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Bremer Wirtschaft und Wissenschaft dabei, wenn aus Nano-Visionen Wirklichkeit wird

17.11.2006 - (idw) VDI Technologiezentrum GmbH

"Gute Ideen, viel Potenzial, großer Markt": Erfolgreicher Auftakt zu Ideenwettbewerb "Nanotechnologie" in Bremen / Land fördert hoffnungsvolle Vorhaben Bremen. Die Visionen der Nanotechnologen werden noch immer gerne ins Reich der Fabeln und Märchen verwiesen. Dabei arbeiten Forscher und Entwickler in Wirtschaft und Wissenschaft schon lange daran, aus diesen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen - auch in Bremen. Eindrucksvoll belegten das gestern Wissenschaftler und Unternehmer während der Auftaktveranstaltung zum Ideenwettbewerb "Innovation durch Nanotechnologie im Land Bremen". Eingeladen hatte die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG). Immerhin geht es um einen Markt, der Schätzungen zufolge schon im Jahr 2015 weltweit tausend Milliarden US-Dollar betragen soll.

Mit nahezu einhundert Teilnehmern hatte die Veranstaltung der BIG eine unerwartet große Resonanz und spiegelte den hohen Bedarf an Kommunikation und Information zum Thema Nanotechnologie in Bremen wider. "Wir haben den Bedarf wahrgenommen und wollen Drehscheibe für gemeinsame Lösungen sein", sagte Dr. Detlef Pukrop, Innovationsmanager der BIG. Im Land Bremen gebe es ein hohes Potenzial im Bereich der Nanotechnologie, und das gelte es zu nutzen. Dies bestätige auch eine Umfrage unter 561 Bremer Unternehmen, die das Technologiezentrum des Vereins der Deutschen Ingenieure (VDI) im Sommer dieses Jahres für die BIG durchgeführt hat.

In seinem Vortrag zu Ausgangslage und Perspektiven des Nanotechnologie-Standortes Bremen stellte Christoph Glauner vom VDI Technologiezentrum die Ergebnisse der Studie vor: Bereits 19 Bremer Unternehmen und Forschungsinstitutionen arbeiten erfolgreich auf dem Gebiet der Nanotechnologie, und weitere 20 Unternehmen sind daran interessiert oder planen den Einstieg in diese Zukunftstechnologie. Gemessen an der Einwohnerzahl ist Bremen nach der so genannten "Nano-Stadt" Dresden und München der aktivste Standort in Deutschland. Einen Branchenschwerpunkt lässt die Studie nicht erkennen. "Alle Unternehmen sind aufgefordert, sich mit dieser Schlüsseltechnologie auseinanderzusetzen!", sagt Pukrop.

Zwar stehe Bremen im nationalen Vergleich gut da und biete gute Voraussetzungen, sagt Glauner, aber die Studie lasse auch noch einigen Handlungsbedarf erkennen. Grundlegende Chancen dazu bestehen in einer besseren Kommunikation zwischen Unternehmen und Wissenschaft. Dazu Pukrop: "Hier versteht sich die BIG als Mittler."

Tiefere Einblicke in die Nanotechnologie selbst lieferte der Physiker Dr. Gerd Bachmann vom VDI Technologiezentrum. Die Nanotechnologie beschäftigt sich mit dem Kleinsten, arbeitet auf atomarer Ebene, und bewirkt dabei Großes. In dieser Größenordnung wechseln die physikalischen Eigenschaften. Ein bekanntes Phänomen zeigt sich beim Blattgold. Auf dünnste Schichten reduziert, wechselt das Edelmetall seine Farbe und wird rot. Hier wurde klar: Effekte auf der Ebene einzelner Atome führen zu völlig neuen Funktionalitäten von Materialien und Oberflächen, was völlig neue Anwendungen ermöglicht. Bachmann berichtete über den Entwicklungsstand und die Trends der Nanotechnologie. Neben manchem "Gimmick" wie die aus einzelnen Atomen geschriebenen Firmenlogos gebe es auch sinnvolle Anwendungen zum Beispiel in der Medizin und der Materialforschung.

Professor Dr. Bernd H. Günther arbeitet im Themenfeld "Nanomaterialien". Der Projektleiter am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) und Professor an der Universität Dortmund stellte die Anwendungsschwerpunkte vor, die zur Zeit im IFAM bearbeitet werden. Dazu gehören das Drucken von sehr feinen, leitfähigen Strukturen ebenso wie Brandschutz-Polymere, dünnste Beschichtungen für den Korrosionsschutz und leitfähige Klebstoffe für das Kleben unter Wasser. Und das oftmals von der Natur abgeschaut und unter Einsatz von Nanopartikeln. Das IFAM bietet spezielle Basis-Technologien sowohl zur Synthese als auch zur Verarbeitung an, die auf den jeweiligen Anwendungsfall zugeschnitten werden können.

