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RUBIN: Warum Austin Powers so schlechte Zähne hat - Transnationalism im Film

15.12.2006 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

"Wenn wir unsere Anstrengungen statt auf ein Imperium des Bösen auf Starbucks-Kaffee konzentrieren, könnten wir unseren Gewinn verfünffachen", rät Vizeschuft "Nummer 2" seinem Chef Dr. Evil im Film "Austin Powers 2": Die Einleitung zu einem geschickten Product Placement in einer für den weltweiten Markt produzierten Kinokomödie, deren Gewinne übrigens tatsächlich alle Rekorde brachen. Die Auswirkungen der Globalisierung auf den Film als ein Beispiel kulturellen Textes untersuchen Forscher am Lehrstuhl für Amerikastudien der RUB (Prof. Dr. Kornelia Freitag). Sie zeigen, dass der "Transnationalismus" dem Film eingeschrieben ist, er also Ländergrenzen und Kulturunterschiede überwindet, aber das Wissen darum voraussetzt. Über ihren Ansatz berichten sie in RUBIN "Globaler Wandel", der soeben erschienenen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins der Ruhr-Universität Bochum. Bochum, 15.12.2006
Nr. 428

Warum Austin Powers so schlechte Zähne hat
Transnationalism im Film: Globalisierte Kulturindustrie
RUBIN Globaler Wandel ist erschienen

"Wenn wir unsere Anstrengungen statt auf ein Imperium des Bösen auf Starbucks-Kaffee konzentrieren, könnten wir unseren Gewinn verfünffachen", rät Vizeschuft "Nummer 2" seinem Chef Dr. Evil im Film "Austin Powers 2": Die Einleitung zu einem geschickten Product Placement in einer für den weltweiten Markt produzierten Kinokomödie, deren Gewinne übrigens tatsächlich alle Rekorde brachen. Die Auswirkungen der Globalisierung auf den Film als ein Beispiel kulturellen Textes untersuchen Forscher am Lehrstuhl für Amerikastudien der RUB (Prof. Dr. Kornelia Freitag). Sie zeigen, dass der "Transnationalismus" dem Film eingeschrieben ist, er also Ländergrenzen und Kulturunterschiede überwindet, aber das Wissen darum voraussetzt. Über ihren Ansatz berichten sie in RUBIN "Globaler Wandel", der soeben erschienenen Sonderausgabe des Wissenschaftsmagazins der Ruhr-Universität Bochum.

Sonderausgabe mit Exzellenz-Schwerpunkt

Die Sonderausgabe stellt Forschungsprojekte aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Fachbereichen vor, die die Auswirkungen der Globalisierung aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. "Global Change" ist ein Forschungsschwerpunkt der Ruhr-Universität, für den sich die RUB in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder um einen Exzellenzcluster bewirbt.

Beitrag mit Bildern im Internet

Den gesamten Beitrag mit Bildern finden Sie im Internet unter http://www.rub.de/rubin.

Bücher, Filme, T-Shirts, Marken enthalten kulturelle Werte

Die Kulturwissenschaftler analysieren die Veränderungen kultureller Produktionen durch die Globalisierung. Untersuchungsgegenstand sind Texte aller Art, neben Literatur auch Filme, T-Shirt-Aufdrucke, Markenzeichen und vieles mehr. "Man hat nachweisen können, dass kulturelle Norm- und Wertvorstellungen - d.h. auch deren negative Ausprägungen wie Ängste, Stereotype und Vorurteile - in allen kulturellen Texten zu finden, wenn sie auch unterschhiedliche differenziert und komplex zum Ausdruck kommen", erklärt Prof. Freitag. So hat etwa Austin Powers, britischer Spion im Film, auffallend schlechte Zähne - weil in den USA das Vorurteil herrscht, Briten hätten schlechte Zähne.

Film rechnet fest mit dem Wissen über kulturelle Unterschiede

Die Einbeziehung von Starbucks als weltbekanntem "Global Player" in Funktion des Hauptquartiers des Bösen, der sich beim Trinken eines Bechers Starbucks Kaffee allerdings lächerlich macht, womit das Image der Kaffeemarke wieder hergestellt ist, zeigt, wie sehr der Film auf das kulturelle Vorwissen der Zuschauer baut. Nur so können sie den komplexen Witz der Szene verstehen. Ebenfalls ein Zeichen für die Globalisierung ist die mühelose Überschreitung von Ländergrenzen - Szenen des Films spielen übergangslos mal in England, mal in Amerika. Auch verschiedene Zeiten, mittels Zeitmaschine bereist, dienen als Hintergrund, wobei wiederum das Wissen der Zuschauer über die 1960er und die 1990er Jahre vorausgesetzt wird. Der Film setzt sich also nicht nur über kulturelle Unterschiede hinweg, sondern rechnet fest mit ihnen, spielt ironisch darauf an und baut darauf, dass das Publikum sie kennt - eine Tatsache, die als Transnationalism bezeichnet wird. Wie dünn das Eis ist, auf dem sich die nationale Sinnstiftung bewegt, zeigt wiederum Starbucks: Der Maat aus Moby Dick, nach dem die Kaffeehaus-Kette benannt ist, und bei dem man zunächst an Reisen über alle Weltmeere denkt, war bei näherem Hinsehen nicht nur eine schwache Figur, sondern ist auch am Ende jämmerlich untergegangen.

Themen in RUBIN "Globaler Wandel"

In der Sonderausgabe RUBIN Globaler Wandel finden Sie folgende Themen: Transnationalism im Film: Von wegen "kalter Kaffee"; Von den Anstrengungen des staatlichen Gewaltmonopols: Recht und Gewalt; Katholizismus von außen betrachtet: Hinter dem europäischen Horizont; Geschlechtergleichheit und Globalisierung: "Frauenfrühling" oder modernisierte Ungleichheit?; Globaler Wandel und das Entstehen transnationaler Migration: Zwischen den Welten zu Hause; Die Rolle der Medien im "Globalen Anti-Terror-Krieg": Verändern die Medien das Völkerrecht?; Literatur und Vielsprachigkeit: Die Heimat ist die Fremde; Globalisierung der Finanzmärkte: Wer liest schon die Bilanzen?; "Lokale Agenda 21" im Nord-Süd- und Ost-West-Vergleich: Weg frei fürs Ehrenamt; Die Gelehrtennetzwerke des Murtada al-Zabidi: "Global Player" des 18. Jahrhunderts. RUBIN "Globaler Wandel" ist für 5 Euro in der Pressestelle der Ruhr-Universität erhältlich, Tel. 0234/32-22830, und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Kornelia Freitag, Englisches Seminar der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25052, E-Mail: kornelia.Freitag@rub.de
Weitere Informationen: http://www.rub.de/rubin
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