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Apokalyptik - Zeitgefühl mit Perspektive?

16.11.2006 - (idw) Universität Augsburg

"Interdisziplinären Tage" der Augsburger Katholisch-Theologischen Fakultät vom 20. bis zum 22. November 2006
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(B.L.) - Wann bricht das Ende an? Der 11. September, Drohungen aus dem Iran oder das neu einsetzende atomare Wettrüsten schüren die Ängste vieler Menschen vor einem nahen Ende. Dieses Zeitgefühl haben Studierende der Augsburger Katholisch-Theologischen Fakultät aufgegriffen, um sich mit "Apokalyptik" auseinandersetzen. Den Rahmen für diese Auseinandersetzung bilden vom 20. bis zum 22. November die diesjährigen "Interdisziplinären Tage" (IDT). Sie werden alle zwei Jahre von Studierenden und Dozent/inn/en der Theologischen Fakultät veranstaltet und stehen 2006 unter dem Titel "Apokalyptik - Zeitgefühl mit Perspektive?". Die Organisatoren konnten zwölf namhafte Referentinnen und Referenten gewinnen, so etwa die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die zum Ende der DDR referieren wird; oder Wolfgang Günter Lerch von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der über den iranischen Präsidenten sprechen wird. Das Programm der "Interdisziplinären Tage" beginnt am kommenden Montag um 13.30 Uhr, es wird am Dienstag von 9.00 bis 18.00 Uhr fortgesetzt und endet am Mittwoch gegen 18.00 Uhr. Anschließend werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Augsburger Bischof in der Pfarrkirche "Zum guten Hirten" (Salomon-Idler-Straße) einen Gottesdienst feiern (Beginn 18.30 Uhr), ab 19.45 Uhr klingt das Programm der diesjährigen "Interdisziplinären Tage" schließlich bei einer Info-Steh-Party im Haus Edith Stein (Hermann-Köhl-Straße) aus. Alle Vorträge und Diskussionsrunden finden im Hörsaalzentrum (Universitätsstraße 10) statt. Auch in diesem Jahr werden die IDT vom bayerischen Kultusministerium wieder als Lehrerfortbildung anerkannt. "Mit der Jahrtausendwende vollzog sich im gesellschaftlichen Bewusstsein eine Zäsur", so der Sprecher der KThF-Studierenden, Peter Schneider, der den 11. September und den Islamismus als mögliche Ursachen für ein apokalyptisches Zeitgefühl im Westen nennt. Reden des amerikanischen Präsidenten böten oft nur zwei Möglichkeiten: entweder der Westen gewinnt oder aber er geht unter. Dem IDT-Vorbereitungsteam, dem neben einem halben Dutzend Studierenden die Dogmatikerin Prof. Dr. Gerda Riedl und der Philosoph Prof. Dr. Manfred Negele angehören, war unter dieser Prämisse von Anfang an klar: Die nicht-theologischen Beiträge der IDT 2006 sollen Einblicke in weltliche Untergangsszenarien geben. Wolfgang Günter Lerch, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für den Nahen Osten, hat zugesagt, Einflüsse apokalyptischer Vorstellungen auf den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zu erläutern. "Der sich zunehmend verschärfende Konflikt zwischen den Zielen der islamischen Welt und den sogenannten Industrienationen zeigt die aktuelle Brisanz unseres diesjährigen IDT-Themas", erläutert Gerda Riedl ihre Idee, den FAZ-Korrespondenten einzuladen.

IM GESPRÄCH MIT POLITOLOGIE, SOZIOLOGIE UND DEN HISTORISCHEN WISSENSCHAFTEN

Nachdem die Theologie während der IDT 2004 zum Thema Weltentstehung das Gespräch mit den Naturwissenschaften gesucht hatte, sind in diesem Jahr die Politologie und die Soziologie die primären Gesprächspartner. Ganz bewusst, so Riedl, hätten die Veranstalter aber auch Zeitzeugen sowie Vertreter der historischen Wissenschaften eingeladen. Denn unterschiedliche Geschichtsentwürfe, begründet Negele, seien Indiz dafür, dass der Mensch seine Identität suche. Apokalyptisches Denken sei jedoch eine Sonderform geschichtlichen Denkens, insofern die Rede vom Ende immer Geschichte voraussetze. Besonders erfreut sind die Veranstalter in diesem Zusammenhang über die Zusage von Bärbel Bohley, der ehemaligen Mitbegründerin der DDR-Bürgerinitiative "Neues Forum", das geschichtliche Ende der DDR zu thematisieren. Mit apokalyptischen Deutungsmustern im Nationalsozialismus wird sich Klaus Vondung beschäftigen, Ingolf Ahlers bringt mit einem Vortrag über "Das Diskursfeld 'Apokalypse'" die sozialwissenschaftliche Sicht ein.

