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Kooperation Bielefelder Genomforscher mit der Firma Unilever bei der Deodorantforschung

15.12.2006 - (idw) Universität Bielefeld

Auf dem Weg zu einer neuen Generation von Körperpflegeprodukten

Am Institut für Genomforschung des Centrums für Biotechnologie der Universität Bielefeld entwickelten Wissenschaftler eine Messmethode, mit der es möglich ist, die Wirkung von Deodorant-Inhaltsstoffen auf bakterielle Hautbewohner zu testen. Diese Messmethode bildet nun die Grundlage für eine Forschungskooperation mit der Firma Unilever. Unilever ist ein weltweit tätiges Unternehmen und verfügt über ein großes Produktangebot im Bereich der Körperpflege. Im Rahmen der zukünftigen Kooperation soll die Wirkungsweise von Deodorantkomponenten systematisch erforscht werden, um eine neue Generation von Körperpflegeprodukten zu entwickeln. Diese Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Großindustrie darf als weiterer Beleg für die internationale Spitzenstellung der Universität Bielefeld auf dem Gebiet der mikrobiellen Genomforschung angesehen werden. Sie ist zugleich ein Beispiel für die unmittelbare Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Entwicklung von Produkten für den alltäglichen Bedarf.

Mikrobielle Hautbewohner sind maßgeblich für Körpergeruch verantwortlich
Die menschliche Haut ist dicht besiedelt mit Bakterien und Pilzen. Diese Mikroorganismen machen nicht krank und sind häufig sogar nützlich, wenn sie sich günstig auf die Eigenschaften der Haut auswirken oder Krankheitserreger fernhalten. Je nach Hautregion kann die Anzahl der Mikroorganismen sehr unterschiedlich sein. So leben in der Achselhöhle zirka 2 Millionen Bakterien pro Quadratzentimeter. Diese Bakterien vermehren sich ständig und ernähren sich dabei unter anderem von Substanzen, die sich auf der Hautoberfläche befinden. Dabei verwerten einige Bakterien auch die auf der Haut vorkommenden Fettsäuren als Nährstoffe.

Beim Abbau der Fettsäuren entstehen chemische Verbindungen, die von den Mikroorganismen nicht mehr verwertet werden und zum Teil für unangenehmen Schweißgeruch verantwortlich sind. Dieser alltäglichen Erfahrung wird mit der Anwendung von Körperpflegeprodukten und Deodorants begegnet. Deodorants verhindern die Entstehung von Schweißgeruch, indem sie die übermäßige Vermehrung von Hautbakterien hemmen.

Die Erbinformation eines Hautbakteriums der Achselhöhle wurde entschlüsselt
Bereits im Vorfeld war es den Bielefelder Genomforschern Dr. Andreas Tauch und Prof. Dr. Alfred Pühler gelungen, die vollständige Erbinformation eines bakteriellen Hautbewohners zu entschlüsseln. Hierbei handelt es sich um das Bakterium Corynebacterium jeikeium, das vorzugsweise die menschliche Achselhöhle besiedelt. Die vollständige Erbinformation des Hautbewohners besteht aus einem ringförmigen Chromosom mit nur 2,4 Millionen Basenbausteinen, aus deren Abfolge sich durch computergestützte Analysen rund 2100 Gene vorhersagen ließen. Die Auswertung der Genomdaten deutete darauf hin, dass sich Corynebacterium jeikeium normalerweise von Fettsäuren der menschlichen Haut ernährt und durch die Umsetzung von Sekreten der Achselhöhle auch an der Entstehung des Schweißgeruches beteiligt sein kann.

Deodorantwirkstoffe verändern die Aktivität der Erbinformation von Hautbakterien
Den Bielefelder Forschern ist es nun gelungen, die Auswirkungen eines Deodorantwirkstoffes auf die Erbinformation von Corynebacterium jeikeium zu bestimmen, woraus sich völlig neue Wege für die Entwicklung von Deodorants ergeben. Ihre experimentellen Ergebnisse stellen die Wissenschaftler in der Dezemberausgabe der internationalen Fachzeitschrift Journal of
Biotechnology (Band 127, Heft Nr. 1) der Öffentlichkeit vor. Für die Messungen wurde die zuvor entschlüsselte Erbinformation von Corynebacterium jeikeium benutzt. Von den vorhergesagten Genen wurden jeweils kurze Stücke an eine nur wenige Quadratzentimeter große Glasoberfläche gebunden. Mit diesem so genannten Mikroarray war es möglich, zahlreiche Veränderungen in der Aktivität der Erbinformation des Hautbewohners nachzuweisen, nachdem dieser einem Deodorantwirkstoff ausgesetzt war. Die erzielten Ergebnisse sollen nun in einer breit angelegten Studie im Detail nachgeprüft und vertieft werden.


Kontakt:
Dr. Andreas Tauch, Tel.: 0521/106-5605, E-Mail: Andreas.Tauch@Genetik.Uni-Bielefeld.DE
Prof. Dr. Alfred Pühler, Tel.: 0521/106-5607, E-Mail: puehler@Genetik.Uni-Bielefeld.DE

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