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Verleihung des DPZ-Förderpreises

23.11.2006 - (idw) Deutsches Primatenzentrum

Der Förderpreis 2006 wird am Montag, den 27.11.06 um 18.00 c.t. im Hörsaal des Deutschen Primatenzentrums verliehen. Der diesjährige Preisträger ist Herr Dr. Steffen Hage.

Der Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums e.V. (DPZ) verleiht jährlich einen Förderpreis für besondere wissenschaftliche Leistungen im Rahmen einer Promotion. Der Förderpreis besteht aus einem Geldpreis und ist verbunden mit einem sechsmonatigen Stipendium an einer Forschungseinrichtung nach Wahl des Preisträgers. Der Preis ist damit einer der höchst dotierten Promotionspreise in Deutschland. Herr Dr. Hage wurde am 16.12.1975 in Stuttgart geboren. Er machte 1995 sein Abitur am Nikolaus-Kopernikus-Gymnasium in Weißenhorn/Bayern. Im Anschluss an den Zivildienst bei der Lebenshilfe e.V. in Senden/Iller studierte er Biologie an der Universität Ulm. Im Rahmen seiner Diplomarbeit bei Prof. Dr. Günter Ehret arbeitete er am Hörsystem von Mäusen und schloss 2001 sein Studium mit der Gesamtnote "sehr gut" ab. Danach begann er seine Dissertation am DPZ unter Betreuung von Prof. Dr. Uwe Jürgens mit dem Thema "Audiovokale lntegration und vokalmotorische Kontrolle im pontinen Hirnstamm. Telemetrische Einzelzellableitung am sich frei bewegenden Totenkopfaffen". Die biologische Fakultät der Universität Ulm bewertete die Promotion 2005 mit der Gesamtnote "summa cum laude". In Anerkennung seiner Leistung erhielt Dr. Hage im Juli 2006 den Promotionspreis der Ulmer Universitätsgesellschaft.
Das Forschungsinteresse des Preisträgers gilt den neuronalen Steuerungsmechanismen von Lautäußerungen des Affen. Ihre Vokalisationen haben gleiche evolutionäre Wurzeln wie nicht-verbale emotionale Lautäußerungen des Menschen wie z.B. Lachen, Weinen, Schreien oder Stöhnen. Dies macht die Vokalisationen nicht-menschlicher Primaten zu einem geeigneten Modell, um neurobiologische Prozesse zu verstehen, die auch an der Produktion emotionaler menschlicher Lautäußerungen beteiligt sind. Die Muskelgruppen, die während der Lautäußerungen aktiv sind (Lippen-, Kiefer-, Zungen-, Atmungs- und Kehlkopfmuskulatur), werden aus mehreren Kerngebieten im phylogenetisch alten Stammhirn aktiviert. Wie jedoch die Koordinierung dieser Muskelgruppen bei der Generierung bestimmter Lautmuster funktioniert, ist noch weitgehend unklar.
Im Rahmen seiner Arbeit identifizierte Herr Dr. Hage bei Totenkopfaffen (Saimiri sciureus) ein kleines Gebiet von Nervenzellen im unteren Hirnstamm, die aufgrund ihres Aktivitätsmusters alle Eigenschaften besitzen, um komplexe, stark frequenzmodulierte Laute entstehen zu lassen. Bei weniger komplexen Lautäußerungen zeigten diese Nervenzellen keine spezifische Aktivität. Damit konnte gezeigt werden, dass für die Koordination von Lautäußerungen mit unterschiedlichen akustischen Strukturen auch verschiedene Mustergeneratoren verantwortlich gemacht werden müssen.
In weiteren Untersuchungen charakterisierte Dr. Hage im unteren Hirnstamm Nervenzellen, die unmittelbar vor und während der Lautäußerungen aktiv sind und zusätzlich auf externe akustische Reize reagieren. Mit diesen Ergebnissen ließ sich erstmals nachweisen, dass ein Informationsaustausch zwischen der Hörbahn und dem für die motorische Kontrolle der Lautäußerungen zuständigen System bereits auf unterem Hirnstammniveau stattfindet.
Zur Messung der Nervenzellaktivität verwendete Dr. Hage hierbei eine erst kürzlich etablierte, und von ihm weiter optimierte, einzigartige telemetrische Methodik: Die über implantierte Mikroelektroden aufgenommene elektrische Aktivität von kleinen Neuronengruppen überträgt ein sich am Tier befindlicher Sender über eine Antenne an einen Empfänger zur Auswertung. Auf diese Weise ist es möglich, spontane Vokalisationen, die z.B. bei der Fütterung auftreten, von sich frei in ihrer Gruppe bewegenden Tieren aufzunehmen und gleichzeitig die zur Vokalisation gehörige Nervenzellaktivität zu messen, ohne dass die Tiere in ihrem normalen Verhalten beeinflusst oder gestört waren.

Die Ergebnisse dieser grundlagenorientierten Studie tragen zu einem besseren Verständnis von den Steuerungsmechanismen der Stimmgebung und deren Interaktion mit dem auditorischen System der Primaten bei. Sie bilden einen weiteren Baustein in Erklärungsmodellen zu Fehlfunktionen im komplexen System der Lautproduktion.
Weitere Informationen: http://dpz.eu/ Homepage des DPZ http://dpz.eu/index.php?id=108 Förderkreis des DPZ
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