SPEZIFISCH CHRISTLICHES APOKALYPTIKVERSTÄNDNIS

Die theologischen Referate werden die Suche des Menschen nach Identität aufgreifen, sie werden den Beiträgen aus Soziologie, Politikwissenschaft und Zeitgeschichte antworten und das spezifisch christliche Apokalyptikverständnis in die Diskussion einbringen. Mit diesem christlich-jüdischen Verständnis vom Ende werden sich die Theologen Jürgen Manemann, Klaus Arntz, Franz Sedlmeier, Jürgen Werlitz, Petar Vrankic und Johannes Frühbauer sowie die beiden Organisatoren Gerda Riedl und Manfred Negele aus unterschiedlichen Perspektiven auseinandersetzen. "Wir wollen zeigen: das sind nicht nur die Spinner von der Theologie!", meint Negele.

ZEITGEFÜHL MIT HOFFNUNGSVOLLER PERSPEKTIVE

Riedl kann sich "einen Weltuntergang ohne eine darüber hinaus gehende Perspektive" schwerlich vorstellen, und Klaus Arntz, der Dekan der Augsburger Katholisch-Theologischen Fakultät umschreibt den Unterschied zwischen christlichem Glauben und säkularen Untergangsideen so: "Trotz der vermeintlich bedrohlichen Rhetorik, die man mit dem Wort Apokalyptik verbinden könnte, verbirgt sich dahinter tatsächlich ein Zeitgefühl mit hoffnungsvoller Perspektive." Dadurch, dass die Theologie von Schöpfung spreche, ergänzt Negele, "liegt auch das Ende in den Händen des Schöpfers." Dieser Glaube habe Auswirkungen auf jeden Einzelnen, und gesellschaftliche Prozesse wiederum würden von den Einzelnen bestimmt: "Da apokalyptische Strukturen eine Wirkmacht haben, können Sie entweder die Hoffnung rauben oder aber eine Perspektive vermitteln." Riedl setzt auf die Möglichkeit der Perspektivenvermittlung: "Wir würden uns freuen, wenn unter den Besuchern der Interdisziplinären Tage 2006 ein Problembewusstsein und ein positiver Umgang mit der jüdisch-christlichen Apokalyptik entstünde."
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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Bernhard Ledermann
berni83@web.de
Telefon 0176/23344153
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ANHANG I: DAS PROGRAMM

Montag, 20. November 2006

13.30 Begrüßung
14.00 - 14.45 Prof. Dr. Klaus Vondung: Apokalyptische Deutungsmuster im Nationalsozialismus
15.00 - 15.45 Prof. Dr. Ingolf Ahlers: Das Diskursfeld "Apokalypse" aus sozialwissenschaftlicher Sicht
16.15 - 17.00 Prof. Dr. Klaus Arntz: "Ich will nicht ins Paradies". Ethische Implikationen einer apokalyptischen Weltdeutung
17.00 - 18.00 Diskussion

Dienstag, 21. November 2006

9.00 - 9.45 Wolfgang Günter Lerch: Einflüsse apokalyptischer Vorstellungen auf islamische Politiker am Beispiel des iranischen Präsidenten
10.15 - 11.00 Dr. Johannes Frühbauer: Apokalyptische Vorstellungen in den abrahamitischen Religionen. Konvergenzen und Divergenzen zwischen Judentum, Christentum und Islam
11.00 - 11.45 Diskussion
14.00 - 15.00 Bärbel Bohley: Über das Ende der DDR - aus der Perspektive einer Zeitzeugin (anschließend Diskussion)
15.30 - 17.15 Vorführung des Films "Das siebente Siegel" von Ingmar Bergman
17.15 - 18.00 Diskussion

Mittwoch, 22. November 2006

9.00 - 10.00 Prof. Dr. Jürgen Manemann: "Zeit und Frist" - Theologisch-politische Reflexionen zur Apokalyptik (anschließend Diskussion)
10.30 - 11.15 Prof. Dr. Franz Sedlmeier: "Gottes Kampf gegen Gog aus Magog. Ezechiel und die Anfänge der Apokalyptik (im Alten Testament)
11.15 - 12.00 Prof. Dr. Jürgen Werlitz: Zeitgefühl, Anamnesis oder beides? Die Petrus-Apokalypse als Relecture und biblische Auslegung
14.00 - 14.45 Prof. Dr. Gerda Riedl: Ankommende Zukunft. Frühjüdischer Horizont christlichapokalyptischen Denkens
15.00 - 15.45 Prof. Dr. Petar Vrankic: Mittelalterliche Apokalyptik am Beispiel von Joachim von Fiore
16.15 - 17.00 Prof. Dr. Manfred Negele: Überlegungen zu Rorty, Richard und Vattimo, Gianni: Die Zukunft der Religion
17.00 - 18.00 Diskussion
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ANHANG II: ZUM ANSPRUCH UND KONZEPT DER REIHE "INTERDISZIPLINÄRE TAGE"

Die Interdisziplinären Tage (IDT) sind eine studentische Initiative. Studierende der Katholisch-Theologischen Fakultät versuchen hier, Diskussionsraum für interdisziplinäre und aktuelle Probleme zu schaffen. Dabei soll der Bezug und die Anwendbarkeit der Theologie auf Themen der aktuellen Politik und gesellschaftlichen Entwicklung herausgestellt werden. Die IDT sollen das universitäre Studium auf einem möglichst hohen und professionellen Niveau ergänzen.

