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Schlechtes Wetter zwingt Expeditionsteam der Hochschule für Technik Stuttgart in Grönland zu einer Nacht im Notzelt

19.10.2006 - (idw) Fachhochschule Stuttgart, Hochschule für Technik

Die Hochschule für Technik (HfT) Stuttgart betreibt ein eigenständiges Forschungsprojekt in Grönland. Seit 1991 zieht es Professor Dr.-Ing. Man-fred Stober von der HfT Stuttgart regelmäßig ins ewige Eis nach Grönland. Zusammen mit Assistenten und Diplomanden des Studiengangs Vermessung und Geoinformatik erforscht er dort die Fließgeschwindigkeit und Höhenänderungen von polaren Eismassen. Diesen Sommer ging es für die beiden Diplomanden Sabrina Baur und Stefan Reinhart unter der Leitung von Professor Dr.-Ing. Stober für 14 Tage ins ewige Eis. Ziel der Expedition war das Inlandeis Grönlands und der Küstenbereich des Städtchens Illulissat, um dort glazial-geodätische Messungen durchzuführen. 150 kg Gepäck wurde dazu in unzählige Transportkisten gepackt und per Luftfracht vorausgeschickt.

Das Hauptuntersuchungsgebiet liegt 80 km vom Westrand Grönlands entfernt auf dem Inlandeis in 1150 Meter Höhe, somit etwa an der sogenannten Gleichgewichtslinie. Von Illulissat zu den Messstationen auf dem Inlandeis wird das Expeditionsteam der HfT Stuttgart morgens per Hubschrauber hin und nachmit-tags zurück geflogen. Neben den Gerätschaften und etwas Proviant haben Sto-ber und sein Team auch immer ein Notzelt dabei. Dieses ist auf den insgesamt 9 Expeditionen in 15 Jahren noch nie zum Einsatz gekommen. Auf der diesjährigen Grönland-Expedition war es nun der Fall. Der Hubschrauber konnte wetterbedingt wegen schlechter Sicht nachmittags nicht mehr starten, um Stober und seine beiden Diplomanden wieder zurück zu fliegen. Für Stober, Baur und Reinhart hieß es nun, Notzelt auspacken und irgendwie die Nacht im ewigen Eis verbringen. Es war das erste Mal, dass ein Expeditionsteam der HfT Stuttgart diese Erfahrung machen musste. Erst am nächsten Tag gegen 13 Uhr kam dann endlich der ersehnte Hubschrauber. Ziemlich durchgefroren und vor allem nass, wegen ständigem Nieselregen, kamen die drei Expeditionsmitglieder wieder in ihrer Selbstverpfleger-Unterkunft in Illulissat an.

"Ein unvergessliches Erlebnis" resümiert Reinhart, als er sich wieder im Tro-ckenen und Warmen befand. "Es war eiskalt und sehr nass, aber eine tolle Er-fahrung" sagt auch Baur. Nach wie vor schwärmen sie von der Landschaft und den Eindrücken, die diese Expedition bei Ihnen hinterlassen hat. Wieder gesund zurück und um eine unvergessliche Erfahrung reicher, schreiben Reinhart und Baur nun Ihre Diplomarbeit im 8. Semester an der HfT Stuttgart. Dabei geht es natürlich um die Fließgeschwindigkeit und Höhenänderungen von polaren Eismassen.

Stober von der HfT Stuttgart leistet mit seinen Grönland-Expeditionen einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Inlandeises. Bereits 1968 nahm er an einer internationalen glazialen Grönland-Expeditionen teil. Seit 1991 hat Stober sein Messfeld eigenständig aufgebaut. Nach einer Anfangsfinanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft werden die Expeditionen jetzt noch un-terstützt vom Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremer-haven, sowie vom Josef-von-Egle-Institut und der Fakultät Vermessung, Infor-matik und Mathematik der HfT Stuttgart. Die Ergebnisse dienen der Entwicklung von Eis-Klima-Modellen sowie der Kontrolle von flächendeckenden Fernerkun-dungsverfahren. Das Forschungsprojekt steht in Zusammenhang mit CIRES, der Universität Boulder (USA) und der NASA. Aktuell kann ein Abschmelzen der Eismassen um ca. 20 cm pro Jahr festgestellt werden. Dieser Wert bestätigt den Trend der letzten Jahre. Allerdings gab es auch schon Messungen von 80 cm pro Jahr bedingt durch außergewöhnlich hohe sommerliche Temperaturen.

Weitere Informationen: http://manfred.stober@hft-stuttgart.de http://www.hft-stutgart.de/VermessungGeoinformatik/personal/Professoren/ http://priv/stober/VermessungGeoinformatik/personal/Professoren/priv/stober/projekte
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