Schon so einige der Entwicklungen aus den IFAM-Laboren haben zu recht erfolgreichen Unternehmensgründungen geführt. Das zeigte Kai Lampe von der BIO-Gate AG in seinem Vortrag über antibakteriell wirksame Oberflächen. "Im Kampf gegen Keime ist Silber Gold wert" überschrieb jüngst das Magazin "Wirtschaft in Bremen" ein Portrait des jungen Unternehmens. Es hat sich darauf spezialisiert, Materialien und Oberflächen in allen Bereichen des Alltags durch Silber-Nanopartikel gegen Bakterien- und Pilzbefall zu schützen.

Vor sechs Jahren wurde die BIO-Gate AG von ehemaligen Wissenschaftlern des IFAM und der Universität Erlangen gegründet. Sie hat ihren Sitz in Nürnberg und eine Niederlassung in Bremen. Produziert wird unter anderem im Technologiepark. Die BIO-Gate AG hat inzwischen 23 Mitarbeiter. Einer der ersten war Kai Lampe. Mit seinem Vortrag "Antimikrobiell wirksame Nanopartikel" gab der Chemie-Ingenieur einen lebendigen Einblick in das weltweit agierende Unternehmen. Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeigten nicht nur ein hohes Interesse an dem Unternehmen, sondern auch an seinen Produkten und den vielfältigen Anwendungen.

Der nächste Referent brachte seine Fragen gleich mit. Dr. Adalbert Lossin, Geschäftsführer der CIS Solartechnik GmbH, überraschte das Publikum mit seinem offen ausgesprochenen Wunsch nach einer Kooperation. In seinem Bericht "Entwicklung von CIS Dünnschichtsolarzellen - Anknüpfungspunkte zur Nanotechnologie" erläuterte er den Aufbau der CIS-Solarzellen und zeigte auf, wo der Herstellungsprozess mit Hilfe der Nanotechnologie optimiert werden könne. Er sieht in der neuen Technologie eine Option für die Zukunft. "Täglich liefert uns die Sonne den weltweiten Energiebedarf von acht Jahren", sagte Lossin. Die Solartechnik sei eine der Schlüsseltechnologien der künftigen Energieversorgung. Und die Nanotechnologie sei eine weitere Schlüssetechnologie auf dem Weg, Sonnenenergie wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Reges Interesse auch bei dem Vortrag von Dr. Barbara Schieferstein (BIG): Hier ging es um die Möglichkeiten, aus Ideen für Nanotechnologie-Projekte mit Hilfe finanzieller Unterstützung aus den Töpfen des Landes Wirklichkeit werden zu lassen. Schieferstein erläuterte die Förderbedingungen im Land Bremen und das Vorgehen zur Antragstellung. Projekte mit einer Laufzeit von 12 bis 18 Monaten können mit bis zu 250.000 Euro gefördert werden. Besonders gern gesehen sind Verbundprojekte von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Wer in den Genuss dieser Unterstützung kommen möchte, braucht gute Ideen und muss sich ranhalten, denn die Einsendefrist für Projektskizzen ist der 22. Januar 2007.

Das abschließende Get Together in Sachen 'nano' entsprach den Erwartungen der Veranstalter. Hier trafen sich Bremer Nano-Akteure, die bis dahin nicht voneinander wussten, dass sie mit Nanotechnologie zu tun haben. Pukrop erfreut: "Ich denke, hier haben sich heute einige künftige Partner gefunden."

(Sabine Nollmann und Richard Verhoeven)

Weitere Informationen und Ansprechpartner:

http://www.big-bremen.de (Aktuelles - Ausschreibungen)

Dr. Detlef Pukrop (Innovationsmanager)
Telefon: 0421 96 00-346
E-Mail: detlef.pukrop@big-bremen.de

Presse-Kontakt: Juliane Lübker, BIG Bremen - Die Wirtschaftsförderer, Telefon 0421 9600 128, juliane.luebker@big-bremen.de.


Unter der Marke BIG Bremen - Die Wirtschaftsförderer trägt die Bremer Investitions-Gesellschaft mbH (BIG) als zentrale Einrichtung des Landes Bremen für Landesentwicklung und Wirtschaftsförderung wesentlich zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes sowie zur Sicherung und Schaffung neuer Arbeitsplätze in Bremen bei. Weitere Informationen unter http://www.big-bremen.de.
Weitere Informationen: http://www.big-bremen.de/de/pressefotos - Fotos zum Herunterladen
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