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Neue Wege in der Lehrerfortbildung zur Bioethik

29.01.2007 - (idw) Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Mit einer Weiterbildungsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer zu Themen der Gentechnik setzt das Fraunhofer ISI im Auftrag der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH neue Maßstäbe bei der Fortbildung. In Rollenspielen und Diskussionsgruppen erarbeiten sich Biologie-, Ethik- und Religionslehrer Fachwissen und ethische Aspekte. Was tun, wenn bei einem ungeborenen Kind eine Behinderung festgestellt wird? Die Entscheidung zwischen einem Ja zum Kind oder einer Abtreibung lässt sich nicht allein medizinisch entscheiden. Welche ethischen Aspekte zu beachten sind und wie man diese im Schulunterricht vermitteln kann, lernen Lehrer in zweitägigen Weiterbildungsveranstaltungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Neu ist, dass sich die Veranstaltungen an Biologie-, Ethik- und Religionslehrer gleichermaßen richten und statt Schmalspurfachvorträgen die Gelegenheit bieten, heikle Fragen der Bioethik fächerübergreifend zu erarbeiten und direkt im Unterricht anzuwenden.

Das Fraunhofer ISI bietet diese Art der Weiterbildung zu Aspekten der Gentechnik seit 1999 viermal im Jahr an. Dieses Jahr lautete das Thema "Gendiagnostik", zuvor behandelten die Veranstaltungen "Grüne Gentechnik", "Gentechnik bei Tieren" und "Pränataldiagnostik". Die Nachfrage übersteigt bereits das Angebot und die Resonanz der Teilnehmer ist sehr positiv: "Informativ und anregend" und "besser als alle bisherigen Weiterbildungen" lauten einige der Reaktionen. "Mit dieser vom Fraunhofer ISI hervorragend durchgeführten Veranstaltung haben wir in den letzten zwei Jahren einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung von Lehrern und damit indirekt auch von Schülern mit bioethischen Fragen geleistet", erklärt Dr. Barbara Jonischkeit, zuständige Projektleiterin für den Bereich Biotechnologie und Schule der BIOPRO Baden-Württemberg.

Das Erfolgsgeheimnis der Veranstaltungen ist ihr besonderes Konzept: Nach einem Impulsreferat von ISI-Experten zum Thema erarbeiten sich die Teilnehmer medizinische und ethische Sichtweisen in Rollenspielen oder Dilemma-Diskussionen - beide sind neuerdings auch im Lehrplan für die Oberstufe vorgesehen. Die Lehrer lernen also neben fachlichen Inhalten auch neue Unterrichtsmethoden kennen.

Bei der Dilemma-Diskussion nehmen die Teilnehmer abwechselnd Pro- und Contra-Positionen zu einem moralischen Dilemma ein, etwa zu der Frage, ob man ein ungeborenes Kind abtreiben soll, bei dem mittels Gendiagnostik eine Behin-derung festgestellt wurde. In einem Rollenspiel stellen die Lehrer eine Szene nach, bei der sich ein Ehepaar von einem Arzt und einem Seelsorger über eine Abtreibung beraten lässt. Abgerundet wird die Veranstaltung von zwei Referaten aus gegensätzlichen Blickwinkeln, beim Thema Gendiagnostik beispielsweise von einer Ärztin und einer Beraterin der Diakonie.

Finanziert werden die Veranstaltungen von der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, organisiert mit Hilfe der vier Regierungspräsidien des Landes. Die Veranstaltungen seien aber nicht auf Baden-Württemberg beschränkt, sagt ISI-Projektleiterin Sibylle Gaisser. "Wenn Interesse bei den Oberschulämtern besteht, bieten wir die Weiterbildung auch in anderen Bundesländern an."

Kontakt:
Dr. Sibylle Gaisser
Telefon: (0721) 6809 - 205
E-Mail: sibylle.gaisser@isi.fraunhofer.de

Die Dokumentation der Veranstaltung findet sich als pdf-Download unter
http://www.bio-pro.de/de/service/01452/index.html?lang=de

Die Presseinformationen des Fraunhofer ISI finden Sie auch im Internet unter
http://www.isi.fraunhofer.de/pr/presse.htm.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht Chancen technischer Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Wirtschaft, Staat, Gesellschaft und Umwelt. Die interdisziplinären Forschungsgruppen konzentrieren sich auf neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und nachhaltiges Wirtschaften sowie auf die Dynamik regionaler Märkte und die Innovationspolitik.

BIOPRO Baden-Württemberg GmbH
Aufgabe der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH ist es, als zentrale Anlaufstelle des Landes die Stärken des führenden Biotechnologie-Standorts national und international optimal zu positionieren und den Standort zukunftsorientiert zu entwickeln. Spezifisch angelegte Wirtschaftsfördermaßnahmen helfen, Know-how und Arbeitsplätze im Land zu sichern und das große Potenzial der innovativen Forschung in die Wirtschaft zu transferieren. Unterstützt wird dies durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit unter http://www.bio-pro.de, die allgemeinverständlich und sachlich informiert.

Weitere Informationen: http://www.bio-pro.de/de/service/01452/index.html?lang=de Dokumentation der Veranstaltung
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