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Minister Pinkwart setzt ersten Spatenstich

17.11.2006 - (idw) Universitätsklinikum Essen

Westdeutsches Protonentherapiezentrum Essen (WPE):
Innovative Therapie gegen Krebs - Größtes PPP-Projekt deutschlandweit

Der Bau des Westdeutschen Protonentherapiezentrums Essen (WPE) beginnt, der erste Spatenstich ist gesetzt. Diese symbolische Aufgabe übernahm heute der Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie Prof. Dr. Andreas Pinkwart. Innerhalb von drei Jahren wird nun auf dem Gelände des Universitätsklinikum Essen das deutschlandweit größte Public-Private-Partnership Vorhaben im Gesundheitswesen verwirklicht. Bereits in drei Jahren können die ersten Patienten mit Protonen bestrahlt werden - eine neuartige und innovative Behandlungsform in der Krebstherapie, die in Deutschland bisher ausschließlich in der Forschung zum Einsatz kommt. "Von der ersten Idee bis zum Baubeginn in drei Jahren - das ist rekordverdächtig", freut sich der Kaufmännische Direktor des Universitätsklinikum Essen und ergänzt: "Zusammen mit unseren Partnern aus der Wirtschaft gehen wir neue Wege in der Krankenhausfinanzierung. Mit dem Pub-lic-Private-Partnership-Modell haben wir ein innovatives Finanzierungsmodell geschaffen, das uns die Chance gibt, trotz fehlender staatlicher Investitionen in die Zukunft des UK Essen zu inves-tieren." Rund 140 Millionen Euro kostet der neue Bau, der im Süd-Westen des Universitätsklinikums entsteht. Benötigt werden dafür allein 17. 000 Kubikmeter Beton und 21.000 Tonnen Stahl; außerdem fallen 26.000 Kubikmeter Erdaushub an.
"Das Universitätsklinikum Essen wird mit dem WPE zu einer ersten Adresse bei der Behandlung von Krebserkrankungen in Deutschland. Das Therapiezentrum ist Ausdruck der Innovationskraft unseres Landes und ein gutes Signal für NRW auf dem Weg zum Innovationsland Nummer 1", lobte Pinkwart das Projekt und dankte den beteiligten Partnern.

Von der Planung bis zum laufenden Betrieb

Für Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb des Therapiezentrums ist die STRIBA Protonenthera-piezentrum Essen GmbH verantwortlich - eine eigens gegründete Objektgesellschaft der STRABAG Projektentwicklung GmbH, Köln, und der IBA Ion Beam Applications S.A., Belgien. Sie vermietet die Protonenanlage für 15 Jahre an das Universitätsklinikum Essen. Danach geht der Besitz an das UK Essen über. "IBA und STRABAG haben mit dem Vertragsabschluss nicht nur die Verpflichtung zur schlüsselfertigen Lieferung des Gebäudes inklusive aller Einbauten und medizinischen Anla-gen sowie den nicht-medizinischen Betrieb übernommen, sondern bringen als private Investoren auch erhebliches Eigenkapital in das Projekt ein," betont Roland Jurecka , Vorstand der STRABAG SE.

Die WPE gGmbH - eine 100%ige Tochter des UK Essen, übernimmt den medizinischen Betrieb der Anlage. Über die gesamte Laufzeit der Verträge beziffert Keil die Kosten für Planung, Bau, Technik, Wartung, Instandhaltung und Finanzierung weit über 300 Millionen Euro. "Trotz dieser hohen Investition ist das wirtschaftliche Risiko für das Universitätsklinikum kalkulierbar. Zudem schaf-fen wir mit der Anlage über 150 neue Arbeitsplätze für beispielsweise Mediziner und Physiker", so Keil. Um die Anlage effizient und effektiv zu nutzen, soll später in zwei Schichten an 300 Tagen im Jahr dort gearbeitet werden.

