Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenDonnerstag, 21. November 2019 

Neue DFG-Forschergruppe an der Jacobs University Bremen

14.02.2007 - (idw) International University Bremen (ab Frühjahr 2007: Jacobs University Bremen)

Im April 2007 startet die Forschergruppe "Priorisierung in der Medizin: Eine theoretische und empirische Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Gesetzlichen Krankenversicherung". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert die Forschergruppe mit 1,58 Millionen Euro für zunächst drei Jahre. Sprecherin der Forschergruppe ist Professor Dr. Adele Diederich von der Jacobs University. Die DFG-Forschergruppe
17 Wissenschaftler von 12 Universitäten und wissenschaftlichen Institutionen sind an der Forschergruppe beteiligt. Sie befassen sich mit der Priorisierung, d.h. dem Festlegen von Rangordnungen für Fragen der medizinischen Versorgung. Muss die Ausweitung medizinischer Interventionsmöglichkeiten zunehmend Verzicht auf mögliche Eingriffe und Behandlungen nach sich ziehen, da niemals alles, was medizinisch möglich ist, auch gesellschaftlich finanziert werden kann? Wenn ja, sollen z. B. Kinder grundsätzlich Älteren gegenüber bevorzugt werden? Ist Prävention wichtiger als Versorgung? Soll die Allgemeinheit Luxustherapien für wenige Patienten mittragen?

Solche und ähnliche Fragen werden heute von ärztlichen und politischen Entscheidungsträgern weitgehend pragmatisch und ad hoc entschieden, sozusagen mit versteckter Priorisierung. Es fehlen klare Konzepte und Verfahren zur systematischen Informationsgewinnung und Informationsverarbeitung. Doch erst diese führen zu transparenten und damit nachvollziehbaren Entscheidungen.

Die Forschergruppe sucht Priorisierungsverfahren, die die Wünsche und Interessen der Betroffenen, also Patienten, Mediziner und Bürger, ernst nehmen. Entscheidungen über medizinische Leistungen sollen sowohl theoretisch und ethisch akzeptabel sein -besonders für die Betroffenen- als auch institutionell und rechtskonform umsetzbar.

Dieses Ziel soll durch zwei Forschungsperspektiven und deren Verknüpfung erreicht werden. Die Forschergruppe besteht aus Experten der Bereiche Ethik, Jurisprudenz, Medizin, Ökonomie, Philosophie, und Psychologie. In elf Teilprojekten wird die Problematik zum einen aus philosophischer, rechtlicher und ökonomischer, zum anderen aus empirischer und medizinischer Perspektive betrachtet.

Teilprojekt der Jacobs University
Neben der Sprecherin Dr. Adele Diederich, Professor of Psychology, ist die Jacobs University mit zwei weiteren Professorinnen an der Forschergruppe beteiligt: Dr. Petra Lietz, Professor of Quantitative Research Methods, und Dr. Margrit Schreier, Professor of Empirical Methods in the Humanities and Social Sciences. Allein das Fördervolumen für die Jacobs University beträgt in den kommenden drei Jahren 589.000 Euro. Die Wissenschaftlerinnen werden erforschen, aufgrund welcher Kriterien bestimmte Behandlungsformen oder Patientengruppen bevorzugt werden. Anhand einer empirischen Erhebung werden diese Kriterien für verschiedene Betroffenengruppen untersucht. Dabei sollen sowohl Priorisierungen in Hinblick auf verschiedene Behandlungsziele und Behandlungsmethoden überprüft werden, als auch die Priorisierung verschiedener Krankheitsbilder, etwa von Versorgungszielen und -formen.

Mitglieder der Forschergruppe:

Prof. Dr. Marlies Ahlert, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie
und Finanzwissenschaft, Martin-Luther-Universität, Halle
Prof. Dr. Gerhard Dannecker, Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Informationsrecht, Universität Bayreuth
Prof. Dr. Adele Diederich, Professor of Psychology, Jacobs University Bremen
Dr. Andrea Dörries, Direktorin des Zentrums für Gesundheitsethik, Hannover
Prof. Dr. Stefan Felder, Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Dr. Michael Freitag, Wissenschaftlicher Assistent, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Universität Bayreuth
Prof. Dr. Arnold Ganser, Direktor der Abteilung für Hämatologie, Hämostaseologie und Onkologie, Medizinische Hochschule Hannover
Prof. Dr. Stefan Huster, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Christian Katzenmeier, Professor für Bürgerliches Recht und Zivilprozessrecht, Universität zu Köln
Prof. Dr. Hartmut Kliemt, Lehrstuhl für Praktische Philosophie, Universität Duisburg-Essen
Prof. Dr. Petra Lietz, Professor of Quantitative Research Methods, Jacobs University Bremen
Prof. Dr. Weyma Lübbe, Institut für Philosophie, Universität Leipzig
Prof. Dr. Eckhard Nagel, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Universität Bayreuth
Prof. Dr. Heiner Raspe, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck
Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert, Direktorin des Instituts für Ethik, Geschichte & Theorie der Medizin, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Prof. Dr. Margrit Schreier, Professor of Empirical Methods in the Humanities and Social Sciences, Jacobs University Bremen
Priv.-Doz Dr. Walter Wohlgemuth, Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Medizinmanagement, Universität Bayreuth

Fragen zur Forschergruppe beantwortet:

Jacobs University Bremen
Prof. Dr. Adele Diederich
Professor of Psychology
Sprecherin der Forschergruppe
Tel.: 0421 - 200 3431
a.diederich@iu-bremen.de

uniprotokolle > Nachrichten > Neue DFG-Forschergruppe an der Jacobs University Bremen
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/132136/">Neue DFG-Forschergruppe an der Jacobs University Bremen </a>