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Münchner Klinikchef muss die Folgen von drei Streikwellen bewältigen

21.08.2006 - (idw) Klinikum der Universität München

Dermatologie-Professor Dr. Dr. Thomas Ruzicka plant dennoch einen Ausbau des Therapieangebotes und mehr Service für Patienten Insgesamt 25 Wochen war Professor Dr. Dr. Thomas Ruzicka (54) in diesem Jahr bereits mit Streikaktivitäten seiner Belegschaft konfrontiert. Drei Streikwellen, eimal verdi und zweimal Marburger Bund, gilt es nun für den Direktor der Dermatologie am Klinikum der Universität und der städtischen Fachklinik in der Thalkirchner Straße zu verkraften. Dennoch sollen Spezialambulanzen, kürzere Wartezeiten und exzellente Grundlagen- und klinische Forschung sowie neue Behandlungsangebote die Münchner Hautklinik noch attraktiver machen. Geplant ist zudem eine Sprechstunde für ästheti-sche Medizin mit kompetenten und hochqualifizierten Ärzten.

Doch zunächst gilt es, die durch Streiks und anstehende Mehrausgaben arg belasteten Finan-zen in den Griff zu bekommen: Streikbedingte Erlösausfälle und Gehaltssteigerungen, sowie Verteuerungen durch steigende Arzneimittel- und Energiekosten und die Erhöhung der Mehrwertsteuer schlagen zu Buche. Hinzu kommen noch geplante Sonderabgaben, die im Entwurf der Gesundheitsreform stehen. Bereits jetzt ist klar, dass "nicht alle befristeten Verträge verlängert werden", sagt Ruzicka und ist darüber gar nicht glücklich. Denn er versteht durchaus die Beweggründe, weshalb die jungen Ärzte gestreikt haben. "Ich hatte ja eigentlich eine doppelte, ja sogar dreifache Loyalität zu meistern", schildert der Dermatologie-Experte. "Als Leiter eines Hauses, das einen Universitätsteil und einen städtischen Teil umfasst, habe ich Verständnis für die Streikgründe der Ärzte in beiden Einrichtungen gehabt. Zugleich galt meine Loyalität natürlich auch der Klinik und damit dem wirtschaftlichen Wohl. Da war ich emotional oft hin und her gerissen. Ich glaube, es gibt wenige, die so froh sind wie ich, dass diese Streiks nun endlich vorüber sind", erzählt der sichtlich angespannte Professor. Außer bei den Stellen wird man an der Klinik nun auch im Bereich Laborkosten und bei den Arzneimittelkosten Einsparungen vornehmen müssen.

Wie kam es überhaupt zu dieser Streik-Odyssee? Hier muss man auf die besondere Konstellation der Münchner Hautklinik eingehen. Professor Thomas Ruzicka steht einem relativ einmaligen Konstrukt vor, denn die Ambulanz ist als Teil der Universität staatlich, die Betten im stationären Bereich sind dagegen Teil der Städtischen Klinikum München GmbH. Ruzicka ist Direktor beider Bereiche, von seinen Mitarbeitern sind zwei Drittel beim Staat und ein Drittel bei der städtischen Krankenhausgesellschaft beschäftigt. Nachdem zunächst verdi-Mitarbeiter gestreikt hatten, folgten die Ärzte der Universitätsklinik und anschließend die Mediziner der kommunalen Einrichtung.

Als Professor Ruzicka den Posten am 1. Mai 2006 in München als Nachfolger von Professor Dr. Gerd Plewig antrat, war der Ärztestreik an den Unikliniken gerade in vollem Gang. "Als Ordinarius an der Hautklinik der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf erlebte ich bereits den verdi-Streik", schildert er. In München übernahm er mit dem Klinikchefposten auch die Streikwelle der Ärzte. Dennoch bleibt er bei seinem überaus positiven Urteil über Münchens Hautklinik Nummer eins. "Die Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist in Verbindung mit der Fachklinik Thalkirchner Straße die größte Hautklinik Europas und eine einzigartige Institution, die einen weltweiten exzellenten Ruf genießt", sagt Ruzicka.