Innovatives Behandlungsverfahren gegen Krebs

"Wir bauen ein Protonentherapiezentrum, um bei bestimmten Krebsarten die Heilungserfolge deutlich zu verbessern" berichtet Prof. Werner Havers, Ärztlicher Direktor am UK Essen. Mit IBA übernimmt der Weltmarktführer im Bereich der Herstellung und Wartung von Protonentherapie-anlagen den technischen Betrieb. "Wir sind sehr erfreut, dass IBA als Hersteller des ersten universitären vollklinischen Protonentherapienzentrums in Europa ausgewählt wurde, um den Patien-ten des Uniklinikum Essen die innovative Behandlung mit Protonentherapie zugänglich zu machen", ergänzt Pierre Mottet, Vorstandvorsitzender IBA.
Mit der Protonentherapie von Augentumoren sammeln Ärzte des Klinikums schon seit Jahren in Berlin und Nizza positive Erfahrungen, die sie in Essen nutzen können. Im WPE möchten sie künf-tig jährlich 2.000 Patienten mit dieser Methode bestrahlen. Neben drei um die eigene Achse schwenkbaren Strahlungsgeräten (Gantries) für tief gelegene Tumore wird zusätzlich ein weiterer Therapieplatz (Fixbeam) eingerichtet, der die Bestrahlung von Tumoren am Auge ermöglicht.
Die Strahlentherapie ist neben der Chirurgie und medikamentösen Behandlung eine von drei Säu-len in der modernen Krebstherapie. "Wir bestrahlen mehr als die Hälfte der Krebspatienten im Laufe ihrer Behandlung", erklärt Prof. Martin Stuschke, Direktor der Strahlenklinik. Dabei ist die Bestrahlung mit Photonen aus Linearbeschleunigern die gängige Therapieform. Diese Röntgen-strahlen durchdringen den gesamten Körper. Dagegen können Strahlenmediziner bei der Behand-lung mit Protonen steuern, wie tief diese eindringen. Die geladenen Teilchen stoppen im Tumor und entfalten dort die höchste Dosis. Dabei schont das Verfahren empfindliche, um den Tumor gelegene, Organe wie das zentrale Nervensystem.

Westdeutsches Protonentherapiezentrum möglich durch PPP-Modell

Durch die Wahl des PPP-Modells wird die Aufgabe, die für dieses Vorhaben notwendige Infra-strukturinvestition termin-, kosten- und qualitätsgerecht durchzuführen, auf einen privaten Part-ner übertragen. Entsprechend tritt das Universitätsklinikum als Teil der öffentlichen Hand nicht als Erbauer und Betreiber der Infrastrukturinvestition auf, sondern gewährt vielmehr monatliche Entgelte für exakt beschriebene Leistungen mit konstant hoher und fortlaufend kontrollierter Qualität über die gesamte Vertragslaufzeit. Mittels des gewählten PPP-Modells ist es gelungen, diese Investition vor ihrer Durchführung hinsichtlich ihres Lebenszyklus und ihrer Folgekosten sehr detailliert zu analysieren und mögliche Risiken zu begrenzen. Durch die Übertragung des Errichtungs- und Qualitätsrisikos über die gesamte Vertragslaufzeit auf den privaten Partner ist es des Weiteren gelungen, die Finanzierung des Projektes für die öffentliche Hand EUROSTAT-neutral darzustellen. Dadurch, dass STRABAG, IBA und die Deutsche Bank nachrangiges Kapital zur Verfü-gung stellen, ist eine sorgfältige Risikoprüfung sichergestellt. In Zeiten angespannter Haushalte bringt das PPP-Modell Investitionssicherheit für wichtige Infrastrukturprojekte, die hierdurch zeitlich früher realisiert werden können.


Nähere Informationen: Reinhold Keil, Kaufmännischer Direktor, Telefon: (02 01) 7 23 - 26 00,
E-Mail: reinhold.keil@uk-essen.de

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