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Körper, Geschlecht und Identität - 1. Interdisziplinäres Forum zur Intersexualität in Hamburg

13.12.2006 - (idw) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Die Zuordnung zum weiblichen beziehungsweise männlichen Geschlecht ist ein zentrales Merkmal der eigenen Identität. Doch was ist, wenn man nicht weiß, ob man ein Mann oder eine Frau ist? Was, wenn man keine eindeutigen männlichen oder weiblichen Geschlechtsteile besitzt? Was, wenn Ärzte und Eltern das Geschlecht eines Neugeborenen nicht sofort nach der Geburt feststellen können?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Hamburger Forschergruppe Intersexualität am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zusammen mit einer zweiten Forschungsgruppe aus Lübeck. Die Hamburger Forschergruppe untersucht erwachsene Personen mit Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung, um die oft mit vielen Traumata verbundenen Behandlungserfahrungen zu dokumentieren und die Versorgung in Zukunft zu verbessern.

Heute spricht man von "Intersexualität" (in der medizinischen Fachsprache auch von "Störungen der Geschlechtsentwicklung"), wenn die geschlechtsbestimmenden und geschlechtsdifferenzierenden Körpermerkmale eines Menschen nicht alle eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht entsprechen. Bei Personen mit einem XY-Chromosomensatz kann es zum Beispiel aufgrund einer fehlenden Testosteronwirkung zu einem weiblichen Erscheinungsbild kommen ("XY-Frauen"). Umgekehrt ist eine Vermännlichung bei Personen mit XX-Chromosomensatz (zum Beispiel vergrößerte Klitoris) möglich. In anderen Fällen können sich gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale bei einer Person entwickeln.

Dass Intersexualität nach wie vor ein tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft ist, zeigt die Tatsache, dass nur wenige Menschen die Bezeichnung mit diesen Besonderheiten der Geschlechtsentwicklung in Verbindung bringen. Ein Kind, das mit uneindeutigem Genitale zur Welt kommt, löst Verwirrung, Unsicherheit und Angst aus. Das Herstellen von geschlechtlicher Eindeutigkeit war lange Zeit das dominierende Behandlungsziel in deutschen Kliniken.

Die Hamburger Forschergruppe Intersexualität bemüht sich um mehr Aufklärung und interdisziplinären Austausch bezüglich dieses Themas. Auf ihre Einladung hin treffen sich heute Vertreter verschiedener Fachrichtungen und betroffene Personen erstmals zu einem interdisziplinären Forum zur Intersexualität im Erika-Haus des UKE.

Vorgestellt werden neue Forschungserkenntnisse zur Intersexualität bei Erwachsenen und Kindern. Neben molekularbiologischen und endokrinologischen Grundlagen sowie chirurgischen und psychosozialen Perspektiven geht es auch um die juristischen Rahmenbedingungen, die Sichtweisen von Betroffenen sowie die Bedeutung der Selbsthilfebewegung.

Im Anschluss an die Vorträge und die Diskussion wird der auf der Berlinale 2006 präsentierte Film "Tintenfischalarm" gezeigt, in dem die intersexuelle Person "Alex-Jürgen" porträtiert wird (www.tintenfischalarm.at).

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Hamburger Studie erteilen:
Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, Tel.: 040/42803-2225, E-Mail: hrichter@uke.uni-hamburg.de
Dipl.-Psych. Lisa Brinkmann, Tel.: 040/42803-7766, E-Mail: l.brinkmann@uke.uni-hamburg.de
Dipl.-Psych. Katinka Schweizer, 040/42803-7765, E-Mail: k.schweizer@uke.uni-hamburg.de


Auszug aus dem Programm:
Prof. Dr. Olaf Hiort, Lübeck:
Ergebnisse der Consensus Conference, Chicago 2005
PD. Dr. Anette Richter-Unruh, Bochum:
Hormonelle Behandlung
Dr. Susanne Krege, Essen:
Chirurgische Eingriffe
Dr. Polly Carmichael, London & Dipl. Psych. Eva Kleinemeier, Lübeck:
Psychosoziale Begleitung
Dr. Konstanze Plett, Bremen:
Rechtliche Aspekte
Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, Dipl.-Psych. Lisa Brinkmann, Dipl.-Psych. Katinka Schweizer,
Die Hamburger Studie

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