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Preise der Wilhelm und Günter Esser Stiftung verliehen: Vier junge Forscher der RUB erhalten Stipendien

17.10.2006 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Die Promotionsprojekte der vier jungen Forscher, die mit den diesjährigen Stipendien der Wilhelm und Günter Esser Stiftung ausgezeichnet werden, könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Historiker Jens Adamski erforscht die Traditionen der deutschen Sozialforschung, der Sprachwissenschaftler Haris Mohammad die arabischen Übersetzungen von Günter Grass' Blechtrommel, die Mathematikerin Renata Condric untersucht Potenzreihen unter ganz bestimmten Regeln und die Chemikerin Katrin Schröder befasst sich mit effizienten Katalysatoren für die Methanolsynthese. Die vier Doktoranden erhalten durch die Esser-Stiftung eine finanzielle Unterstützung für die Fertigstellung ihrer Dissertationen. Bochum, 17.10.2006
Nr. 347

Sozialforschung, Übersetzung, Nanopartikel, Potenzreihen
Vier junge Forscher der RUB erhalten Stipendien
Preise der Wilhelm und Günter Esser Stiftung verliehen

Die Promotionsprojekte der vier jungen Forscher, die mit den diesjährigen Stipendien der Wilhelm und Günter Esser Stiftung ausgezeichnet werden, könnten unterschiedlicher nicht sein: Der Historiker Jens Adamski erforscht die Traditionen der deutschen Sozialforschung, der Sprachwissenschaftler Haris Mohammad die arabischen Übersetzungen von Günter Grass' Blechtrommel, die Mathematikerin Renata Condric untersucht Potenzreihen unter ganz bestimmten Regeln und die Chemikerin Katrin Schröder befasst sich mit effizienten Katalysatoren für die Methanolsynthese. Die vier Doktoranden erhalten durch die Esser-Stiftung eine finanzielle Unterstützung für die Fertigstellung ihrer Dissertationen.

Überbleibsel aus der Nazizeit

Jens Adamski (Fakultät für Geschichtswissenschaft, Betreuer: Prof. Dr. Klaus Tenfelde) widmet sich der Frage, welche Leitlinien die deutsche Sozialforschung nach 1945 vorangetrieben haben und welche Traditionen sich möglicherweise erhalten haben. Als beispielhafte Institution hat er die Sozialforschungsstelle Dortmund ausgewählt. Das Institut bearbeitete zwischen 1946 und 1969 in sieben bis zehn interdisziplinären Abteilungen 240 Forschungsprojekte, meistens als Auftragsforschung. In der Sozialforschungsstelle arbeiteten viele Forscher, die aufgrund ihrer Nazivergangenheit nicht mehr auf Lehrstühle berufen werden konnten. Sie führten teils ihre begonnen Projekte fort und prägten durch ihre Methoden auch nachfolgende Forschergenerationen. Die in der Sozialforschungsstelle ausgebildeten Wissenschaftler machten später Karriere und besetzten Lehrstühle in ganz Deutschland. Daher lässt sich an den erhaltenen Akten des Instituts die Geschichte der deutschen Sozialforschung gut verfolgen.

Blinde Kühe auf arabisch

Im Zentrum der Arbeit des ägyptischstämmigen Sprachforschers Haris Mohammad (Fakultät für Philologie, Betreuer: Prof. Dr. Hans-Rüdiger Fluck) steht der Roman "Die Blechtrommel" von Günter Grass. Mohammad nimmt drei arabische Übersetzungen unter die Lupe und untersucht vorrangig, wie die Übersetzer es versucht haben, Metaphern zu übertragen. Dieses Stilmittel stellt Übersetzer vor große Herausforderungen, denn sie setzen ein großes Vorwissen voraus, das Nicht-Muttersprachler nur schwer lernen können. Selbst wenn der Übersetzer die Metapher erkennt, ist es nicht einfach, sie für einen anderssprachigen Leser verständlich zu machen. So findet sich in einer arabischen Übersetzung etwa das Wortspiel "Der Tag spielt Blindekuh" wortwörtlich übersetzt (blinde Kuh), wodurch die eigentliche Bedeutung verloren geht.

Neue Regeln in mathematischen Berechnungen

Die Mathematikerin Renata Condric (Fakultät für Mathematik, Betreuer: Prof. Dr. Lothar Gerritzen) widmet sich so genannten Planaren Potenzreihen: Unendliche Zahlenfolgen, die unter ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten betrachtet werden. So gelten bei planaren Folgen zum Beispiel nicht die Regeln, dass Faktoren in Multiplikationen vertauscht werden oder Exponenten zusammengefasst werden dürfen. Auch eingeklammerte Rechenausdrücke dürfen nur auf ganz bestimmte Weise behandelt werden. Funktionen lassen sich in so genannten Wurzelbäumen darstellen und analysieren. Renata Condric versucht so, Gesetzmäßigkeiten für Planare Potenzreihen abzuleiten. Solche Berechnungen dienen etwa dazu, neue Verschlüsselungstechniken für die Sicherheit in der Informationstechnik zu entwickeln.

Effiziente Katalysatoren

Wie Rotwein sehen die Katalysatoren von Katrin Schröter (Fakultät für Chemie, Betreuer: Prof. Dr. Roland A. Fischer) aus: Sie erforscht die Eigenschaften nanoskaliger Kupfer- und Zinkoxidpartikel, die in der Methanolsynthese hilfreich sein können. In Form kleiner Partikel haben die Elemente ganz andere Eigenschaften als als Festkörper - auch eine andere Farbe. Außerdem vergrößert sich die Oberfläche sehr, was die katalytischen Eigenschaften begünstigt. Katalysatoren setzen bei Reaktionen die Bindungsenergie herab, so dass die Reaktionen bei geringeren Drücken und Temperaturen ablaufen können. Das birgt für die Industrie erhebliche Einsparpotentiale, denn Methanol dient als Ausgangsstoff für viele andere Chemikalien und wird in sehr großen Mengen hergestellt.


Weitere Informationen

Reinhard Zwink, International Post Graduate Center der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25484, E-Mail: reinhard.zwink@uv.rub.de

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