Exzellente Medizin und neue Behandlungsangebote
In der Fachklinik Thalkirchner Straße stehen den Patienten neben den 131 stationären Betten 20 Tagesbetten zur Verfügung. Die Patienten, die vollstationär aufgenommen werden müssen, leiden an sehr schweren Hautkrankheiten wie generalisierter Schuppenflechte, Ekzemen und Tumoren oder sind schwere Fälle von "offenen Beinen". Ein Drittel der Patienten werden operiert, insbesondere an Hauttumoren, und weitere 30 Prozent leiden an schweren allergischen Erkrankungen. Viele der Akutkranken sind Kinder. "Auf unserer großen Kinderstation haben wir eine besondere Expertise für die Behandlung von kindlichen Hautkrankheiten, dazu gehört insbesondere die Neurodermitis, aber auch die Schuppenflechte", sagt Ruzicka. Ferner werden große, entstellende Muttermale stationär von Spezialisten operiert. "Bei der Behandlung von Hautkrebs können wir auf exzellente Erfahrungen mit der Photodynamischen Therapie verweisen", betont Ruzicka.

In der Frauenlobstraße plant Ruzicka den Ausbau einer Ambulanz für chronische Wunden. Sie soll vor allem eine Anlaufstelle für meist ältere Patienten mit "offenen Beinen" werden, deren Versorgung der neue Ordinarius bis jetzt noch als unzureichend einschätzt. Aufbauen will er auch ein Bayerisches Schuppenflechte-Zentrum und eine eigene Neurodermitis-Sprechstunde. Die beiden entzündlichen Hauterkrankungen sind neben der Erforschung von weißem und schwarzem Hautkrebs Ruzickas Spezialgebiete. In Düsseldorf hat der Dermatologe auch interdisziplinäre Sprechstunden mit Rheumatologen für Patienten mit Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes) und Kinderärzten für Kinder mit Hautkrankheiten etabliert. Diese interdisziplinären Projekte soll es auch in München geben. "Zudem konnte ich bereits Drittmittel für Stiftungsprofessuren einwerben, um grundlegende Ursachen von Krankheiten noch intensiver erforschen zu können", ergänzt der Klinikchef.

Ein weiterer Schwerpunkt soll die ästhetische Dermatologie werden. "Der beste Experte für die Haut ist und bleibt der Hautarzt", betont Ruzicka. "Wir wollen den Wunsch nach Schönheit und Jugend mit seriösen Therapien begleiten und einen Gegenpol zur durchaus vorhanden Scharlatanerie bilden", erklärt Ruzicka. Neben der Qualifikation der Ärzte werden dabei auch neue und moderne Geräte bei der Behandlung zum Einsatz kommen. Dieser Bereich wird ausschließlich ambulant angeboten. Ein Bereich, den Professor Ruzicka insgesamt für die Patienten attraktiver gestalten möchte. "Wir werden sämtliche Anstrengungen unternehmen, damit künftig kein Patient länger als 30 Minuten auf seine Be-handlung warten muss." Dazu, so Ruzicka, werden allerdings zunächst einige bauliche Veränderungen nötig sein.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Thomas Ruzicka
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU
Tel: 089/5160-6001
Fax: 089/5160-6002
E-Mail: thomas.ruzicka@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München werden an den Standorten Großhadern und Innenstadt jährlich rund 85.000 Patienten stationär und 371.000 Patienten ambulant behandelt. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über etwa 2.400 Betten. Von insgesamt 9000 Beschäftigten sind rund 1800 Mediziner. Jährlich finden zahlreiche medizinische und wissenschaftliche Kongresse und Tagungen, sowie Kurse und Informationsveranstaltungen für Patienten statt. Das Klinikum der Universität München zählt zu den größten Gesundheitseinrichtungen in Deutschland und hat im Jahr 2004 mehr als 52 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben. Seit 1. Juni 2006 ist das Klinikum der Universität München eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.klinikum.uni-muenchen.de

Städtisches Klinikum München GmbH
Am 1. Januar 2005 fusionierten die fünf Städtischen Krankenhäuser Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Thalkirchner Straße sowie das Institut für Pflegeberufe, die Zentralwäscherei und der Blutspendedienst zur Städtisches Klinikum München GmbH, dem größten Anbieter von Gesundheitsleistungen im süddeutschen Raum.

130.000 stationäre und 65.000 teilstationäre Patientinnen und Patienten vertrauen jährlich auf die Kompetenz der Ärzte und des Pflegepersonals des Städtischen Klinikums.
8.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich 24 Stunden um das Wohl der Patientinnen und Patienten und erwirtschaften dabei einen Gesamtumsatz von 560 Millionen Euro.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.klinikum-muenchen.de

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