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Warum Identitätsstörungen das Interesse der Philosophen wecken sollten

24.11.2006 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

DGPPN-Preis für Philosophie in der Psychiatrie geht an den Mainzer Professor Thomas Metzinger

Zum zweiten Mal vergab die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) heute in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Philosophie und Wissenschaften der Psyche und dem Unternehmen Janssen-Cilag den Preis für Phi-losophie in der Psychiatrie. Mit diesem Preis werden hervorragende wissenschaftliche Arbeiten im Grenzgebiet zwischen Psychiatrie und Philosophie ausgezeichnet. Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung der DGPPN durch den Präsidenten der Fachgesellschaft, Professor Dr. Fritz Hohagen, Lübeck, verliehen. Die Wahl der Jury fiel in diesem Jahr auf die Arbeit des Mainzer Professors Thomas Metzinger mit dem Titel "Why are identity disorders interesting for philosophers?". Metzinger entwickelt in dieser Arbeit ein phänomenologisches Modell des Selbst, das als logisches Verbindungsglied zwischen subpersonaler und personaler Beziehungsebene fungiert. Die Untersuchung bestimmter Identitätsstörungen bei Patienten dient ihm dazu, einen Begriff der Identität zu gewinnen, dessen wichtigstes Ergebnis für die Psychiatrie darin besteht, den relationalen Charakter der Identität aufzuzeigen.

Die diesjährige Ausschreibung des DGPPN-Preises für Philosophie in der Psychiatrie fokussierte auf dem Themenkomplex "Selbstbewusstsein, Selbsterkenntnis, Subjektivität". Eingereicht werden konnten Arbeiten, die im interdisziplinären Kontext von geisteswis-senschaftlicher und empirischer Forschung stehen und einen Bezug zur Psychiatrie, Psychopathologie oder Psychotherapie aufweisen. Dementsprechend betonte die Jury in ihrer Laudatio an den Preisträger, dass Thomas Metzinger "in exemplarischer Weise den interdisziplinären Anspruch erfüllt, indem er durchgängig sowohl die empirische Plausibilität als auch die begriffliche Kohärenz seiner Untersuchung prüfte". In klarer und prägnanter Weise macht Meinzinger in seiner Arbeit deutlich, dass aus der interdisziplinären Untersu-chung ein sich gegenseitig ergänzender Erkenntnisgewinn zu erreichen ist, durch den die Formen der menschlichen Selbstrepräsentation und der Selbstindentifikation umfassender verstanden werden können.

Informationen zu dem Preisträger des DGPPN-Preises für Philosophie in der Psychiatrie:
Thomas Metzinger studierte an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt am Main Philosophie, Ethnologie und katholische Religionswissenschaften. Die Promotion er-folgte im Jahr 1985 mit einer Arbeit über das Leib-Seele Problem, die Habilitation 1992 in Gießen. Im Jahr 2000 erhielt Metzinger einen Ruf an die Universität Osnabrück (Philosophie der Kognitionswissenschaft), nahm jedoch noch im selben Jahr einen Ruf an die Universität Mainz an. Metzinger gilt als einer der Philosophen, die am stärksten den Austausch der Phi-losophie mit den Neuro- und Kognitionswissenschaften suchen. So beschäftigt er sich mit der philosophischen Interpretation der Suche nach neuronalen Korrelaten des Bewusstseins. Im Zusammenhang dieser Interessen entwickelte er beispielsweise eine Theorie der Selbst-modelle, die die Einheit und Reflexivität unseres Bewusstseins erklären soll, wobei Teil die-ses Programms eine repräsentationalistische Theorie der Subjektivität darstellt.

Kontakt:
Dr. Martin Heinze
Leiter des DGPPN-Referats
Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie
Leitender Arzt, Behandlungszentren Mitte und West
Klinikum Bremen Ost
Züricher Str. 40

28325 Bremen
Tel.: 0421.4081363
Fax: 0421.4082253
E-mail: martin.heinze@klinikum-bremen-ost.de

Für alle Pressevertreter steht ab Mittwoch, den 22.11.2006, 12.30 Uhr, ein Text- und Fotoservice zu allen Presseveranstaltungen zur Verfügung: Nutzen Sie die Möglichkeit zum Download un-ter: http://www.dgppn.de/kongresse/2006berlin/kongress2006.htm
Weitere Informationen: http://www.dgppn.de/kongresse/2006berlin/kongress2006.htm
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