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Düsseldorf: Studie zur Risikoprognose von Multipler Sklerose in NEJM veröffentlicht

31.01.2007 - (idw) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

In der neuesten Ausgabe der international renommierten medizinischen Zeitschrift New England Journal of Medicine ist eine Untersuchung zum Risiko eine Multiple Sklerose (MS) zu entwickeln erschienen, an der die Düsseldorfer Neurologische Universitätsklinik als einziges deutsches Zentrum mitgearbeitet hat. Ihr Direktor, Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, ist einer von 15 Autoren aus sieben MS-Zentren in Nordamerika und Europa. (NEJM Ausgabe: 356: 371-378, 2007) Die BENEFIT-Studie hat die Wirkung von Interferon ß 1b auf die Entwicklung von dem so genannten isolierten klinischen Syndrom (KIS) zur manifesten Multiplen Sklerose untersucht. An der Therapiestudie beteiligt waren 462 Patienten mit ersten auf eine Multiple Sklerose verdächtigen Krankheitserscheinungen wie Gangstörungen und Sehnerventzündungen. Untersucht wurde die Wirkung des Immunmodulators Interferon ß1b bei neu an Multipler Sklerose erkrankten Patienten. Im Rahmen einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie (BENEFIT - Studie) erhielten die Patienten entweder ein Placebo oder den Immunmodulator Interferon-ß1b. Verglichen wurde der Prozentsatz der Patienten, die innerhalb des Studienzeitraums von zwei Jahren einen zweiten, die Diagnose der MS bestätigenden Schub erlitten oder die auf kernspintomographischen Befunden beruhenden so genannte McDonald Kriterien für eine MS erfüllten. Interferon-ß1b verzögerte klar das Auftreten eines neuerlichen Schubs, d.h. den Wechsel vom klinisch isoliertem Syndrom zur Multiplen Sklerose.

In dieser Arbeit wurden biologische Risikofaktoren für die Progression zur MS analysiert. Die MS ist vermutlich eine Autoimmunerkrankung, bei der sich fälschlich das Immunsystem des Patienten gegen körpereigene Strukturen, nämlich Moleküle im Gehirn und Rückenmark richtet. Zu diesen Molekülen, die normal dort vorkommen, zählen das myelinbasische Protein MBP und das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein MOG. Beide finden sich auf der Oberfläche der Markscheide, die als Isolierschicht um die Nervenkabel gehüllt die sichere und rasche Fortleitung von Nervenimpulsen garantiert. Die internationale Forschergruppe untersuchte in dieser Patientengruppe, ob die Anwesenheit im Blut nachweisbarer Antikörper gegen diese Moleküle diesen Patienten mit dem klinisch isoliertem Syndrom (KIS) ein höheres Risiko verleiht, einen zweiten Schub zu bekommen und damit eine MS zu entwickeln. Es konnte keine prognostische Bedeutung dieser Antikörper nachgewiesen werden.

Diese Befunde stehen im Widerspruch zu einer früheren Untersuchung, die ebenfalls im New England Journal publiziert worden war und damals großes Aufsehen erregte. Methodisch wichtig ist, dass die angewandten Tests Antikörper gegen so genannte "lineare Epitope" dieser Autoantigene, also ihre zweidimensionale Struktur, reagieren. Die Düsseldorfer neuroimmunologische Arbeitsgruppe wird nun bei Blutproben dieser Patienten einen anderen Testassay verwenden, den sie kürzlich in den Proceeedings of the National Academy of Sciences USA veröffentlichte (Zhou et al, aus der AG Prof. Dr. Bernhard Hemmer) ( PNAS 103: 19067-19562, 2006) (siehe Pressemitteilung vom 8.1.2007). Dieser erlaubt, Antikörper gegen die natürlich im Gehirn vorkommende dreidimensionale Struktur des Autoantigens MOG zu detektieren. Solche Antikörper sind wahrscheinlich auch krankmachend. Abgesehen von diesen immunologischen Befunden zu biologischen Risikofaktoren des Übergangs vom isolierten klinischen Syndrom zur manifesten MS hat die BENEFIT Studie neuerlich klar belegt, dass ein frühestmögliches therapeutisches Eingreifen bei MS sinnvoll und angebracht ist.


Kontakt: Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Universitätsklinikum Düsseldorf, Tel.: 0211 / 81-18577

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