oberstes Ziel sollte die gemeinsame Förderung der Jugendlichen und nicht die Profilierung der einzelnen Einrichtung sein."


Weiter Informationen:
Prof. Dr. Günter Pätzold
E-Mail: Paetzold@fb12.uni-dortmund.de
Telefon: (0231) 755-2198
Dipl.Päd. Judith Wingels
E-Mail: JWingels@fb12.uni-dortmund.de
Telefon: (0231) 755-6505

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