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Eröffnung des Forschungsschwerpunkts "Präventives Selbst" an der Humboldt-Universität

25.01.2007 - (idw) Humboldt-Universität zu Berlin

Große Teile der Bevölkerung vor allem der westlichen Welt werden immer dicker und leiden zunehmend und immer früher unter Herzkreislauferkrankungen. Wirksame Konzepte, diesem Trend zu begegnen, sind Mangelware. Trotzdem werden medizinische, volkswirtschaftliche und politische Rufe nach Prävention und Gesundheitsförderung immer lauter: Präventionsprogramme werden gestartet und Informationskampagnen vorangetrieben. Diese Entwicklungen zeitigen Veränderungen von gesellschaftlichem Alltag und professioneller Praxis, die unter anderem Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft und Politik betreffen. Der Forschungsschwerpunkt Präventives Selbst (FpS) untersucht aus historischer, wissensoziologischer, sozialanthropologischer und medizinischer Perspektive diese Veränderungen anhand des Themengebiets Herzkreislaufprävention.

Der Forschungsschwerpunkt: Präventives Selbst (http://www.csal.de) wird am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin koordiniert und in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Universität Hamburg BIOGUM durchgeführt. Vier Teilprojekte widmen sich der Frage, in welchem Maße sich Repräsentationen des Menschen in den letzten 100 Jahren vor dem Hintergrund des bedeutenden Wissenszuwachses in den Lebenswissenschaften verändert haben. Diese Frage wird am Beispiel der historischen Entwicklung und der aktuellen Praxis kardiovaskulärer Prävention und Gesundheitsförderung erforscht. Dieses Feld ist vor allem deshalb von besonderem Interesse, da sich hier - bisher weitgehend unbemerkt von Geisteswissenschaften und Sozialforschung - ein von Medizin, Psychologie und Ökonomie geprägtes Feld entwickelt hat, das zunehmend einen massiven Einfluss auf soziale Alltage entfaltet.
Am Beispiel der Gesundheitsuntersuchung ("Check up" ab 35 Jahre) in der Hausarztpraxis und Präventionsprogrammen in Kindergärten und Schulen kann daher gut untersucht werden, wie diese auf soziale Praxis, d.h. auf gesellschaftlichen Alltag, rückwirken und so Vorstellungen und Praxen des Selbst und von Körperlichkeit, Formen von sozialer Beziehung und Familiarität verändern. Des Weiteren stellt die Herzkreislaufprävention ein Feld dar, das in Medizin und Gesundheitspolitik mindestens seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert eine gleich bleibend hohe Aufmerksamkeit genießt - wobei jedoch die der Präventionspolitik explizit zugrunde liegenden ätiologischen Modelle ebenso wie die implizit vorausgesetzten Konstruktionen des "präventiven Selbst", also des idealen, an seiner Gesundheit arbeitenden Individuums, einem bedeutenden historischen Wandel ausgesetzt waren.

Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm "Geisteswissenschaften im Gesellschaftlichen Dialog", Sektion Anthropologie.

Sprecher: Prof. Dr. Stefan Beck
Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Europäische Ethnologie

Teilprojekt I: Institut für Europäische Ethnologie, Labor: Sozialanthropologie und Lebenswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin
Repräsentationen des Menschen als Leitbild in sozialer und professioneller Praxis - eine
symmetrische Untersuchung am Beispiel kardiovaskulärer Präventionsprogramme
Prof. Dr. Stefan Beck, Dr. Jörg Niewöhner, Dr. des. Michalis Kontopodis, Tom Mathar: joerg.niewoehner@staff.hu-berlin.de

Teilprojekt II: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Genese und Entwicklung präventiver Gesundheitsvorsorge in Deutschland (1918-1995)
PD Dr. Dieter Gosewinkel, PD Dr. Martin Lengwiler, Dr. Jeannette Madarász
madarasz@wz-berlin.de

Teilprojekt III: Institut für Allgemeinmedizin, Charité Universitätsmedizin Berlin

Gesundheit, Krankheit, soziale Praxis
Übergewicht junger Menschen im Fokus von medizinischer Prävention, hausärztlicher
Betreuung, Kommunikation und sozialer Herkunft
Prof. Dr. Vittoria Braun, Dr. Christoph Heintze, Dr. Anja Dieterich
christoph.heintze@charite.de

Teilprojekt IV: FSP BIOGUM, Universität Hamburg
Krankheitsursachen und Prävention: Konkurrierende Hypothesen zum Verhältnis zwischen
Innen und Außen beim Metabolischen Syndrom
Prof. Dr. Regine Kollek, Dr. Martin Döhring
kollek@uni-hamburg.de, doehring@metaphorik.de

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