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Diplom oder nicht Diplom? - 50 Jahre Diplomstudiengang Soziologie in Frankfurt

18.11.2006 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

Nicht nur der Name Adorno verpflichtet - in Frankfurt hat die Soziologie Tradition! Kein Wunder, dass der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität den 50. Geburtstag "seines" Diplomstudienganges Soziologie mit einer großen Festveranstaltung beging. Diplom oder nicht Diplom?
50 Jahre Diplomstudiengang Soziologie / Jubiläumsveranstaltung zur Geschichte und Zukunft des Diplomstudiengangs in den Gesellschaftswissenschaften

FRANKFURT. Ist der Diplom-Abschluss in den Gesellschaftswissenschaften verzichtbar? Können Bachelor und Master an seine Stelle treten, ohne das erreichte internationale Renommee zu gefährden? Über diese Fragen diskutierte der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften am 16.11.2006 im Rahmen seiner Jubiläumsveranstaltung "Kritik als Beruf".

Zu feiern galt es, dass die Universität Frankfurt vor 50 Jahren den Diplomstudiengang Soziologie einführte. Von Anfang an stand dabei die praxisnahe Berufsvorbereitung der Studenten im Mittelpunkt, verbunden mit dem Erwerb hoher fachlicher Flexibilität für den Arbeitsalltag. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann auch die Politikwissenschaft Schritt für Schritt integraler Bestandteil dieser auf Professionalität, Interdisziplinarität und Herrschaftskritik ausgerichteten Frankfurter Sozialwissenschaft -- ein Prozess, der vor etwa 20 Jahren in der Gründung des Diplomstudiengangs Politikwissenschaft gipfelte.

Die Entstehungsgeschichte des Frankfurter Diplomstudiengangs Soziologie zwischen 1954 und 1958 illustrierte im Rahmen der Jubiläumsfeier Privatdozent Alex Demirovic. Er widmete sich zugleich der Professionalisierung der Soziologie und machte deutlich: Der Erfolg des für die damalige Zeit äußerst ambitionierten Frankfurter Projektes war nur deshalb möglich, weil die Nachfrage nach soziologischen Kompetenzen in Wirtschaft und Gesellschaft vorhanden war, und weil sich die soziologischen Akteure (allen voran Theodor W. Adorno) auf einen gemeinsamen fachlichen Kanon einigen konnten.

Vor Demirovic referierte bereits Prof. Ludwig von Friedeburg über die Geschichte der Universitätsreformen in Deutschland, die in der Aufklärung, historisch einmalig und international vorbildlich, das Modell einer kritischen Universität hervorgebracht haben. Dieses sieht er allerdings durch die derzeitigen Reformbestrebungen gefährdet.

Als dritter Redner gab Prof. Lothar Brock einen Überblick über die Entwicklung der Politikwissenschaft in Frankfurt und thematisierte das nicht immer einfache Verhältnis der beiden Fächer zueinander. Er zeigte auf, dass und wie, trotz Widersprüche und Spannungen, die Integration des Diplomstudiengangs Politikwissenschaft in den Fachbereich erfolgreich gelingen konnte.

Über die "Zukunft des Diploms in den Gesellschaftswissenschaften" diskutierten in der abschließenden Podiumsveranstaltung Prof. Dirk Kaesler, Prof. Beate Krais, Prof. Uta Ruppert und Prof. Klaus Dieter Wolf. Im Mittelpunkt stand dabei, ob und welche Notwendigkeit überhaupt besteht, die beiden Diplome abzuschaffen, und welche Eigenschaften und Errungenschaften der Diplom-Ordnung in die neuen Studiengänge hinüber gerettet werden sollten, um nicht den über lange Zeit entwickelten hohen Grad von Wissenschaftlichkeit, Professionalität und Interdisziplinarität der Frankfurter Sozialwissenschaft wissenschaftsfremden politischen Moden zu opfern.

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Kontakt: Univ.-Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink, Professur für Industrie- und Organisationssoziologie, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Campus Bockenheim, Robert-Mayer Str. 5, 60054 Frankfurt am Main
Tel. 069 - 798 22055 / 22542; Fax 069 - 798 28009
e-mail: b.blaettel-mink@soz.uni-frankfurt.de

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Herausgeber: Der Präsident
Redaktion: Stephan M. Hübner
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