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Ein Exzellenzcluster erfolgreich

13.10.2006 - (idw) Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

36 Millionen für Forschung in Schleswig-Holstein

In Bonn wurde heute entschieden, ein Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft", das die Universität Kiel beantragt hatte, über die nächsten fünf Jahre mit insgesamt etwa 36 Mio. Euro zu fördern. Ein Viertel der Summe kommt vom Land, die anderen drei Viertel stammen aus der Exzellenzinitiative des Bundes. Die etwa hundertköpfige Forschergemeinschaft, die sich für den Antrag zusammengetan hatte, wird den Ozean als "Schaltstelle" im System Erde untersuchen und sich sowohl den Risiken widmen, denen unsere Weltmeere und damit wir alle ausgesetzt sind, als auch die Chancen erforschen, die marine Ressourcen aller Arten bieten. Neben Wissenschaftlern der Kieler Universität sind maßgeblich Kollegen des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) beteiligt. Auch der Sprecher des Clusters, Klaus Wallmann, ist als Professor der Kieler Universität dort beheimatet.

"Der genehmigte Exzellenzantrag ist in erster Linie ein Erfolg der Wissenschaftler, die in hervorragender Weise zusammengearbeitet haben und damit sowohl der Forschung als auch der Wirtschaft tolle Chancen für die Zukunft gewährleisten", gratulierte der schleswig-holsteinische Wissenschaftsminister Austermann der rund 100 Mitarbeiter starken Forschergemeinschaft. Die wissenschaftliche Arbeit rund um den Ozean werde künftig im Land zwischen den Meeren zum Markenzeichen für internationale Spitzenforschung. Das Wissenschaftsministerium hat nach den Worten Austermanns seinerseits zu dem Erfolg beigetragen, in dem es über den Schleswig-Holstein-Fonds und damit außerhalb der üblichen Hochschulfinanzierung die Projekte gefördert habe. "Darüber hinaus haben wir die Wissenschaftler zusammengebracht und sie bei der Präsentation der Projekte in den verschiedenen Bewertungsstufen begleitet", so der Minister. Die Zusage der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) stelle für ihn auch eine Ermutigung zur Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft dar.

Professor Thomas Bauer, Rektor der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigte sich überaus glücklich und stolz auf die Wissenschaftlerkollegen, die diesen Erfolg erarbeitet haben: "Das Tandem Uni Kiel und Leibniz-Institut für Meereswissenschaften hat sich als echtes Zugpferd erwiesen. Wir gewinnen mit der Entscheidung deutlich an Profil. Darüber hinaus entfalten die Themen des Exzellenzclusters kreative Wirkung auch auf die anderen Fächer. So wird sich dieses Profil auch innerhalb der Universität ausdrücken. Wir sind uns aber auch einig, dass die Bereiche außerhalb der Cluster besonders zu befördern sind, um eine lebendige Universitas zu bleiben, die durch gegenseitiges Geben und Nehmen lebt."

Was verbirgt sich hinter dem Titel "Ozean der Zukunft"?
Der Ozean wird durch den Anstieg der Kohlendioxidwerte in der Atmosphäre grundlegend verändert. Die jetzt schon zu beobachtende Versauerung und Erwärmung des Meerwassers bedroht die Lebensgrundlage vieler Organismen. Weiterhin ist mit weitreichenden Veränderungen in der Ozeanzirkulation zu rechnen. Als Folge der Erderwärmung bedroht der Meeresspiegelanstieg die dicht besiedelten Küstenregionen. Plattentektonische Prozesse sind Auslöser für Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis. Die Überfischung der Meere und der Klimawandel führen zu weiteren Veränderungen in der Zusammensetzung der marinen Ökosysteme.

Neben diesen Risikoszenarien, die im Cluster untersucht werden sollen, spielt der Ressourcenaspekt eine große Rolle. Hier reicht das Spektrum von den genetischen und mikrobiologischen Ressourcen der Meere über metallische mineralische Rohstoffe bis hin zu den Gashydraten als mögliche Energielieferanten der Zukunft. Diese Fragestellungen sollen integrativ mit meereswissenschaftlichen, ökonomischen, juristischen und medizinischen Ansätzen sowie unter Einsatz von innovativen Technologien der Ozeanbeobachtung umfassend und interdisziplinär untersucht werden. Uni Kiel und IFM-GEOMAR haben als Partner das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) und die Muthesius Kunsthochschule gewonnen.

Das Konzept der Forschergemeinschaft zum Ozean verfolgt vor allem das Ziel, hervorragenden wissenschaftlichen Forschernachwuchs zu fördern. "Wir setzen auf begabte junge Leute aus der ganzen Welt, die wir in Nachwuchsforschergruppen bündeln wollen," erläutert Clustersprecher Wallmann die Idee. "Darüber hinaus gründen wir eine School of Ocean Sciences, so dass auch die Lehre profitiert, dass also die Kieler Studierenden unmittelbar von der Exzellenz in diesem Wissenschaftsbereich etwas haben."

