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Zeit vergessen, Zeit erinnern - Hans Fallada und das 'kulturelle Gedächtnis'

19.02.2007 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Tagung anlässlich des 60. Todestages von Hans Fallada vom 21. bis 23. Februar 2007 in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern in Berlin

Aus Anlass des 60. Todestags von Hans Fallada, der am 5. Februar 1947 in Berlin verstarb, richten die Germanistischen Institute der Universitäten Gießen (Prof. Dr. Carsten Gansel) und Zielona Góra (Dr. Pawel Zimniak) in Verbindung mit dem Fallada-Forum (Werner Liersch) und der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft unter dem Titel "Zeit vergessen, Zeit erinnern - Hans Fallada und das 'kulturelle Gedächtnis'" vom 21. bis 23. Februar 2007 eine Tagung aus, die in der Landesvertretung von Mecklenburg-Vorpommern (In den Ministergärten 3, 10117 Berlin) stattfindet. Die Tagung wird sich auf drei Schwerpunkte konzentrieren: Nachkriegsliteratur - Rückkehr und 'kollektives Gedächtnis', Gedächtnis der Literatur - Fallada und 'das Prinzip Erinnerung' sowie Fallada erinnern - Aspekte der Rezeption.

Nachkriegsliteratur - Rückkehr und 'kollektives Gedächtnis':

Mit dem Todesjahr von Hans Fallada 1947 ist ein erstes Diskussionsfeld für die Tagung benannt: Es geht um die unmittelbare Nachkriegssituation und die Versuche, nach dem 'Auszug der Kultur' und dem folgenden Zivilisationsbruch das Vergessene 'neu' zu erinnern. Dabei stellt sich das literarische Feld nach 1945 nicht nur wegen der räumlichen und politischen Trennung in Besatzungszonen als zerklüftet dar. Von einer "Einheit der Autoren" konnte ebenso wenig die Rede sein, wie von einer "Stunde Null". Im Gegenteil: Aufbruchs-Rhetorik wie Einheitsappelle waren Indiz für die Konkurrenz unterschiedlicher Autoren-Gruppen auf einem relativ offenen gesellschaftlichen Feld. Dazu gehört die Rückkehr der Emigranten und ihr vieldiskutiertes Verhältnis zu jenen, die in Deutschland geblieben waren (?Thomas-Mann-Streit?). Neben Erich Kästner oder Hans Fallada gehören dazu ?Problemfälle?, wie sie im Umfeld des I. Schriftstellerkongresses 1947 diskutiert wurden (u.a. Ina Seidel, Hans Friedrich Blunck, Hans Carossa).
Zu fragen ist danach, wie jene Völker Deutschland sahen, die direkt vom Vernichtungsfeldzug der Deutschen betroffen waren und zu Opfern eines Genozids gemacht wurden wie Polen oder Russen. Insofern existieren nach dem II. Weltkrieg verschiedene Typen des ?kollektiven Gedächtnisses?, es geht um das Opfer- und Tätergedächtnis ebenso wie das Sieger- und Verlierergedächtnis und schließlich um sich neu ausbildende Erinnerungskulturen.

Gedächtnis der Literatur - Fallada und 'das Prinzip Erinnerung':

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft das Leben wie das Werk von Hans Fallada. Dabei geht es um die Frage, wie Fallada selbst erinnert, es stehen also Aspekte des ?Gedächtnisses der Literatur? im Zentrum. Denn: Hans Fallada ist einer der ersten Autoren, die die Nazi-Zeit erinnern ("Tagebuch 1944") und sie nach 1945 mit ihren Texten ins ?kollektive Gedächtnis? holen ("Der Alpdruck"; "Jeder stirbt für sich allein"). Das "Tagebuch 1944", dessen Text erschlossen vorliegt, wurde bislang nicht publiziert.

Fallada erinnern - Aspekte der Rezeption:

Ein dritter Schwerpunkt der Tagung wird sich auf Aspekte der Fallada-Rezeption konzentrieren. Insofern steht die Frage, "was bleibt von einem Menschen übrig im Gedächtnis seiner Umgebung" (Uwe Johnson). Dabei wird es um die Veröffentlichungspraxis ebenso gehen, wie um spezifische Varianten von 'Erinnerungspolitik', die immer auch ein ?Vergessen? bedeuten können. Zu fragen ist beispielsweise, warum und gegen wie starke Widerstände die Veröffentlichung des Manuskripts "Der Trinker" zustande kam. Offenbar wird, in welchem Maße das 'kollektive Gedächtnis' von den Rahmenbedingungen des Erinnerns abhängt (u.a. Gesellschaftsformationen, Zeitbewusstsein). Dies betrifft den 'Umgang' mit Hans Fallada und seinem Werk in Ost und West bis hin zur Archivlage, konkrete Entscheidungen für die Übersetzung ausgewählter Texte oder ausgewählte Verfilmungen seiner Romane.

Veranstalter:
- Prof. Dr. Carsten Gansel (Universität Gießen, P.E.N.-Zentrum Deutschland)

- Werner Liersch (Fallada Forum, P.E.N.-Zentrum Deutschland)
- Dr. Pawel Zimniak (Universität Zielona Góra)
- Mecklenburgische Literaturgesellschaft e.V.
- Fallada-Forum

Kontakt:

Prof. Dr. Carsten Gansel
Institut für Germanistik
Otto-Behaghel-Straße 10, Haus B
35394 Gießen
Telefon: 0641 99-29121
Fax: 0641 99-29129
E-Mail: Carsten.Gansel@germanistik.uni-giessen.de
Weitere Informationen: http://www.zmi.uni-giessen.de/pdf/Programm_Fallada.pdf
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