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Wissenschaftsrat - Bessere Lehre durch Professionalisierung der Hochschullehrertätigkeit

29.01.2007 - (idw) Wissenschaftsrat

Wissenschaftsrat empfiehlt Einführung von Professuren mit Schwerpunkt Lehre Das deutsche Hochschulsystem steht in den nächsten Jahren vor zwei gravierenden Herausforderungen: Die Studienplatzkapazitäten müssen zügig ausgebaut und gleichzeitig die Qualität der Lehre deutlich verbessert werden. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider: "Die Größe und Komplexität der Herausforderungen machen es unumgänglich, grundsätzliche und mutige Veränderungen anzugehen."

In der Etablierung von Professuren mit einem Tätigkeitsschwerpunkt in der Lehre sieht der Wissenschaftsrat einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser doppelten Herausforderung. Der Zugang zu diesen Professuren sollte vorzugsweise über den neuen, eigenständigen Qualifizierungsweg der Juniorprofessur mit Schwerpunkt Lehre führen. Deutschlandweit und auf mittlere Sicht sollen im Universitätsbereich etwa 20 Prozent der Professuren ein erhöhtes Lehrdeputat aufweisen. Das übliche Lehrdeputat von durchschnittlich acht Semesterwochenstunden (SWS) soll indes der Regelfall für eine Universitätsprofessur bleiben.

Der Wissenschaftsrat konkretisiert dieses weitreichende Konzept der Professur und Juniorprofessur mit Tätigkeitsschwerpunkt Lehre mit folgenden Vorschlägen:

- Der Tätigkeitsanteil der lehrbezogenen Aufgaben soll bei etwa zwei Dritteln des Zeitbudgets liegen (max. 12 SWS; erste Phase Juniorprofessur 6, maximal 8 SWS); für die Forschung sollten 30 Prozent zur Verfügung stehen. Stelleninhaber vertreten ihr Fach selbständig in Lehre und Forschung. Das Entgelt entspricht dem anderer Professoren.

- Der Zugang zur Professur mit Schwerpunkt Lehre soll auf der Basis nachgewiesener Kompetenzen in der Lehre erfolgen, vorzugsweise über den anspruchsvollen Karriereweg einer Juniorprofessur mit Schwerpunkt Lehre. Letztere sollte im Regelfall mit einer Tenure-Option (Chance auf dauerhafte Beschäftigung als Professor Schwerpunkt Lehre) verbunden sein.

- Die erfolgreiche Einführung solcher Professuren setzt voraus, dass flankierend ein umfangreiches, klar strukturiertes Angebot zur Vermittlung von Lehrkompetenzen aufgebaut wird. Es sollte schnellstmöglich entwickelt und dann allen Nachwuchskräften und Hochschullehrern zur Verfügung gestellt werden.

- Die systematische Professionalisierung der Lehrtätigkeit verlangt ein strukturiertes Angebot zur Vermittlung von Lehrkompetenzen, die Herausbildung von Standards hinsichtlich dieser Kompetenzen sowie die Etablierung von Instrumenten zu deren Überprüfung. Zentren der Kompetenzvermittlung können an den einzelnen Hochschulen oder auch hochschulübergreifend etabliert werden. Für die zügige Implementierung der vorgeschlagenen Angebote und Institutionen müssen Ressourcen in nicht unerheblichem Umfang bereitgestellt werden.

Das vorgelegte Konzept stellt insgesamt ein attraktives Angebot an den wissenschaftlichen Nachwuchs dar: Im Ausgleich für die Übernahme des erhöhten Lehrpensums werden sehr gute Qualifizierungsangebote sowie kalkulierbare Karriereperspektiven mit dem Ziel der Dauerbeschäftigung auf einer Professur geboten. Gleichzeitig möchte der Wissenschaftsrat mit diesem Vorschlag der derzeitigen Entwicklung entgegentreten, Universitätsprofessuren bzw. -mitarbeiterstellen mit einem unangemessen hohen Lehrdeputat einzurichten. Dieses macht ein Engagement in der Forschung unmöglich, beeinträchtigt die Qualität der Lehre und mindert die Attraktivität solcher Positionen für gute Nachwuchswissenschaftler. Für Lehrkräfte, die forschungsnahe Lehrinhalte vermitteln, sollte eine maximale Lehrverpflichtung von maximal 12 SWS gelten.


Hinweis: Die "Empfehlungen zu einer lehrorientierten Reform der Personalstruktur an Universitäten" (Drs. 7721-07) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftsrat.de
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