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Muskelschwäche bei Sepsis ist eine eigene Erkrankung

08.12.2006 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberger Physiologe mit Forschungsstipendium der Deutschen Sepsis-Gesellschaft ausgezeichnet Muskelabbau bei Intensivpatienten, die an einer Sepsis (im Volksmund: Blutvergiftung) leiden, ist keine Folge langen Liegens. Die zunehmende Schwäche ist vielmehr eine eigenständige Muskelerkrankung, die u.a. durch eine übermäßig starke Entzündungsreaktion hervorgerufen wird.

Für seinen Beitrag zum Pathomechanismus dieser Muskelschwächen hat Privatdozent Dr. Dr. Oliver Friedrich vom Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Universität Heidelberg im November 2006 ein mit 10.000 Euro dotiertes Forschungsstipendium der Deutschen Sepsis-Gesellschaft e.V. erhalten, das dem Preisträger einen Forschungsaufenthalt im Ausland ermöglicht.

Jedes Jahr entwickeln schätzungsweise bis zu 200.000 Patienten in Deutschland eine Sepsis entweder infolge einer schweren Erkrankung, nach einer infizierten Verletzung oder auf Intensivstationen, z.B. nach schweren Operationen: Ausgehend vom Krankheitsherd breiten sich Erreger im ganzen Körper aus. Entzündungsreaktionen wie Schwellungen, mangelhafte Durchblutung und Sauerstoffmangel können lebenswichtige Organe schädigen und zum Organversagen führen. Eine Sepsis tritt vor allem bei schwerkranken Patienten von Intensivstationen auf, deren Immunsystem bereits geschwächt ist.

Auch Nerven (Neuropathie) und Muskeln (Myopathie) werden angegriffen; Schwäche und Bewegungsunfähigkeit bis hin zu völliger Lähmung können die Folgen sein. Gegen diese Komplikationen gibt es keine gezielten Therapien, da die Auslöser bislang unklar sind. "Die Kosten einer Intensivbehandlung werden durch diese Komplikationen weiter nach oben getrieben", erklärt Dr. Friedrich. "Die Suche nach den Ursachen der Myopathien bei Intensivpatienten liegt daher auch im volkswirtschaftlichen Interesse."

Blutserum von schwerkranken Patienten schädigt Muskelzellen

Der Heidelberger Muskelphysiologe Dr. Friedrich aus der Arbeitsgruppe "Medizinische Biophysik" beobachtete im Labor, dass lebende Muskelzellen auf das Blutserum von Sepsis-Patienten mit Myopathie-ähnlichen Symptomen reagierten, ihr Zustand verschlechterte sich. Insbesondere zeigte sich eine Beeinträchtigung der Kraftentwicklung und des Kalzium-Haushaltes. Seine Schlussfolgerung: Vermutlich werden im Verlauf der körperweiten Entzündung bestimmte Eiweiße - vermutlich Zytokine, die das Immunsystem anregen und die Entzündung weiter fördern - gebildet, die die Muskeln angreifen und in ihrer Funktion stören.

"Die Entzündungsprodukte werden über das Blut verteilt und führen letztlich sogar zum Abbau von Muskelproteinen, ohne die keine Kraftentwicklung mehr möglich ist", erklärt Dr. Friedrich. "Muskelschwäche bei Intensivpatienten ist somit ein aktiver Krankheitsprozess, der dem Multiorganversagen bei Sepsis ähnelt." Die Patienten leiden noch Monate später an den Folgen des Muskelabbaus.

Ausschlaggebend für die Wahl der Jury bei der Vergabe des Preises waren die Aktualität und die Tragweite des Themas. "Außerdem wurde die Zusammenarbeit zwischen dem Grundlagenfach Physiologie und den klinischen Disziplinen Neurologie und Intensivmedizin im Rahmen dieses Projektes hervorgehoben und gewürdigt", so Dr. Friedrich. Geplant ist, die Forschung auf diesem Gebiet in Heidelberg mit der Neurologischen Universitätsklinik und der Universitätsklinik für Anästhesiologie weiter auszubauen.

Kontakt:

Privatdozent Dr. Dr. Oliver Friedrich
Facharzt f. Physiologie, Privatdozent f. Physiologie & Biophysik

Institut für Physiologie und Pathophysiologie
Im Neuenheimer Feld 326
69120 Heidelberg Germany
Telefon: 06221 /-54-4143

E-mail: oliver.friedrich@physiologie.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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