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Experimentator im Wirtschafts-Labor

11.12.2006 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Prof. Dr. Oliver Kirchkamp auf volkswirtschaftlichen Lehrstuhl an die Universität Jena berufen Jena (11.12.06) Bis Weihnachten sind es nur knapp zwei Wochen. Doch auf der Suche nach den passenden Geschenken sehen sich immer mehr Deutsche nicht nur in Kaufhäusern oder auf Weihnachtsmärkten um. Viele werden auch im Internet fündig, etwa auf Online-Marktplätzen wie eBay. "Auktionen haben in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen", beobachtet Prof. Dr. Oliver Kirchkamp von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Das gilt jedoch nicht nur für den privaten Bereich", so der neue Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre/Empirische und Experimentelle Wirtschaftsforschung weiter. Vielmehr spielten Versteigerungen bei öffentlichen Ausschreibungen ebenso eine Rolle wie bei der Vergabe von Mobilfunklizenzen, Ölbohrrechten oder der Begründung von Arbeitsverhältnissen.

Nach welchen Kriterien Bieter und Anbieter in den verschiedensten Auktionen ihre Entscheidungen treffen, das ist einer der Forschungsschwerpunkte von Oliver Kirchkamp. "Lange gingen Ökonomen davon aus, wir würden in ökonomischen Fragen streng rational handeln", so der gebürtige Düsseldorfer. "Doch das stimmt nur selten." Dies zeigten die "Laborexperimente", in denen Kirchkamp Versuchspersonen am Computer in einer Spielsituation ökonomische Entscheidungen treffen lässt. "Einerseits ist unsere Fähigkeit, schnell unbegrenzt viele Informationen und Preise zu verarbeiten, eingeschränkt", erläutert Kirchkamp. Andererseits spielten auch im wirtschaftlichen Miteinander Aspekte wie Fairness und Vertrauen eine Rolle.

"Anhand solcher Laborexperimente lassen sich Lösungen für alle möglichen ökonomischen Fragestellungen finden und Konsequenzen für die Praxis vorhersagen", erläutert der 44-Jährige die Bedeutung dieser noch jungen Disziplin. Anders als in den Naturwissenschaften, wo das Experimentieren eine Jahrhunderte lange Tradition hat, finden experimentelle Ansätze erst seit den 1950er Jahren Eingang in die Wirtschaftswissenschaften.

Oliver Kirchkamp beschäftigt sich mit experimenteller Wirtschaftsforschung bereits seit gut zehn Jahren. Neben der Auktions- und Verhandlungstheorie sind es vor allem Fragen zu Geldpolitik und Inflation sowie zu Kooperation und Vertrauen, die ihn dabei interessieren. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Bonn hat Kirchkamp 1996 zunächst über ein Thema zur Evolutionären Spieltheorie promoviert. Anschließend absolvierte er einen einjährigen Forschungsaufenthalt als Jean Monnet Fellow am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz, bevor er als Laborleiter an die Universität Mannheim wechselte. Dort schloss Oliver Kirchkamp im Jahr 2001 seine Habilitationsarbeit über experimentelle Methoden ab.

Von 2002 bis 2005 vertrat er zunächst den Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie und anschließend den Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. Im Jahr 2005 zog es ihn an die schottische Universität St. Andrews, bevor er 2006 dem Ruf an die Friedrich-Schiller-Universität Jena folgte. Hier wird sich Prof. Kirchkamp in den kommenden Jahren, neben Forschung und Lehre, auch an der Doktorandenausbildung im gerade gestarteten Graduiertenkolleg "The Economics of Innovative Change" sowie in der International Max Planck Research School "Adapting Behaviour to a Fundamentally Uncertain World" beteiligen.


Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Kirchkamp
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Carl-Zeiß-Straße 3, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 943240
E-mail: oliver[at]kirchkamp.de

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