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Mehr Transparenz in der Begutachtung von Forschungsanträgen?

23.12.2006 - (idw) Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung

Das iFQ veröffentlicht erstes Working Paper mit dem Titel "Wie viel (In)-Transparenz ist notwendig? - Peer Review Revisited" Schadet zu viel Transparenz dem Begutachtungsprozess? Welches Maß ist sinnvoll und verträglich? Mit diesen Fragen setzen sich Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Dänemark in dem heute erschienen Working Paper "Wie viel Intransparenz ist notwendig? Peer Review Revisited" des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) auseinander.

Friedhelm Neidhardt rät davon ab, die Anonymität der Gutachter preiszugeben, um ein höheres Maß an Transparenz herzustellen. Denn das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Statusschwächere im Fach diskriminiert würden. "Und, damit zusammenhängend", so betont er in seinem Beitrag, "würde die Neigung unterstützt, in der Begutachtung inhaltlich den >Mainstream< zu bedienen und die riskantere Förderung des Kreativ-Ungewöhnlichen zu scheuen".

Im Gegensatz zu Deutschland weist das dänische Forschungsförderungssystem in diesem Punkt einen hohen Grad an Transparenz auf: die Antragsteller wissen, wer ihren Antrag begutachtet. Und sie haben die Möglichkeit auf Bewertungen der Peers zu reagieren. Die Vorteile und Nachteile dieser hohen Transparenz erläutert Jacob Kristoffer Hansen.

Dass auch Peer Review Verfahren mit einem hohen Grad an Transparenz erfolgreich funktionieren, ohne auf eine angemessene Qualitätskontrolle zu verzichten, verdeutlicht Ulrich Pöschl anhand des Open Access Journals "Athmospheric Chemistry and Physics".

Die DFG hat vor zwei Jahren ihr Begutachtungssystem reformiert. Anlass und Hintergründe, was geändert wurde und wie es sich bewährt hat, darüber berichtet Stefan Koch. Transparenz entstehe hier durch interne Öffentlichkeit mit dem neu eingeführten Gremientyp "Fachkollegium". Es soll die Qualität und Fairness der Gutachten sowie die Eignung der Gutachter sicherstellen.

Einen theoretischen Blick werfen Martin Reinhart und Daniel Sirtes auf die Frage der Transparenz. Sie stellen die These auf, dass die Abschaffung von Intransparenzen die Entscheidungsfähigkeit reduziere. Am Beispiel des Schweizerischen Nationalfonds zeigen sie, dass Transparenz kein primäres, normatives Ziel eines Entscheidungsverfahrens sein könne.

Das Working Paper dokumentiert die Ergebnisse eines Workshops mit dem Titel "Wie viel (In-)Transparenz ist notwendig? Peer Review Revisited - Begutachtungsperspektiven in international vergleichender Perspektive", den das iFQ im Mai dieses Jahres veranstaltete.

Das iFQ ist eine wissenschaftliche Einrichtung, die von der DFG als "Hilfseinrichtung der Forschung" gefördert wird. Aufgabe des iFQ ist es, empirisch fundierte Aussagen über Ergebnisse und Erfolge der deutschen Forschung im nationalen und internationalen Vergleich zu treffen. Schwerpunkte der Arbeit bilden zunächst die Förderprogramme der DFG.

Das Working Paper steht zum Download zur Verfügung: http://www.forschungsinfo.de/Publikationen/Download/working_paper_1_2006.pdf

Kontakt:
Meike Siekermann
Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung
Godesberger Allee 90
53175 Bonn
Telefon: 0228/97273-13
E-Mail: siekermann@forschungsinfo.de
Weitere Informationen: http://www.forschungsinfo.de
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