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DFG fördert Herzklappenprojekt am UK S-H in Kiel mit mehr als 1 Million Euro

26.01.2007 - (idw) Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H)

Privatdozent Dr. Georg Lutter, Oberarzt an der Kieler Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie hat zusammen mit seinen Kooperationspartnern von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Mittel im Wert von 1,1 Millionen Euro für eine innovative Operationsmethode zum Herzklappenersatz eingeworben. Lutter, der seit vier Jahren das Team von Prof. Cremer unterstützt, hat mit seiner Arbeitsgruppe bereits zwei nationale und zwei internationale Forschungspreise für dieses Projekt erhalten. Kieler Herzchirurgen aus dem Team des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Jochen Cremer, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, arbeiten an einer Möglichkeit, die derzeit aufwendige Operationstechnik beim Ersatz von defekten Herzklappen im Sinne des Patienten zu vereinfachen. Bisher ist es dafür nötig, den Brustkorb des Patienten zu öffnen und den Herz-Kreislauf an die Herz-Lungen-Maschine anzuschließen. Die defekte Herzklappe soll in Zukunft von der Leiste aus operiert werden. Spezielle Herzschläuche (Katheter) werden dabei von der Leiste ausgehend über die großen Gefäße des Körpers zum Herzen hingeführt. Durch den Herzkatheter kann dann mit speziellen, sehr kleinen Instrumenten und einer Kamera im Herzen operiert werden.

Die besondere Herausforderung des Forscherteams um Privatdozent Dr. Georg Lutter und Dr. René Quaden liegt nun darin, die defekte Herzklappe vor dem Einsatz einer neuen Klappe herauszuschneiden. Dazu muss die alte, verkalkte Herzklappe zuerst isoliert und der Bereich um diese Herzklappe herum vom Blutfluss getrennt werden. Die innovative Idee der Kieler Forscher ist hierbei, spezielle Ballons oberhalb und unterhalb der Klappe aufzublasen und dadurch den Blutfluss zur Klappe zu verschließen. So entsteht ein Arbeitsbereich in einer Größe von etwa 3 cm3, in dem die Kieler Forscher operieren können. So kann die defekte oder verkalkte Herzklappe mit Hilfe einer speziellen Lasersonde oder mittels eines starken Wasserstrahls herausgeschnitten, zerkleinert und über eine andere "Tunnelröhre" des Katheters heraustransportiert werden. Nach Entfernung der defekten Klappe kann die neue biologische Herzklappe sauber eingesetzt werden. Dazu wird sie außerhalb des Herzens auf ein Drahtgerüst montiert, gefaltet und dann durch den Katheter in das menschliche Herz transportiert. Vor Ort wird sie schließlich entfaltet und eingesetzt.

Dieses kombinierte Verfahren ist allerdings heute für den Patienten noch nicht verfügbar. Das Ziel der Forscher ist es daher, in wenigen Jahren eine Technik zur Verfügung stehen, die den perfekten chirurgischen Herzklappen-Ersatz über die Leiste mit modernsten Kathetersystemen möglich macht. Auf das Öffnen des Brustkorbes und den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine kann dann verzichtet werden. Für den Körper und Organismus des Patienten bedeutet es, dass die gesamte Operation schonend durchgeführt werden kann, keine große Operationswunde entsteht und die Patienten früher und ohne lange Rehabilitation nach Hause entlassen werden können.

"Diese schonende Operationsform wird in der modernen Herzklappen-Chirurgie zukünftig eine große Rolle spielen", ist sich Georg Lutter sicher. "Ohne die Hilfe von DFG und BMBF wäre ein solches Großprojekt allerdings undenkbar. Auch bei unseren Partnern in der Durchführung, dem Laserzentrum in Lübeck und dem Institut für Mikrotechnik der TU Braunschweig, möchten wir uns für die gute Kooperation bedanken."

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