Zwei Exzellenzclusteranträge aus Schleswig-Holstein hatten die erste Vorrunde geschafft und waren mit 39 anderen in die Endausscheidung gekommen. Der zweite Clusterantrag "Entzündung an Grenzflächen" war jedoch heute nicht erfolgreich. Er war gemeinsam mit der Universität Lübeck beantragt und in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Borstel konzipiert worden.

Mit Blick auf das unterlegene Projekt Entzündungsforschung bekräftigte Minister Austermann seine Zusage, die daran beteiligten Wissenschaftlergruppen der Universitäten Kiel, Lübeck und des Forschungszentrums Borstel mit Mitteln aus dem Schleswig-Holstein-Fonds weiter zu unterstützen. Dieser Antrag habe trotz bester Erfolgsaussichten keinen Zuschlag erhalten. Zu den Beurteilungskriterien gab es in der hochkarätigen Runde von Wissenschaftlern und Ministern heftige Kritik an dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Wissenschaftsrat vorbereiteten Bewertungsverfahren. Austermann gab zu Protokoll, dass er für das Projekt "Entzündung an Grenzflächen" in der zweiten Runde im kommenden Jahr einen Bonus erwarte. Grund hierfür ist die hervorragende internationale Einstufung.

Professor Schmucker, Prorektor der Uni Lübeck: "Schade, dass unser Cluster nicht berücksichtigt werden konnte, und Glückwunsch an alle die, die es geschafft haben. Es tut mir vor allem für alle sehr leid, die einen Großteil ihrer Freizeit geopfert haben, um den Antrag zu stellen. Sie sind sehr weit gekommen, leider ist es dann anders ausgegangen. Aber, die Kolleginnen und Kollegen, die das Cluster vorbereitet haben, sollen wissen, dass durch sie die Infrastruktur für alle drei Standorte verbessert wurde und dass durch die Teilfinanzierung durch das Ministerium die Weichen in Richtung Entzündung trotzdem gestellt sind."

Das Netzwerk "Entzündung an Grenzflächen", das sich mit einer großen Ausstellung beim Tag der Einheit vorgestellt hat, wird die über die Einrichtungen hinweg geschaffenen Strukturen nutzen, um mit einem kondensierten Konzept das Thema gleichwohl zu bearbeiten.

Der Sprecher des Clusterantrages, Professor Stefan Schreiber, Uni Kiel, erläutert:
"Die drei Partner in der Entzündungsforschung sind mit dem Antrag sehr weit gekommen, der eigentliche Ausweis als exzellenter wissenschaftlicher Schwerpunkt für unser Land ist erfolgt, als wir die Vorrunde passiert haben. Wie wir wissen, waren die Benotungen für beide Clusteranträge sehr, sehr gut. Wir kommen jetzt mit unserem Thema als Netzwerk zum Zug. Es sind Strukturen über Fächergrenzen hinweg und zwischen verschiedenen Einrichtungen geschaffen worden, die wir jetzt nutzen werden. Diese Strukturen sind der eigentliche Erfolg der Initiative."

Auch der Rektor der Kieler Universität dankte für das Engagement der Wissenschaftler, die sich für den Antrag zum Entzündungscluster zusammengefunden haben. Er bekräftigte entschieden die weitere Stärkung der molekularen Biowissenschaften - nicht zuletzt durch das dieser Forschungsrichtung gewidmete Zentrum, für das ab 2007 auf dem Kieler Campus gebaut wird.

Alle in dieser Endrunde abgelehnten Cluster gehen automatisch in die Vorrunde der zweiten Antragsstaffel ein. Das heißt, gemeinsam mit zwei von der CAU vorbereiteten Anträgen auf Graduiertenschulen ist man mit "Entzündung an Grenzflächen" in der nächsten Entscheidungsrunde wieder dabei.

In der Förderlinie "Zukunftskonzepte" (in der Presse auch als Elite-Uni bezeichnet) hatte es keine Bewerbung aus Schleswig-Holstein gegeben.

Drei Fotos zum Thema stehen zum Download bereit:

Bild 1:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2006/2006-085-1.jpg
Bildunterschrift: Die Erforschung submariner Vulkane, hier Muschelbewuchs im Tonga-Inselbogen, gehört zu einem der Hauptaspekte des Exzellenzclusters "Ozean der Zukunft".
Foto: CAU

Bild 2:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2006/2006-085-2.jpg
Bildunterschrift: Besondere Aufmerksamkeit widmet das Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" der Erforschung mariner Ressourcen, hier ein Brocken Methanhydrat, das so genannte "Brennende Eis".
Foto: Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM/GEOMAR

Bild 3:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2006/2006-085-3.jpg
Bildunterschrift: Das Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" untersucht auch Organismen, die ohne Sauerstoff auskommen. Hier ein Nährboden im anaeroben Zelt.
Copyright: CAU, Foto: Jürgen Haacks

http://www.dfg.de
http://www.uni-kiel.de/wissenschaft/cluster-ozean.shtml

http://www.uni-kiel.de/wissenschaft/cluster-medi.shtml
Weitere Informationen: http://www.dfg.de http://www.uni-kiel.de/wissenschaft/cluster-ozean.shtml http://www.uni-kiel.de/wissenschaft/cluster-medi.shtml
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