Euthanasie, Krankheiten, Biotechnik, Globalisierung, Terrorismus etc. sind Bereiche, die den Menschen vor neue Herausforderungen stellen. Gleichzeitig werfen diese Themen aber Fragen auf, auf die es nicht immer eine klare Antwort gibt. Kirche und Theologie müssen sich heute solchen Fragen stellen und Position beziehen. Sie sollen offen die neuen Herausforderungen annehmen und gleichzeitig Impulse für einen gesellschaftlichen Diskurs geben. Mit den IDT wollen sich die Studierenden der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg dieser Aufgabe stellen und versuchen, Antworten zu finden.

Die IDT setzen sich mit Themen auseinander, die Christen beschäftigen. Seit mehr als 20 Jahren gehören die IDT gewissermaßen als "Markenzeichen" zur Augsburger Katholischen Theologie. Die Themen der IDT werden stets von den Studierenden gewählt. Sie orientieren sich an aktuellen Fragestellungen.

Dem christlichen Auftrag, über Begeisterndes Kenntnis zu geben, gemäß, sind die IDT ist seit jeher christlicher Auftrag. Die IDT für alle Interessierten offen, die sich auf essentielle Fragen der Gegenwart objektiv kritisch einlassen wollen. Lehrerinnen und Lehrern bieten die IDT die Möglichkeit, Erfahrungen und Anregungen für den Schulalltag zu sammeln und die eigenen fachspezifischen Kenntnisse zu erweitern.

Die Vorträge und Diskussionen der IDT werden in Form von Sammelbänden jeweils in einer eigenen Reihe dokumentiert und publiziert, um sie einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen.
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ANHANG III: ZITATE ZU DEN "INTERDISZIPLINÄREN TAGEN"

Prof. Dr. Klaus Arntz, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät:

"Die IDT dokumentieren die interdisziplinäre Dialogbereitschaft und -fähigkeit der Theologie."

"Die IDT sind seit Jahren ein Beweis für das gelungene Miteinander zwischen Studierenden und Lehrenden an der Fakultät."

"Trotz der vermeintlich bedrohlichen Rhetorik, die man mit dem Wort Apokalyptik verbinden könnte, verbirgt sich dahinter tatsächlich ein Zeitgefühl mit hoffnungsvoller Perspektive."

"Die IDT - und das ausgewählte Thema - verdeutlichen den Aktualitätsbezug und die Zukunftsfähigkeit der Theologie sowie deren Notwendigkeit im wissenschaftlichen Diskurs."

Prof. Dr. Gerda Riedl:

"Wir gaben den Interdisziplinären Tagen den Titel 'Apokalyptik - Zeitgefühl mit Perspektive?', um deutlich zu machen, dass sich das spezifisch christliche Apokalyptikverständnis vom säkularen Verständnis erheblich unterscheidet."

"Nach dem säkularen Verständnis meint Apokalyptik einen Untergang ohne eine darüber hinausgehende Zukunftsperspektive. Im jüdisch-christlichen Horizont wurde Apokalyptik immer als eine Zeit der Bedrängnis verstanden, in der jedoch auch das rettende Eingreifen eines als geschichtsmächtig erfahrenen Gottes erwartet werden darf."

"Seit der Erfindung der Atomwaffen sind wir der möglichen Realisierung eines von uns inszenierten Untergangs einen großen Schritt näher gekommen."

Prof. Dr. Manfred Negele:

"Intention der Interdisziplinären Tage ist es, das Gespräch mit anderen Wissenschaften zu führen."

"Wir hoffen, dass die Theologie nicht nur bei einer düsteren Analyse stehen bleibt, sondern eine Hoffnung vermittelt über die Weltuntergangsstimmung hinaus."

Peter Schneider, Theologiestudent und Studierendenvertreter:

"Die Referenten sind eine richtig gute Auswahl. Es sind Menschen aus der Erfahrung, die eine Umbruchsituation schon einmal miterlebt haben, ebenso dabei, wie ausgewiesene Experten. Jürgen Manemann zum Beispiel versucht, die Brisanz des Christentums für die Demokratie herauszustellen. Die Referenten beleuchten die verschiedenen Facetten und auch die theologischen Schärfen des B
Weitere Informationen: http://www.idt-augsburg.de http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2004/pm2004_158.shtml http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2002/pm2002_123.shtml http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/2000/pm2000_094.shtml http://www.presse.uni-augsburg.de/unipressedienst/1998/pm1998_073.shtml

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