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"Social Medicine, Medical Geography, and Health Care for Indigenous People"

15.11.2006 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Kuczynskis "Ethnische Pathologie" als thematischer Ausgangspunkt für internationale Tagung vom 24. bis 26. November in Gießen

Eine internationale Tagung zum Thema "Social Medicine, Medical Geography, and Health Care for Indigenous People" veranstaltet das Institut für Geschichte der Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen in Zusammenarbeit mit dem Departamento de Salud y Sciencias Sociales der Universidad Peruana Cayetano Heredia in Lima (Peru) vom 24. bis 26. November 2006 in Gießen. Dabei wird die Geschichte medizinischer Ansätze zur Erforschung ethnisch-kultureller, sozialer und geographisch-ökologischer Aspekte von Krankheit thematisiert. Veranstaltungsort ist der Georg-Büchner-Saal der Alten Universitätsbibliothek (Bismarckstraße 37, 35390 Gießen). Thematischer Ausgangspunkt der Tagung ist der 1925 von dem deutsch-peruanischen Mikrobiologen, Pathologen und Sozialmediziner Max H. Kuczynski (ab 1936: Maxime Kuczynski-Godard, Berlin1890 - Lima 1967) erstmals erwähnte Forschungsansatz einer "ethnischen Pathologie". Dieser sollte eine differenzierte Erfassung sowohl biologischer als auch ethnisch-kultureller, sozialer und geographischer Einflussfaktoren auf Verbreitung, Verlauf, Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten ermöglichen. Dabei wandte sich Kuczynski stets eindeutig gegen den Begriff "Rasse" als wissenschaftlicher Kategorie. In den 20-er Jahren führte er selbst als Professor für Pathologie an der Berliner Charité entsprechende Forschungen in Russland, der Mongolei und China durch. Nach 1933 und seiner Emigration nach Lateinamerika war er mehrere Jahrzehnte im amazonischen Tiefland und den Anden Perus tätig und untersuchte dort unter anderem die Auswirkung von sozialem, wirtschaftlichem und kulturellem Wandel auf die Gesundheit indigener Bevölkerungsgruppen.

Historisch greift die "ethnische Pathologie" Kuczynskis wissenschaftliche Ansätze aus Medizin und Ethnologie des 19. und frühen 20. Jahrhundert auf. Mit Blick auf die Gegenwart geben dieser und vergleichbare Ansätze aus anderen zeitlichen und/oder regionalen Kontexten Anregungen zur kritischen Reflexion über das Potenzial und die Grenzen der im Laufe des 20. Jahrhundert etablierten Theorien und Methoden zum Umgang mit soziokultureller Vielfalt in der Medizin. Unter anderem werden heute weitgehend als selbstverständlich angenommene Grenzen zwischen wissenschaftlichen Disziplinen - zum Beispiel Medizin einerseits sowie Geistes- und Kulturwissenschaften andererseits - in Frage gestellt.

Auf der Tagung sollen darüber hinaus der internationale und transkulturelle Transfer wissenschaftlicher Ansätze aus den westlichen Industrienationen in Länder und Regionen außerhalb der industrialisierten Welt untersucht werden: Besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf Prozessen lokaler Anpassung und Modifikation unter sich wandelnden sozialen, kulturellen und politischen Bedingungen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung kommen aus den Bereichen Geschichte und Medizingeschichte, Medizinethnologie, Medizinische Geographie und Innere Medizin/Public Health mit Referenten aus Deutschland, England, Spanien, Schweiz, Kanada, den USA, Brasilien, Peru und Zimbabwe. Die Arbeitssprache ist Englisch. Die Veranstaltung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.


Kontakt:

Dr. Michael Knipper,
Institut für Geschichte der Medizin,
Jheringstraße 6, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-47706,
E-Mail: Michael.Knipper@histor.med.uni-giessen.de
Weitere Informationen: http://www.med.uni-giessen.de/histor/conf_ep_welc.htm
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