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Neue minimal-invasive OP-Methoden in der Urologie

29.01.2007 - (idw) Medizinische Hochschule Hannover

Gemeinsames Symposium mit dem Universitätsklinikum Leipzig präsentierte Live-Operationen und Vorträge zur endoskopischen und roboter-assistierten Chirurgie 150 Experten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich haben sich beim 2. Hannoveraner-Leipziger Endourologie Symposium in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) über neueste Verfahren in der endoskopischen und roboter-assistierten Chirurgie informiert. Der Kongress am Freitag, 26. Januar 2007, wurde von der MHH-Abteilung Urologie und der Klinik für Urologie der Universität Leipzig organisiert. "Das Symposium hat auf dem Gebiet der Urologie den derzeitigen Wissensstand in der minimal-invasiven Chirurgie vereint", betonte Professor Dr. Udo Jonas, Direktor der MHH-Abteilung für Urologie.

Insgesamt wurden fünf tumorchirurgische und rekonstruktive Eingriffe live aus dem Operationssaal in den Hörsaal F der MHH übertragen. Zwei der Eingriffe waren roboter-assistiert, drei Eingriffe konventionell endoskopisch. Die minimal-invasive Chirurgie hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung erfahren. Parallel dazu hat die Frage an Bedeutung gewonnen, wie radikal ein tumorchirugischer Eingriff sein muss, um den Tumor sicher zu entfernen und dennoch möglichst keine Organfunktionen zu beeinträchtigen. "Gegenüber der traditionellen offenen Operation bieten die laparoskopischen Techniken eine bessere Dastellung der Gewebestrukturen und einen geringeren Blutverlust", sagte Professor Jonas. In den vergangenen vier Jahren wurde im Rahmen einer Kooperation mit der Universität Leipzig ein minimal-invasives Operationsprogramm in der MHH aufgebaut. Maßgeblich daran beteiligt war PD Dr. Jens-Uwe Stolzenburg, Kommissarischer Leiter der Klinik und Poliklinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Während des Symposiums demonstrierten erfahrenen Operateure zum einen die praktische Durchführung der heute zur Verfügung stehenden Operationsmethoden, zum anderen präsentierten 14 Experten, die sich als Prota-gonisten dieser Entwicklung international hervorgetan haben, mit ihren Vorträgen die Vorgehensweise. Die mi-nimal-invasive endoskopische radikale Prostatentfernung mit Hilfe der "Schlüssellochtechnologie" ist mittlerweile vollständig etabliert. Als onkologisches Schwerpunktzentrum hat die Abteilung Urologie der MHH in den vergan-genen fünf Jahren bereits 1400 Patienten mit dieser Methode operiert. Die Urologen wollen diese Techniken wei-ter verfeinern, um - wie etwa im Fall der radikalen Blasenentfernung und Anlage eines Ersatzurinreservoirs - die Schwere des Eingriffes zum Vorteil für die Patienten zu minimieren und die Heilung zu beschleunigen.

Die roboter-assistierte Chirurgie hat sich seit 1999 und in zunehmenden Maße seit 2002 als ein konkurrenzfähi-ges Operationsverfahren entwickelt. Sämtliche minimal-invasiven Operationen können heute auch in roboter-assistierter Technik durchgeführt werden, wie Professor Dr. Vito Pansadoro, Direktor des Laparoskopischen Zentrums Vincenzo Pansadoro Foundation in Rom, erklärte.

Vor allem rekonstruktive Eingriffe wie Samenleiterrekonstruktion nach Sterilitätsbehandlung, urologisch rekon-struktive Eingriffe wie Nierenbeckenplastik, Harnleiterneinpflanzung und zunehmend kinderchirurgische Eingriffe bei Fehlanlagen werden heutzutage mit Hilfe von Robotern ausgeführt. Im Jahr 2006 wurden in den USA 44 Pro-zent der Prostataentfernungen mit roboter-assistierter Chirurgie durchgeführt - einer Technik, die zuerst in Deutschland beschrieben worden war. In den USA zeigt der Trend, dass in Zentren in denen einmal ein Roboter steht, die Technik sogar die minimal-invasive konventionelle Chirurgie ablöst. Dieser Trend ist auch in Europa, beispielsweise in der Schweiz, zu beobachten. Komplexe Operationen wie Blasenentfernung und Anlage einer "Ersatzblase" werden ebenfalls vermehrt mit dieser Methode durchgeführt. Weltweit besitzen 550 Zentren einen Operationsroboter, viele Zentren bereits zwei oder mehr. Insgesamt wurden im Jahr 2006 weltweit etwa 50.000 Operationen mit diesem Unterstützungssystem durchgeführt.

Zunehmend bestimmen auch Kostenaspekte die Entwicklung in der medizinischen Versorgung. Vor diesem Hin-tergrund wurden während des Symposiums die Vorzüge der roboter-assistierten Chirurgie, wie auch endoskopi-schen Chirurgie, für Patienten und Chirurgen dargestellt. Verlief die Entwicklung in den vergangenen Jahren vor allem in Richtung schonender Operationsverfahren für den Patienten, so reduzieren die roboter-assistierten Ope-rationsverfahren erstmals auch die körperliche Belastung für die Chirurgen und beugen möglicherweise berufsbe-dingten Erkrankungen vor.

Momentan kostet ein roboter-assistierter Eingriff mehr als ein konventioneller Eingriff. Diese Mehrkosten werden derzeit im DRG-System (Fallpauschalensystem) nicht berücksichtigt. "Es wäre wünschenswert, wenn die Kosten-träger sich einer solch positiven Entwicklung für Patient und Operateur nicht verschließen würden", erklärt PD Dr. Martin Burchardt, Leitender Oberarzt der MHH-Abteilung. Die Kosten eines derartigen Gerätes belaufen sich der-zeit auf etwa 1,5 Millionen Euro. Die Wartung schlägt noch einmal mit 140.000 Euro pro Jahr zu Buche. Zusätzli-che Kosten entstehen durch Verbrauchsmaterialien, so dass pro Patient Mehrkosten von 800 bis 1000 Euro ent-stehen. Die Erfahrungen mit der minimal-invasiven konventionellen Chirurgie haben jedoch gezeigt, dass es den Kassen nicht unbedingt um Innovation geht: So sind die Erlöse für die Operation, trotz Einführung der ebenfalls teureren konventionellen minimal-invasiven laparoskopischen Chirurgie, in den vergangenen Jahren sogar gesun-ken.


Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Udo Jonas, jonas.udo@mh-hannover.de, Telefon 0511 532-3650.

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