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Wie wird die Fremde zur Heimat?

15.11.2006 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Zwei Symposien an der Universität Jena beleuchten Situation junger Migranten in Deutschland und Israel - Beginn am 21. November Jena (15.11.06) In den Kriminalstatistiken findet man sie überdurchschnittlich häufig - jugendliche Immigranten. Die Gründe dafür sind zwar oft die gleichen wie bei einheimischen Jugendlichen, etwa der Kontakt zu delinquenten Gleichaltrigen, unstrukturierte Freizeitaktivitäten oder eine geringe Bindung an das Elternhaus. "Zusätzlich haben Migranten jedoch oft schlechtere Startbedingungen als Einheimische, sind häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen und tragen spezifische Risikofaktoren, wie erlebte Diskriminierung", weiß Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Der Inhaber des Lehrstuhls für Entwicklungspsychologie hat gemeinsam mit jenaer und israelischen Kollegen gerade ein Forschungsprojekt abgeschlossen, das die Anpassungsschwierigkeiten jugendlicher Aussiedler und russischer Juden untersucht hat, die mit ihren Familien aus den ehemaligen Sowjetrepubliken nach Deutschland bzw. Israel einwanderten. Über 4 000 Jugendliche haben die Psychologen dazu befragt. Zwischen 2001 und 2005 gaben die Befragten im jährlichen Abstand Auskunft über eine Vielzahl von Sachverhalten, wie ihren familiären Hintergrund, schulische Leistungen, den Freundeskreis oder alltägliche Schwierigkeiten, aber auch hinsichtlich delinquenter Aktivitäten und des Konsums von Alkohol, Zigaretten und Drogen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung werden Prof. Silbereisen und andere Forscher der "Jena-Haifa Research Group" während des internationalen Symposiums "Social and Cultural Adaption of Diaspora Immigrants" präsentieren. Vom 23. bis 25. November lädt die Friedrich-Schiller-Universität dazu in die Rosensäle (Fürstengraben 27) ein. Zu den in englischer Sprache gehaltenen Vorträgen am 24. und 25. November sind auch interessierte Laien herzlich willkommen. Beginn ist jeweils 9.00 Uhr.

Bereits am 21. November startet an gleicher Stelle das Symposium "Biografic Transitions of Immigrants: Education, Family, Occupation". Damit stellt sich der vor wenigen Monaten gegründete neue Deutsch-Israelische Forschungsverbund "Migration und gesellschaftliche Integration" vor, an dem sich neben Prof. Silbereisen und seinem Team auch Forschergruppen aus Chemnitz, Bielefeld, Leipzig, Mannheim, Haifa und Tel Aviv beteiligen. "Anders als in dem abgeschlossenen Forschungsprojekt zu Anpassungsschwierigkeiten sollen dabei vor allem positive Entwicklungen von Einwanderern im Mittelpunkt stehen, und zwar im Vergleich von verschiedenen ethnischen Gruppen in den beiden Ländern", so Prof. Silbereisen. Der Entwicklungspsychologe, der auch das an der Jenaer Universität angesiedelte Center for Applied Developmental Science (CADS) leitet, koordiniert den neuen Forscherverbund.

Mit dem gemeinsamen Vorhaben wolle man vor allem biografische Übergänge untersuchen. "Das kann beispielsweise der Eintritt in den Kindergarten oder die Grundschule bzw. der Übergang von einer Partnerschaft in die Ehe sein", erklärt Dr. Elke Schröder. "Wir wollen herausfinden, welche Immigranten diese Übergänge gut meistern und wodurch ihnen das gelingt", sagt die Psychologin der Universität Jena, die die beiden Symposien organisiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den neuen Forschungsverbund in den kommenden drei Jahren mit insgesamt drei Millionen Euro. Mehr als eine Million davon fließen an die Jenaer Universität. Weitere Projekte sind vorgesehen.

Zwei Vorträge des Symposiums "Biografic Transitions of Immigrants: Education, Family, Occupation" stehen auch der interessierten Öffentlichkeit offen: So spricht am 22. November um 11.30 Uhr Dr. Louis André Vallet vom französischen Centre National de la Recherche Scientifique über "Schullaufbahnen von Immigrantenkindern im französischen Bildungssystem". Um 14.30 Uhr folgt der Vortrag von Prof. Dr. Donald Hernandez von der University at Albany im US-Bundesstaat New York zum Thema "Immigrantenkinder im Amerika des 21. Jahrhunderts". Beide Vorträge werden in englischer Sprache gehalten.


Interessenten, die an einem der beiden Symposien teilnehmen möchten, werden um vorherige telefonische Anmeldung unter: 03641 / 945207 gebeten.

Kontakt:
Prof. Dr. Rainer K. Silbereisen / Dr. Elke Schröder
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 / Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945200, 03641 / 945207
E-Mail: elke.schroeder[at]uni-jena.de

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